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Streit muß sein

Ab Oktober 1919 unterrichtete der Nichtkriegsteilnehmer, der erklärte Gegner 'autoritärer' Unterrichts- formen, der Anhänger der politischen Demokratie und des (kultur-)protestantischen Liberalismus im Verein mit einem Direktor, der in allen Stücken das glatte Gegenteil verkörperte. Fritz Stenger lebte im Bewußtsein seiner Verdienste um den Schulaufbau in Betzdorf und deren Anerkennung in der lokalen Gesellschaft. Dinkelacker stellte sich den Realitäten der hiesigen Schularbeit im Bewußtsein des Reformwillens[1], der in den Wahlen zur Nationalversammlung und in der neuen Verfassung zum Ausdruck gekommen war[2]. Für Dinkelacker signalisierte schon Kapps Putschversuch im Frühjahr 1920 den Konflikt, der auf ihn zukam: Fritz Stenger zog als Zeichen seiner Sympathie mit den Putschisten an der Direktorsvilla neben der Schule die kaiserliche Fahne auf.

Die Parlamentswahlen im Juni 1920 hätten Dinkelacker vollends entmutigen können. Die DDP sank im Kreis Altenkirchen von 19% (7178 Stimmen) auf 1,5% und die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) erhielt auf Anhieb 6955 Stimmen (19%). In ihrem lokalen Vorsitz amtierten Fritz Stenger (und später der Kollege Max Lohmann) Spitzenkandidat und Abgeordneter des Wahlkreises Koblenz-Trier-Birkenfeld war der Schloßherr von Friedewald, Richard Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der politisch bestimmende Faktor im Kreis Altenkirchen war und blieb die Zentrumspartei, deren Stimmenanteil nie unter 40% sinken sollte (und deren Vorstand der Kollege Michael Reif angehörte)[3]. Dem Zentrum nahe standen die 'Rheinisch-Westfälische Volkszeitung' (RWVZ, in der Postraße 4 in Betzdorf), später die 'Siegblätter' (SB), während die 'Betzdorfer Zeitung' (BZ) E. A. Böckelmanns (Schriftleitung Balthasar Wirth) ihren Lesern unermüdlich antirepublikanische Polemik lieferte und für DNVP, Fritz Stenger, und die nationale Rechte Partei ergriff. Eine Kostprobe: Unter dem 8.2.1922 druckte die BZ ('zugleich Kirchener und Wissener Zeitung' und 'Generalanzeiger für den Kreis Altenkirchen') "Eine Schulrede zum 9.November":

"Meine lieben Schüler! / Die letzte Unterrichtsstunde an diesem Tage soll nach Anordnung der Thüringer Staatsregierung keine Lehrstunde sein, sondern eine Feierstunde. Wir sollen den 9. November als Erinnerungstag der deutsche Revolution vom Jahre 1918 festlich begehen, und zwar soll er gewürdigt werden als ein Tag der Befreiung des deutschen Volkes. Wir müssen uns also fragen: Wo von hat uns dieser Tag befreit? ... Der 9. November hat uns "befreit" von Elsaß-Lothringen, dem Saarbecken und dem linken Rheinufer ... von allen unseren Kolonien, also den eigenen Bezugsländern von Rohstoffen für unsere Industrie ... von unserem Heere und unserer Kriegsflotte und damit von der Möglichkeit, dem Auslande gegenüber irgendeinen nationalen Willen geltend zu machen; ... von unserer stolzen, in der ganzen Welt hochangesehenen schwarz-weiß-roten Flagge, an deren Stelle nicht der Feind, sondern die Revolutionsmänner uns die schwarz-rot-tineff Fahne aufgenötigt haben, wie sie von den Millionen Schnorrern, Dieben und Betrügern bezeichnet wird, die uns aus Polen und Galizien überschwemmt haben ... Ihr seht also, meine lieben Jungen, was für ein herrlicher Befreiungstag der 9. November 1918 gewesen ist..."

