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Geld und Reputation

Eine 'Individualisierung' wissenschaftlicher Leistung war von jeher mit Widersprüchlichkeiten behaftet. Im Zuge der Industrialisierung und Professionalisierung wuchsen die Widersprüche. Ein 'Kulturpreis' wie Alfred Nobel (1833-1896) ihn stiftete, und der seit 1900 verteilt wird, war von Anfang an ein Anachronismus und verschleierte nur das Ausscheeren aus traditioneller 'Kultur' und Sichverselbstständigen von naturwissenschaftlicher Arbeit und Institutionen. Die Preisverleihung des Nobelkomitees hatte auch weniger mit wissenschaftlicher 'Leistung' zu tun, als mit Förderungspolitik und allgemeiner Lobby für Fachgebiete, Berufsstände und Institutionen. Sie entsprach einer oligarchischen Fortschrittslobby für eine Mischung aus kameralistisch-frühkapitalistischem Denken und liberalem Fordismus, für Paternalismus und Laissez-faire, für eine Fassade der neuen technisch-wissenschaftlichen Eliten nach altem Muster. Wenn der um die Jahrhundertwende modische wissenschaftliche Internationalismus die wachsende soziale Fragwürdigkeit wissenschaftlicher Betriebsamkeit verschleierte, so wurde er darin durch ein tragendes Symbol, den Nobelpreis, unterstützt.

Die Preise in den Naturwissenschaften wurden von einem je fünfköpfigen Komitee schwedischer Professoren und Akademiemitglieder verteilt, unter denen Svante Arrhenius von 1900 bis 1927 großes Gewicht hatte. Arrhenius, heißt es, glaubte nicht an 'Weltanschauung' sondern an praktische Wissenschaft. Er hatte Wilhelm Ostwalds durchschlagenden Erfolg mit der Elektrochemie miterlebt, war mit ihm befreundet. Er erhielt selbst den Preis für Chemie schon 1903 nach Jacobus van t'Hoff und Emil Fischer, Ostwald war 1908 an der Reihe. Die ersten Preise für Physik gingen an Wilhelm Röntgen, an Hendrik Antoon Lorentz zusammen mit Pieter Zeeman (für die Beobachtung und Erklärung des Einflusses magnetischer Felder auf die Lichtemission) und an die Entdecker der 'Radioaktivität', Henri Becquerel, Marie und Pierre Curie. Offenbar galt das Interesse den neuen, teilweise sensationellen Entwicklungen der Elektronen- und Strahlungsphysik.

Zur Publikumswirksamkeit der Preise trug nicht zuletzt bei, daß sie auch für Literatur und für 'Frieden' verteilt wurden. Das Kommitee bat im Durchschnitt jährlich 33 Nominatoren um Vorschläge. Zwischen 1901 und 1929 waren das zu etwa einem Viertel deutsche Nominatoren. Quincke, Planck, Riecke, Warburg waren quasi permanent dabei[1]. Man kannte sich untereinander fast immer persönlich: 1904, anläßlich der Weltausstellung, versammelten sich bei einer Bootsfahrt auf dem St. Louis Arrhenius, Rayleigh, Planck und andere. Hugo Münsterberg, der in Harvard lehrende Psychologe hatte unter 140 Europäern 40 Deutsche Wissenschaftler und Gelehrte eingeladen, unter ihnen Max Weber, Ernst Troeltsch, Werner Sombart.

Besonders die Preisverleihungen an Ernest Rutherford 1908 und Marie Curie 1911, an Ostwald 1908 und an Alfred Werner 1913 wurden von Arrhenius in Absprachen mit ein paar anderen durchgesetzt. Eine besondere Weichenstellung bedeutete die Verleihung an Ernest Rutherford (1871-1937), den 'simple genius'[2].

