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vohergehende Seite
(Nur seiner
,Landsleute` gedachte der Lehrer wie selbstverständlich, von den
9 Millionen Toten anderer Nationen, verbündet oder feindlich, kein
Wort und schon gar kein Wort ,unangebrachter` Skepsis zum (Un-) Sinn des
Krieges. Allerdings auch kein revanchistisches. Beispiel für ,zeitgemäßes`
Pathos?)
Paul
Schlüpmann
,Heldengedenktag`
1934
(Ansprache in der Schule)
"Zum Feste
komme, wie vom Frühlingslicht /Emporgesungen, die vergessene / Heroenwelt
vom Schattenreich herauf, / Und mit der goldnen Trauerwolke lagre / Erinnerung
sich, ihr Freudigen, um euch!"
* * *
Zwei Millionen
fielen, Vater und Sohn und Bruder und Bruder. In Deutschland, in Frankreich
und Rußland, in Europa, in Asien und Afrika, in Sibirien und in
den Tropen, zwischen den Bergen des ewigen Schnees und in den grundlosen
Tiefen des Meeres, "leuchtender Männer Grab ist die ganze Erde".
Beruf, Familie
und Heimat, alles verließen sie, von heute auf morgen. Hunger und
Kälte, Krankheit und was es an menschlichen Mühsalen gibt, erduldeten
sie. Im Nahkampf und Fernkampf, in der Luft und auf den Wassern kämpften
sie und gaben ihr alles, ihr Leben, für Deutschland. Ihre Tat ist unvergleichlich.
So wollen wir uns erheben, sie schweigend zu ehren.
* * *
("Ich hat
einen Kameraden...")
Namenloses Leid
kam über Deutschland. Deutschlands Jugend sank ins Grab, Deutschlands
Größe lag im Staub. Der Feind brach ehrlos über die Grenze
und schleppte den Hunger und die Not ins waffenlose Land. Mutter und Kind
zerbrachen fast im Leid.
Aber das sind
nun nahezu 20 Jahre her, daß die ersten starben. Wohl sind unsere
Helden dem Tode verfallen, und der Tod gehört zu ihnen, wie er zu Siegfried
und allen Helden unserer Vorfahren gehört. Aber Geschlechter kommen
und Geschlechter vergehen, und einmal wird die Klage um unsere Toten verstummen,
wie alle Not das Zeitliche segnet. Vergessen werden dann unsere Helden sein,
wenn wir nur klagend ihrer gedachten. "Totenklage ist ein arger Totendienst,
Gesell", sagte einer der ihren.
Ewig ist allein
das Leben. Wohlan denn so lasst die Toten heraussteigen aus dem Grabe, daß
wir sie nimmer vergessen! Laßt sie vor uns hintreten, wie sie im Leben
waren, wie sie Fleisch und Blut waren wie wir, wie sie traurig und fröhlich
waren wie wir, wie sie jung und glücklich waren wie wir, und wie sie
dann hinauszogen, zu sterben für Deutschland in der Fülle der
Kraft.
Fragt sie nicht,
warum sie das taten, warum sie ihrem Leben ein Ziel setzen ließen
vor der Zeit. "Wenn man die Sonne fragte," heißt es in der
Theologia Deutsch, " warum scheinest du, sie spräche: ,ich muß
scheinen und kann nicht anders. Das ist meine Eigenschaft und gehört
zu mir... und anders ist da kein Warum." Bei allem was gut und schön
und notwendig ist, gibt es kein Warum, auch nicht beim Opfer für das
Vaterland. Aber laßt sie es uns immer und ewig sagen, daß und
wie sie ihr Vaterland liebten bis in den Tod; bis sie uns höchsten
Glückes voll zurufen:
"Lebe droben,
o Vaterland, / und zähle nicht die Toten! Dir ist, / liebes! nicht
einer zuviel gefallen."
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