Angesichts des lokalen Wählerspektrums und der lokalen 'Medienlandschaft' trafen sich am 19. April 1921 ein paar Frauen und Männer im 'Zentralhotel' in Betzdorf und gründeten die "DDP, Ortsgruppe Betzdorf und Umgebung". Dinkelacker wurde zum Vorsitzenden gewählt. Im Vorstand amtierten unter anderen die Lehrer Bracke/Kirchen, Idelberger/Wissen, Leonhard/Betzdorf (trat 1925 aus, vermutlich wegen der Haltung der DDP zum "reaktionären" Schulgesetzentwurf des deutschnationalen Innenministers), Frau Oswald/Herdorf, Seekatz/ Kirchen, Rudolf Seim/Betzdorf und der Kreisvorsitzende des Lehrervereins, Emil Weyel/Wehbach ebenso die Herren Eichhorn/Betzdorf, Katastersekretär Heib/Betzdorf, Mertens, Pabst/Mudersbach, Stahl. Die Familie Seim, Vater Karl und die Söhne Richard, Rudolf, Otto und Karl waren ein Stütze der Neugründung. Als weitere Mitglieder wurden geführt: Regierungsamtmann(?) Hickmann/Kirchen, Amtsgerichtsrat Löwenstein/Kirchen, Lehrer Ochs, Lehrer Otto Schneider/Betzdorf, Herr Schwarz. Die DDP Orts-und Kreisgruppe trug zwar in den folgenden Jahren auch mit öffentlichen Vorträgen und Wahlveranstaltungen zum politischen Leben bei, ein Hauptzweck mag zunächst jedoch darin gelegen haben, den Menschen, die sich auf einer republikanischen Linie neben SPD und Zentrum politisch engagierten, Rückhalt, Selbstkontrolle und Ausweg aus der Einsamkeit zu bieten. Die versammelte schulische Kompetenz war hoch, das bildungspolitische Interesse kam in vielen Sitzungen und in der Wahl der Vortragsthemen zum Ausdruck[4].

Die BZ druckte die Annonce ("Jedermann, besonders auch Frauen, sind freundlichst eingeladen") und kommentierte freundlich-zustimmend die erste öffentliche Versammlung Mitte Oktober 1921 mit dem Redner Edmund Mugler, Theologe und Studienrat in Siegen. Thema 'Autorität und Freiheit': "Selbständigkeit des Staatsbürgers, dem sein Gewissen und Verstand den rechten Weg zeigen, ist die einzige Sicherheit für den Staat und zugleich der einzige Weg zum Menschentum". Ein Vortrag, dessen Inhalt 'hoch über allem Parteiengezänk' stand, nur die Zuhörerzahl ließ zu wünschen übrig. Der 1. Vorsitzende hob hervor, daß die Ortsgruppe "es als ihre Aufgabe betrachte, zum Ausgleich der Parteigegensätze beizutragen." Die RWVZ beklagte den "allgemeinen Indifferentismus politischer Betätigung", auf den die geringe Besucherzahl wohl zurückzuführen sei und kommentierte die Parole des Vorsitzenden: "Also ist Verständigung mit den Herren von der Demokratischen Partei möglich". Dann wurde allerdings auch erklärt, daß man im Punkt 'Kultur' des Parteiprogramms nicht einer Meinung sei, ein allgemeiner religionskundlicher Unterricht zusätzlich zum konfessionellen sei eine "Halbheit, mit der wir uns nicht anfreunden können".

Die 1922 folgenden Vorträge waren, jedenfalls zum Teil, etwas besser besucht (40-50 Teilnehmer) und wurden damals spaltenlang in der örtlichen Presse referiert. Anfangs schrieb Dinkelacker in der BZ die "Vornotizen". Der Landtagsabgeordnete und Seminardirektor Gottschalk/Gummersbach sprach über "Deutschlands Wiedergeburt durch die Demokratie", der Kreisschulrat Ufer/Dillenburg zum Thema "Der Reichsschulgesetzentwurf", der Reichstagsabgeordnete Ziegler/Siegen über "Die politische Lage". Ende Juli trafen sich die Mitglieder mit Familie zu einer "Uhlandfeier" auf der Freusburg. Gedichte wurden vorgetragen und Lieder gesungen (Clara Dinkelacker sang und spielte Laute).

In ihrer Versammlung am 4. Juli gedachten die Mitglieder des ermordeten Aussenministers Walter Rathenau. Dann wurde vorgelesen was der Vorstand "zur Abwehr der dauernden Angriffe und Verdächtigungen Böckelmanns in der BZ gefertigt hat und das zur Aufnahme in besagtes Blatt bereits der Redaktion übergeben wurde". Die Zeitung hatte den Profilierungsgewinn erkannt, der im 'Kampf' mit dem kleinen Gegner lag.