Rutherford war ein Cambridge-Absolvent aus Neuseeland, 'Schüler' von Joseph J. Thomson (Laureat 1906). Thomsons Cavendish-Labor bot zwar die besten Arbeitsmöglichkeiten, aber zunächst nicht für Rutherford. Für ein Jahresgehalt von 500 Pfund ging er nach Kanada (Überfahrt erster Klasse 1898 12 Pfund). In Montreal entwickelten er und Frederik Soddy 1901/3 eine Theorie der 'Transmutation' der Atome, in heutiger Diktion: des Kernzerfalls, als 'Ursache' der Strahlungsphänomene, ein weiterer Schritt zur Erklärung der seit 1896 bekannten 'Becquerel'- Strahlen. Soddy spekulierte auch schon bald über eine mögliche Nutzung der natürlichen Strahlungsenergien. Dann verschaffte Arthur Schuster (1851-1934), der Fachwelt seit 1884 als Pionier der `Elektronentheorie' bekannt, Rutherford die Möglichkeit zum Aufstieg in der modernisierungsbestrebten britischen Klassengesellschaft. Er trat ihm seine Professur in Manchester ab[3] und führte ihn gleichzeitig in die begüterten Kreise der Industriestadt ein, zu denen der Emigrant aus Heidelberg sich längst selbst zählen konnte. Gehalt 1000 Pfund im Jahr. Vorausgegangen war die Bekanntschaft Rutherfords mit A.J. Balfour, der ihn 1904 mit einer Rede bei der 'Naturforscherversammlung' der British Association begeistert hatte und der 1906 in die Politik der Stadt mit der größten liberalen Zeitung, dem Guardian, eingetreten war. Der 'große, gesunde, bullige Neuseeländer' verstand es, sich durchsetzen.
"No one could call Rutherford a 'cultured' man in the normal sense of having musical or artistic or literary tastes that were well-developped; he enjoyed their society, and plainly they enjoyed his company too. Some polish he had undoubtedly picked up at Cambridge, but it seems it was the extraordinary warmth of his character and his unbounded enthousiasm that won him so many friends among men of such different tastes. Weizmann himself became a life-long friend ... Rutherford supported Weizmann's Hebrew University campaign, and did so far more willingly than Albert Einstein, who was an even closer friend of Weizmanns"[4]
Die Preisverleihung 1908 - Rutherford war übrigens auch von Max Planck nominiert worden - war kaum ein Risiko, sondern die Verstärkung einer erfolgreichen Aktion. Prestigegewinn und eine Summe von 7000 Pfund bedeuteten so etwas wie eine 'spezialistisch-sportliche' Weichenstellung: ein 'Rutherfordismus', eine etwas unbekümmerte Hemdsärmeligkeit wurde zum Markenzeichen. Er und das Labor, erst in Manchester, später im Cavendish wurden zu einem Prestigeknotenpunkt. Otto Hahn war schon 1906 für 6 Monate in Montreal gewesen (von London aus, von Ramsey's Labor). Andere kamen jetzt nach Manchester: Hans Geiger, den noch Schuster angezogen hatte, arbeitete nun mit Rutherford zusammen. 1909 kam Arrhenius, 1912 Niels Bohr, der dann von 1914 bis 1916 als 'lecturer' in Manchester wirkte. Als 'Rutherford-Schüler' betrachteten sich u.a. Chadwick, Cockroft, Blackett. Und als in den dreißiger Jahren manche Schüler politisches, linkes Engagement bewiesen, zeigte sich Ernest Rutherford tolerant: As long as their 'communism' did not get in the way of their experiments, Rutherford could lump their politics.[5]

Bis 1914 gingen Preise für Physik und Chemie nach Deutschland, ganz oder teilweise, außer an die Genannten an Philipp Lenard (Experimente mit Elektronen) 1905, Adolf Baeyer (Indigo) 1905, an Eduard Buchner (Rolle der Fermente) 1907, an Ferdinand Braun (`Braun'sche Röhre') 1909, an Wilhelm Wien (Experimente zur Wärmestrahlung) 1911, an Max Laue (Beugung von Röntgenstrahlen) 1914. Der volle Preis bewegte sich in den Zwanziger Jahren in der Größenordnung 100 000 Kronen (ca 25 000 $). Ein Prestigegewinn, wie er mit der Preisverleihung verbunden war, bedeutete meist Zugang zu Mitteln auch aus anderen Töpfen. Jedenfalls war der Preis immer ein prestigeökonomisches Politikum und ähnlich wie die 'Olympiade' im Sport, Medium einer Art von 'Internationalismus', der vor nationalistischer Aggressivität nicht schützte.

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Im ersten Jahr der Revolution fiel die Mark auf weniger als 10% ihres Vorkriegswertes und blieb dann bis zum Januar 1921 etwa gleichwertig. Anschließend begann für zwei Jahre die gallopierende Inflation, der im Herbst 1923 mit der Einführung der Rentenmark über Nacht ein Ende gesetzt wurde. Während der Inflation hinkten die Beamtengehälter und noch mehr die Sachmittel in der Kaufkraft hinter dem Nominalwert her, Ersparnisse und Guthaben gingen ganz verloren.[6]

Der verlorene Krieg und die Nachkriegsnot hätten einen Einbruch und eine Demobilisierung auch in der deutschen Wissenschaft bedeuten können. Wie bereits angedeutet, trat das Gegenteil ein. Die 1920 von Berlin aus ins Leben gerufene 'Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft' (NG) - Fritz Haber schrieb den ersten Aufruf - wurde von Friedrich Schmidt-Ott (1860-1956) präsidiert, der mit Wilhelm Hohenzollern in Kassel zur Schule gegangen war, im 'System Althoff' gedient hatte, es bis zum letzten 'Kgl.' preußischen Kultusminister brachte und den die Republik 'freigesetzt' hatte. Die NG war gewissermaßen ein 'Produkt' dieser Freisetzung.