Voreingenommenheit gegen Neuerungen war nicht spezifisch für Betzdorf und nicht für die Betzdorfer Schule. Wie war damit umzugehen, daß sich das Ressentiment hartnäckig hielt, auch wenn Verfassungsloyalität und Gesetzeskonformität berührt waren?[4a] In der Schule kam es immer wieder zum besonderen Ausdruck bei Gelegenheit der neuen Verfassungsfeiern[5], beim Übergang zu neuen Geschichtsbüchern[6], in der Regelung des Zugangs für Mädchen (die übrigens noch lange nicht mit der männlichen Jugend gleichgestellt wurden), in den Modalitäten der Zusammenarbeit von Lehrerkollegium und Elternschaft, im Umgang mit Schülerinitiativen und nicht zuletzt im Umgang mit einem Lehrer, der außerhalb der Schule ein politisches Profil[7] zeigte, und in der Anstalt Legalität und Loyalitäten der Amtsführung des Leiters in Zweifel zog? Einer, der auf seinem Standpunkt beharrte, daß an die Stelle von "Treue" zur Autorität Achtung der Verfassung treten mußte, daß nur die Verfassung den Schutz des Einzelnen vor Willkür leisten kann, und daß die Schule ihrer Verpflichtung, Rechtsbewußtsein auszubilden, nicht nachkommt, wenn sie die Verfassung nicht achtet. Schüler, denen sich Recht und Moral in überkommen autoritärer Weise im Lehrer personifizierten, fanden vermutlich schnell ihre Formel für die Gegenrede dieses "Aussenseiters" für sein "Meckern" in wenigen, aber immer den gleichen Dingen gegen den Chef. Er mag ihnen als Pedant erschienen sein[8]. Er mag in manchem auch ein Pedant gewesen sein, in vielem war er es nicht. Die Vorstellung, die er vom pädagogischen Ziel und den Formen seines Eintretens für die demokratische Grundordnung in der Schule hatte, scheint eher großzügig und auf lange Sicht angelegt. Für diesen erfahrenen Pädagogen und im Kampf um die 'Volkskirche' (Demokratie in der protestantischen Kirche) erprobten (und aus heutiger Sicht sich sehr 'patriotisch' gebenden) Bürger stellte sich der Chef und Gründer der Schule nach zwei ein halb Jahren so dar, als habe sein ganzes Verhalten

"in der Hauptsache den Zweck und das Ziel, unsere Schulorganisation solange und soweit als eben möglich auf einem veralteten, äußerlichen und darum m.E. falschen Autoritätsstandpunkt zu erhalten, dazu unsere Schuljugend systematisch zu kritikloser Voreingenommenheit für das vergangene monarchische System einerseits, zum direkten Widerwillen gegen die ganze heutige Verfassung andererseits zu erziehen"[9]

Er notierte ergänzend, daß er

"keinem Lehrer zumute, gerade auch vor Schülern irgend etwas gegen seine innere Überzeugung zu reden oder zu tun. Darum kann man auch m.E. von einem überzeugten Anhänger der alten Verfassung nicht verlangen, dass er der Jugend Liebe für die heutige einflößt. Dagegen kann man von einem Lehrer, der auf diese Verfassung vereidigt ist, erwarten, dass er sie im Unterricht objektiv würdigt und sie jedenfalls nicht direkt oder indirekt in den Augen der Schüler verächtlich macht, bezw. dass er, wenn er sich durchaus nicht auf die heutigen Verhältnisse einstellen kann, sich in seinem Amt in der Kritik u. dem Kampf gegen sie, die gebührende Zurückhaltung auferlegt."[10]

Es kam zum Eklat, als Dinkelacker im März 1922 bei Gelegenheit der Abitursprüfungen mit dem Schulrat Wüllenweber ein kurzes, persönliches Gespräch führte. Er hatte vorher den Kollegen Wunn ins Vertrauen gezogen. Die Aktion war heikel, weil formal eine Anzeige in Betracht kam, die aus menschlichen, vielleicht auch aus politischen Gründen ausdrücklich nicht gewollt und nicht gemeint war. Dinkelacker hatte den Eindruck, daß Wüllenweber ihn verstand. Wie und was Stenger von diesem Gespräch erfuhr, ist nicht dokumentiert, nur daß der Direktor Dinkelacker nicht mehr grüßte und ihm die persönliche Aussprache ebenso verweigerte wie die Behandlung der Angelegenheit in einer Konferenz.

Eine indirekte Äusserung Fritz Stengers hat sich erhalten. Clara Dinkelacker besuchte im Frühsommer 1922 mit ihrem Bruder Rudolf die Familie ihres Bruders Karl, Arzt in Neubrandenburg. Frau Stenger schrieb ihr unter dem 11. Juni:

"... daß ich nicht mehr zu Euch ins Haus kommen kann. Ich stand und stehe ja auf dem Standpunkt, dass im allgemeinen dienstliche Angelegenheiten und Differenzen uns Frauen nichts angehen, aber es gibt doch Lagen, das merke ich jetzt, in denen man diesen Grundsatz nicht aufrecht erhalten kann. Nach dem, wie Dein Mann sich gegen den meinen benommen hat, ist es auch mir unmöglich, gesellschaftlich mit ihm zusammen zu sein. Es würde unwahrhaftig sein, wollte ich ihm gegenüber ein Verhalten zeigen, das nicht meiner Gesinnung entspricht, darum ists besser, offen und ehrlich zu sagen, wie ich denke. Selbstredend habe ich auch jetzt noch Dir gegenüber die alte Gesinnung. Nach eingehender Rücksprache mit meinem Mann und mit seiner Zustimmung will ich Dir auseinandersetzen, wie wir die Sache ansehen... Solange Dein Mann hier ist, hat er durch sein fortgesetztes Nörgeln und seine wiederholten, meist in schärfster Form geführten Angriffe gegen meinen Mann diesem sein Amt erschwert und auch nach allgemeinem Urteil einen ganz anderen Ton in die Verhandlungen der Konferenz hinein getragen. Nicht allein in der Sache, sondern ganz besonders durch den Ton, die ganze gehässige Art, die Form- und Taktlosigkeit seines Vorgehens hat er ihm immer wieder zu schaffen gemacht... Zugleich agitiert Dein Mann im Kollegium als Vorkämpfer für dessen angeblich bedrohte und verkürzte Rechte heftig gegen ihn, arbeitet dabei aber tatsächlich ganz unzweideutig darauf hin, ihn möglichst an die Wand zu drücken, dem Direktor möglichst alle Befugnisse zu nehmen, auch die Entscheidung über alle Kleinigkeiten nur auf die Konferenz zu übertragen. Diese in naivster Weise immer wieder versuchte Bevormundung und Gegenarbeit geht soweit, dass er sogar meinem Manne geradezu eine Verleugnung seiner Gesinnung und Überzeugung, eine Umstellung in die republikanische und preussenfeindliche fordert und ihm jede Bekundung preussischer Gesinnung, jeden Hinweis auf die einstige Grösse unseres Staates und deren Gründe verwehren will, auch bei den Schülern gegen ihn arbeitet... Die Anschauungen können ja verschieden sein, und es ist selbstverständlich, dass mein Mann ihm entgegengebrachten Wünschen, sofern dies in richtiger Form geschieht, gerne entgegenkommt, soweit es nur möglich ist. Aber gerade die bevormundende und verletzende Art, in der Dein Mann die seinen geltend macht, zwingt meinen Mann zu seinem Verhalten und lässt ihn auch keine Aussicht sehen, dass es jemals anders werden könnte. Er glaubt, diese seine Stellung sich selbst und der Schule schuldig zu sein. Ich denke, nach alle dem wirst Du es verstehen, dass auch ich mich zu verhalten müssen glaube, wie ich es im Anfang meines Briefes erwähnt habe."[11]

Clara antwortete:

"Liebe Anna ... Ich kann nur sagen, daß mein Mann 10 Jahre in Essen an der Schule war und immer von seinen Collegen und Schülerinnen geliebt und geachtet wurde. Bis zum heutigen Tag habe ich viele Beweise treuester Anhänglichkeit an ihn. Er hat auch immer froh und zufrieden seinen Dienst getan. Wenn es nun hier so ganz anders wurde und mein Mann oft so verbittert war, müssen doch wohl schwerwiegende Gründe vorhanden sein, die außerhalb seiner Person liegen..."

Was wurde von Dinkelacker erwartet? Daß er ging? - Er blieb, ertrug das Klima in der Schule, widmete sich dem Unterricht und führte nebenbei die Partei- und Kulturarbeit fort. Beruhigte sich damit, daß Fritz Stenger 1927 in den Ruhestand gehen würde.An Wochenenden stand viel Natur und Wandern auf dem Programm, der Stegskopf mit seiner Hütte[11a] und die Jugendherberge Freusburg spielten im geselligen Leben der Familien- und Parteifreunde - meist Lehrerinnen und Lehrer - eine kaum zu überschätzende Rolle. Dinkelackers bauten unweit der Schule, auf dem Grund und Boden der 'Erben Hartmann', ein Haus, in das die Familie mit drei Kindern, Großmutter Hartmann und Rudolf, dem Landschaftsgärtner, im Herbst 1925 einzog. Anna Hartmann erlebte nur ein Jahr lang ihre Wohnung im neuen Haus. Sie starb am 9. November 1926[12], wenige Tage vor einer Welle der Entrüstung, die sich gegen ihren Schwiegersohn richtete[13].

1924 weihte die Schule ihr "Kriegerdenkmal" ein. Heinrich Lake redete und ermahnte zu Mut und nationaler Würde. Eine heute merkwürdige 'Würde', die von "Dolchstoßlegende" und "Kriegsschuldlüge" nicht zu trennen war:

"Und so sei Euch, liebe Schüler einmal wieder gesagt, auf welcher Seite die Schuld am Kriege zu suchen ist. Der Nachweis ist erbracht, daß unsere Feinde ihn seit Jahrzehnten planmäßig vorbereitet haben, und daß allen Organe ihrer Regierungen sich dabei bewußt haben leiten lassen von folgenden Hauptfaktoren: / in Frankreich von einer 1000 Jahre alten Raub- und Zerstörungspolitik mit dem Ziel, den deutschen Rheinstrom französisch zu machen, und von einem künstlich ins maßlose gesteigerten Rachetrieb für 1870/71; / in England vom Handelsneid und von der Einkreisungspolitik König Eduards VII; / in Rußland und in seinen slavischen Vasallenstaaten auf dem Balkan von einem unersättlichen Ausdehnungsdrang, besonders nach Konstantinopel hin."[14]

Nicht gerade eine Aufforderung zur Verständigung nach 'aussen'. Nach 'innen' stand es in der Schule mit der Verständigung auch nicht gut. Zu den Nationalfestspielen in Weimar reisten in diesem Jahr "Abordnungen vieler Schulen aus dem ganzen Reich, insbesondere auch aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet (die von Truppen der Kriegsgegner besetzt waren KS) (BZ)". Fritz Stenger lehnte eine Reise der Prima mit dem Hinweis ab, daß Friedrich Ebert da der Schirmherr sei[15]. Der wandte sich dann auch besonders an die rheinländische Jugend und die Betzdorfer konnten in ihrer Zeitung lesen:

"Ihr deutsche Jugend, seid die Hoffnung, seid die Zukunft unsers Vaterlandes, um deretwillen wir in duldendem Ausharren die schwere Last der Gegenwart tragen. Ihr sollt, ihr werdet wieder lichtere Tage sehen! Seid aber stets eingedenk, daß auch ihr Pflichten habt gegen euer Vaterland und euer Volk; fühlet euch mit Hingabe und Liebe als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft; lebet nicht allein deutschen Taten der Vergangenheit, sondern wirkt mit an den Aufgaben der Gegenwart und stehet in gegenseitigem Verständnis in Einigkeit zusammen, die allein uns stark machen kann..."

1924 war ein doppeltes Wahljahr und für die Ortsgruppe der DDP ihr erstes. Unter ihren Wahlrednern in Betzdorf waren alte Bekannte aus dem Evangelisch-Sozialen Kongress wie H. Hermelink, Theologe/Marburg (Maiwahlen,"Politik der Vernunft oder der Katastrophe?") oder Martin Rade, Theologe/Marburg[16] und Frau Dora, geborene Naumann, (Dezemberwahlen, "Die nationale Aufgabe der Demokraten", "Das Londoner Abkommen"[17]). Martha Dönhoff/Soest redete zum Thema "Die Frau und die Politik". Im Ergebnis konnte die Partei sich im Wahlkreis gegenüber 1920 kaum verbessern (von 563 auf 738 Stimmen), immerhin war ein deutlicher Stimmengewinn im Bereich der Ortsgruppe zu verzeichnen, während die DDP auf Reichsebene fast ein Drittel ihrer Mandate verlor.

Die lokale Stärke der Zentrumspartei beschränkte den Einfluß deutsch-nationaler Kreise und Parteigänger in Betzdorf, sonst hätte Alfred Dinkelacker vermutlich dem Druck in Schule und Öffentlichkeit nicht standhalten können. Als Regierungspartei von Dauer stand das Zentrum zum neuen Staat, trotz so manchem 'lauen' Republikaner in seinen Reihen. Als sich auch in Betzdorf das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (RB - 'Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer') gründete, als Pendant zum 'Stahlhelm' auf der Rechten, aber auch als militante republikanische Organisation gegen die SA, und auf der Linken gegen die 'Rotfront', trat Dinkelacker bei. Er fand dort einen 'Kameraden' im 'Führer' Hubert Meurer/Zentrum, Redakteur der RWVZ - und kein 'lauer Republikaner'. Die beiden waren die 'Studierten' im lokalen RB, in dem sich in überwiegender Zahl Arbeiter versammelten. Meurer schrieb Anfang 1929 aus Magdeburg rückblickend an Dinkelacker:

"Aus persönlichen und beruflichen Gründen bin ich allerdings nicht böse darum, dem Siegerland den Rücken gekehrt zu haben. Hier kann man doch wenigstens politische Arbeit leisten, während die Tätigkeit in Betzdorf hauptsächlich im Auskehren von politischem Schutt bestand. Dass Sie mit der Beteiligung meiner Parteifreunde(Zentrum KS) am Reichsbanner noch immer unzufrieden sind, kann ich mir wirklich vorstellen. Es gehört schon mehr Bären- wie Kämpfernatur dazu, mit einer gewissen Clique dort anzubandeln. Ich habe mich ja ausgiebig dort herumgebolzt und denke immer noch gerne daran zurück. Ich bin mit den 'maßgebenden' Freunden ja auch zerfallen..."[18]

1925 kamen jüngere Kriegsteilnehmer, maßgeblich die Brüder Seim, auf den Gedanken, in der 'Pracht' eine Pyramide aus Quarzen aufzustellen, mit der Inschrift "Den in fremder Erde ruhenden Kriegsgefangenen". Die Pyramide steht heute noch. Es kostete einige Überredung, berichtete Rudolf Seim[19], in der Inschrift nicht nur der 'deutschen Kriegsgefangenen' zu gedenken, aber das war die eigentliche Idee: eine Alternative zum bombastischen Totenkult ('Kriegerdenkmäler' im 'Rheinchen' und am Gymnasium) die auch dem Willen zur Versöhnung Ausdruck gab. Die Einweihung im Juni geriet dann allerdings, nicht in Seims Ansprache für die Initiative, aber in anderen Reden revanchistisch. Die BZ berichtete und druckte eine an die Reichsregierung gerichtete Resolution der anschließenden Versammlung im Hohenzollerngarten ab. Der Bericht schloß mit dem 'Seitenhieb':

"Als gewissenhafte Chronik dürfen wir es nicht unterlassen, anschließend über eine Totenehrung der hiesigen Ortsgruppe des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" zu berichten, die nach dem Verlauf der großen Menschenmenge in der Pracht mit einer kleinen Abordnung zum Ehrenmal marschierte und ihrerseits nach kurzer Ansprache einen Kranz mit schwarzrotgelber Schleife niederlegte. Jedem das Seine!"

Teilnehmer der 'Hauptkranzniederlegung' waren:

"Ortsgruppe der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener durch den Vorsitzenden (R. Seim KS), Rektor Tielmann für den vaterländischen Frauenverein, Direktor Schiller für den 'Stahlhelm' Bund der Frontsoldaten; ihnen schlossen sich an der Vorsitzende des Marinevereins(wer? KS) und der Vorsitzende der Ortsgruppe jüdischer Frontsoldaten(wer? KS)."
* * *


[1]Erzieherischer Reformwillen fand seinen organisierten Ausdruck unter anderem in dem 1919 gegründeten "Bund für entschiedene Schulreform", Zeitschrift "Die neue Erziehung"; auch in der sozialdemokratischen "Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde", 1923 gegründet, Vorstand Kurt Löwenstein (1885-1939). Diese und andere Bestrebungen lagen nur mittelbar in Dinkelackers Horizont.

[2]§148 der "Weimarer" Verfassung: "In allen Schulen ist sittliche Bildung, staatsbürgerliche Gesinnung, persönliche und berufliche Tüchtigkeit im Geiste de deutschen Volkstums und der Völkerverständigung zu erstreben ... Staatsbürgerkunde und Arbeitsunterricht sind Lehrfächer der Schulen". Hauptprobleme der neuen Ordnung: Am 'Klassencharakter' der höheren Schule änderte sich wenig. Etwa 6% der Heranwachsenden besuchten höhere Schulen. Die Verfassung trennte Kirche und Staat, aber Staat (und Steuerzahler) blieben den Kirchen in vieler Hinsicht (nicht zuletzt in den Schulen) verpflichtet. Die Elternbeiräte, die für höhere Schulen keine Neuheit bedeuteten, wurden nicht wirklich in die Pflicht genommen. Das Verfassungsgebot der Völkerverständigung wurde vom Nationalismus unterlaufen. Selbst Konrad Haenisch, Sozialdemokrat und der erste Kultusminister der Republik sprach von den "Vereinigten Staaten von Europa" um im nächsten Satz seinem Zorn Ausdruck zu geben, daß er auf dem Drachenfels, der Lorelei, dem Niederwald und dem Rolandsbogen "französische Offiziere, Marokkaner und Neger aus dem Senegal" traf (Neue Bahnen der Kulturpolitik, 1922). In den Schulen und in den Provinzialschulkollegien blieben zuviele "treue Diener der Monarchie" im Amt (machten keinen Gebrauch von den goldenen Brücken in den Ruhestand, die die Republik ihnen baute). "Proletarische" Kritik an den Schulverhältnissen war durch maximalistische Haltung, zu enge "kollektivistische" und "ökonomistische" Vorstellungen und "marxistischen" Jargon gehandicapt (zur Kritik in den eigenen Reihen s. Elfriede Fr.: "Thesen zum Schulprogramm - Eine Erwiderung", Die Internationale 2, 1920, S.22: "Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität kann notwendig werden, um eben eine Bedürfnisbefriedigung aller zu ermöglichen. Sie ist jetzt vor allem nach dem Kriege notwendig, um die ungeheure Weltarmut zu überwinden. Aber theoretische ist es sehr wohl denkbar, daß eine kommunistische Gesellschaft ihr Budget einschränkt, um von ihren Mitgliedern nicht übermäßige Arbeitsleistungen verlangen zu müssen; d.h. also freiwillig auf die "möglichst große Arbeitsproduktivität verzichtet".)

[3]Zahlen hier und im folgenden und auch das Engagement der Lehrer der Schule in den Parteivorständen nach Humbert Schmidt, "Wahlen im Landkreis Altenkirchen 1919-1933" Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen 19, 1989, S.152

[4]Vgl. Protokollbuch der Deutschen Demokratischen Partei, Ortsgruppe Betzdorf-Kirchen und Umgebung, 1921-1923, Geschenk an den Autor vom damaligen Schriftführer Rudolf Seim. Unter dem 3.8.1921 heißt es zur Diskussion der Mitglieder über das Reichsschulgesetz: "Es ergab sich vor allem die Ansicht, daß der Religionsunterricht, weil mit die brennenste Frage bei der Stellungnahme der Partei, der Schule als ordentliches Lehrfach erhalten bleiben müsse, der sich zwar nicht auf ein besonderes Dogma verlegen dürfe, sondern mehr geschichtlicher Natur sein müsse." Unter dem 27. Februar 1922 steht in der Zusammenfassung eines Vortrags (vor 16 Mitgliedern und 3 Gästen) des Koblenzer Parteisekretärs M. Wolff über die innen- und außenpolische Lage, "... Als erstrebenswertes Ziel unserer Partei stellte er die Simultanschule hin. Mit einem Hoch auf die deutsche Republik endete er nach einstündiger Rede seine Ausführungen. Die sich anschliessende Aussprache war sehr rege. Fragen betr. der Stellung der Partei zum Beamtenstreik, zum neuen Reichmietengesetz, zu Laiengerichten, zur Gebäude- und Grundwertsteuer, zur Bodenreform usw. wurden lebhaft erörtert ." Am 29. April 1922 redete der Kreisschulrat Ufer/Dillenburg über den Reichsschulgesetzentwurf, hauptsächlich über die drei Formen Bekenntnisschule, weltliche Schule, Simultanschule. Die Betzdorfer Zeitung berichtete ausführlich.

[4a]S.a. das 4-seitige Programmblatt einer 'Vaterländischen Veranstaltung' des Realgymnasiums zum 22. März 1920 (Geburtstag von Wilhelm I). Dinkelacker notierte auf der Titelseite: "Notgedrungen wegen 'Kapputsch' auf Juli verschoben", (zum Programmpunkt "Fehrbellin") "fiel aus wegen zu großer Unkosten". Programmpunkte auf Seite 2 des Blatts: II Aus der Zeit Friedrichs des Großen - Hohenfriedberger Marsch, Der alte Zieten, Friedericus Rex, Der Choral von Leuthen, Auf die Torgauer Schlacht, Der Sieger von Torgau, Theaterstück Die Torgauer Heide) III Aus der Zeit Wilhelms I. geb. 22. März 1797 (Ich bin ein Preuße, Worte der Königin Luise 1807, Das Lied vom alten Kaiser, Bismarck zum Tode Wilhelms I., Fürst Bismarck, Unsere Aufgabe aus Einhart: Deutsche Geschichte (Ausgabe aus der Monarchie KS), Alles schweige;

[5]Im Jahresbericht 19245/26 notierte Fritz Stenger: "Bei der am 12. September veranstalteten Verfassungsfeier hielt der Unterzeichnete die Ansprache und gedachte dabei auch des Sedantages."

[6]Bereits per Erlaß vom 6. Dezember 1919 (UII 2512 Zentralblatt S. 627f) war die Benutzung von Geschichtsbüchern, wie sie bis Ende des Krieges in Gebrauch waren, untersagt worden. Vgl. Antwort Staatsekretär Lammers /Kultusministerium vom 4. Mai 1926 auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Zachert. "Gegen Lehrbücher, die mit dem Geist der Verfassung nicht im Einklang stehen, ist von der preußischen Unterrichtsverwaltung mit aller Entschiedenheit vorgegangen worden ... ist angeordnet worden, daß in den Lehr- und Lesebüchern alle Stellen zu entfernen sind, die sich in anekdotischer Weise mit dem bisherigen Kaiserhause beschäftigen."

[7]Ein Profil, daß in mindestens zwei Punkten die Schule berührte: in der entschieden nichtkonfessionalistischen Haltung zur Religion und in der Haltung zur Revolution von 1918. Ein 'radikales' Profil? 1914 hatte der Freund und Kollege Edmund Mugler als Religionslehrer in Siegen die Angriffe der protestantischen Orthodoxie auf sich gezogen und wurde von ihr in der Öffentlichkeit als 'Radikaler' hingestellt, ebenso wie es pauschal den Sozialdemokraten geschah. Allerdings sprachen Eltern und große Teile der Öffentlichkeit Mugler auch in der Lokalpresse ihr Vertrauen aus (s.u.)

[8]Einen entsprechenden Hinweis gibt die Abiturzeitung der Klasse Dinkelackers von 1924, "Dichtung u. Wahrheit. Lewer dod as Slav! Zeitschrift für Humor und Kunst". Die Schüler schrieben: "Groß bist als Mensch du, reich an Verstand, Doch leider, Isel, ein Pedant..."

[9]Alfred Dinkelacker, "Abschrift von Aufzeichnungnen aus dem Frühjahr 1922, die ich damals dem Direktor, bezw. dem Lehrerkollegium zu unterbreiten beabsichtigt hatte, was dann aber doch unterblieben war" o.D.

[10]Ebenda

[11]Maschinenschriftliche Kopie

[11a]Im Spätsommer 1924 schrieb die fast 12 jährige Tochter Lore an ihre Mutter: "Wir waren am Samstag Nachmittag auf den Stegskopf gegangen bis Sonntag Abend. Am Samstag Abend kam Onkel Rudi (Seim KS) nach ... Es ist sehr schön hier aber sehr nebelig. Wir erwarten noch Fräulein Wacker und Herrn Schneider (Otto Schneider KS). Grete Schnell ist auch hier..." Der Lehrer Otto Schneider war auch ein Mittelpunkt jugendbewegter Singkreise auf der Freusburg. Eine Laute, von der es hieß, daß sie ihn durch den ganzen Krieg begleitet habe, schenkte er Clara Dinkelacker.

[12]In der Familie wurde eine Anekdote weitergegeben, die sich auf tatsächlich bestehende Vorurteile gründen mochte. Eine Dame (Lehrerin?) trifft eine andere, von der sie weiß, daß sie mit Dinkelackers befreundet ist. "Wie war die Beerdigung?" - "Was meinen Sie?" - "Ich meine, wo es doch keinen Pfarrer gab!" - "Wieso soll es keinen Pfarrer gegeben haben?"- "Der Herr Dinkelacker ist doch Demokrat!" - "Na, und? Ich weiß übrigens nicht, ob auch seine Schwiegermutter Demokratin war!" - "Ja so, - aber ist er nicht auch Astronom?"

[13]In ihrem oben zitierten Brief an Anna Stenger hatte Clara Dinkelacker 1922 geschrieben, daß sie ihre Mutter bisher nicht mit dem Konflikt der Männer habe belasten wollen. Das war sicher nicht mehr möglich, seit Anna Hartmann 1925 zu ihren Kindern umgezogen war.

[14]"Zum 4. August 1924", Jahresbericht 1924/25

[15] das behauptet jedenfalls eine Randnotiz von Alfred Dinkelacker auf dem Zeitungsausschnitt der BZ

[16]Hermelink sollte 1935 seine Professur verlieren, Rade schon zum 1. 1.1934. Zu Martin Rade (1857-1940) vgl Friedrich-Martin Balzer, Angelika Borschel, Axel W. Held, "Evangelische Demokraten an der Marburger Theologischen Fakultät" in Dieter Kramer und Cristina Vanja, Universität und demokratische Bewegung, ein Lesebuch zur 450 Jahr Feier der Universität Marburg, Marburg, Verlag Arbeiterbewegung und Gesellschaftswissenschaft, 1977, S.169

[17]Das Abkommen vom 14.8.24 betraf den Dawes-Plan, der das Regime der Reparationskommission beendete und das Ende militärischer Besatzung in Aussicht stellte. Es fand auch bei Teilen der DNVP Zustimmung.

[18]Meurer schlug Dinkelacker vor, zusammen mit dem Kameraden Schäfer zu überlegen, ob das RB nicht eine Versammlung der Gruppen in Betzdorf, Altenkirchen, Freusburg und vielleicht Siegen mit ihm als Redner veranstalten wolle (im September 1929), dabei würde er sich insbesondere mit seinen Freunden auseinandersetzen wollen.

Hubert Meurer (1901-1961) kam aus einer armen, kinderreichen Familie. Die Fähigkeiten seines Werdeganges vom Zeitungsjungen zum Redakteur eignete er sich weitgehend autodidaktisch an. Seine Frau, Maria Theresia Quirbach, Tochter des Steinmetzes Adam Quirbach in Betzdorf, betrieb ein Zigarren- und Zigarettengeschäft an der Ecke Post-(heute Deziser) und Bahnhofstrasse. Dem Redakteur und Zentrumspolitiker Meurer wurden Beruf und Tätigkeitsfeld in Magdeburg 1933 genommen. Für seine Frau und ihn folgten bittere Jahre der Gelegenheitsarbeit bis er 1935/36 in Burg eine Anstellung als Abteilungsleiter in den dortigen Knäckebrotwerken fand. 1940 wurde er dienstverpflichtet, war als Soldat u.a. in Riga, und kam erst 1947 aus einem französischen Lager (Gap) frei. Er war dann Mitbegründer der CDU in Burg und ihr Sekretär, später stellvertretender Vorsitzender (den Vorsitz hatte die Sozialistische Einheitspartei) im Kreisrat bis zu seinem Tod. Er war zeitlebens, ebenso kritisch wie überzeugt, ein christlich-religiöser und ein politisch-demokratischer Mensch. Ich danke seiner Tochter, Frau Evamaria Zeidler, für das Foto und die freundliche Mitteilung (September 2006) zu den biographischen Angaben.

[19]Private Mitteilung Rudolf Seim ca 1985

 

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