Zum 1. Fachausschuß Physik von 1920 gehörten unter dem Vorsitz von Carl Runge Wolfgang Gaede, August Schmauss, Johannes Stark, Wilhelm Westphal, Otto Wiener, Gustav Eberhard und Willy Wien. Unter den mindestens 200 Forschungstipendiaten der Physik bis 1934 findet sich auch Kopfermann während seiner Zeit bei Franck. Im Elektrophysikausschuß, der ab 1923 eine jährliche 15 000 Dollar Stiftung von General Electric, Siemens und AEG verwaltete, saßen unter dem Vorsitz Max Plancks auch Franck und ab 1925 (als er Präsident der PTR wurde) Friedrich Paschen. Einer unter 71, in den ersten beiden Jahren erfolgreichen Antragstellern für diese Mittel war Rudolf Ladenburg, damals noch in Wroclaw, dann der Abteilungsleiter im KWI, dessen Mitarbeiter Hans Kopfermann wurde(s.u.)[7]

Friedrich Schmidt-Ott war ab November 1920 Miglied im Aufsichtsrat von Bayer und von 1925 bis 1945 im Aufsichtsrat der I.G. Farben.

Etwa gleichzeitig mit der NG wurde die 'Helmholtzgesellschaft' (HG) für angewandte und technische Wissenschaft gegründet, in der Carl Duisberg, der Bayer-Chef, und Albert Vögler, der aufstrebende Mitarbeiter von Hugo Stinnes, DVP-Politiker wie dieser und 17 Jahre später Präsident der KWG, die Hauptrollen hatten. Hier kamen 2/3 des Anfangskapitals aus der Schwerindustrie, nur ein Fünftel vom voraussichtlich hauptsächlichen 'Nutznießer', der (in Berlin konzentrierten) Elektroindustrie, und immerhin 11% aus der Chemie, die unmittelbar gar nicht profitierte[8]. Duisberg wollte zunächst nach dem 'Gießkannenprinzip' an Physikinstitute verteilen, wie es die 'Liebiggesellschaft' für die Chemie tat, wurde dann aber bewogen, gezielt Projekte nach Begutachtung durch die 'Peers' zu fördern, wie es die NG machte. Paul Forman hat ein Moment der Gegensätzlichkeit zwischen HG und NG betont: Rheinische Schwerindustrie gegen die Berliner Konzentration der Forschungsförderung.

Die Inflation machte aus der Kapitalstruktur beider Stiftungen mehr oder weniger Makulatur. Der so wenig respektierte neue Staat wurde zum wesentlichen Förderer. Die HG verlor 80% ihres Anfangskapitals von 4 Millionen Goldmark (1 Million $).

Ab 1921 gab die NG etwa 50 000 Mark/a aus und 1921/22 wahrscheinlich noch einmal 100 000 Mark für Geräteanschaffungen. Die HG finanzierte 1922 im Wert von 25000 Mark und konnte 1923 nur 5000 M ausgeben. Von 1924 bis 29 stiegen die Fördermittel bei der NG nach und nach auf 220000 M und bei der HG auf 55000. Außerdem verteilte die NG Ende der 20er / Anfang der 30er Jahre Stipendiengelder in Höhe von 100-150000 M.

Wie bedeutend waren diese Projekt-Investitionen im Verhältnis zum regulären Etat? Paul Forman veranschlagte die Forschungsmittel der 24 Physikinstitute an Universitäten und Technischen Hochschulen , der 16 Institute an Ingenieurschulen und der 3 Röntgeninstitute bei großen Unterschieden im Durchschnitt auf 2000 M/a, und die der 12 theoretischen Institute auf 1200 M/a. Damit belief sich der gesamte Aufwand für Forschung auf jedenfalls nicht mehr als 100-200 000 M und die entscheidende Bedeutung der neuen Stiftungen liegt auf der Hand.

1925-29 lag das pro-Kopf-Einkommen in Deutschland 3-5% niedriger als in den letzten vier Vorkriegsjahren; im Vergleich dazu floß sehr viel mehr Geld in die Physikinstitute als vor dem Krieg. Die Republik war, entgegen einer unter Forschern verbreiteten Meinung, nicht knauserig. Andererseits gab es für 'Investitionspolitik' auch keine klaren Maßstäbe, wo und wieviel Geld in Forschung fließen müßte.

Fritz Haber schrieb 1925 anläßlich der Beratungen über die NG im Sparausschuss des Reichstages in Arnold Berliners Die Naturwissenschaften unter dem Titel "Wissenschaftspflege":

"Vor einigen Wochen bin ich von einer langen Reise um die Erde zurückgekehrt und habe von ihr die Überzeugung heimgebracht, daß wir nichts Nötigeres und Nützlicheres tun können, als alle Aufwendungen verdoppeln, die von den öffentlichen Körperschaften für die Wissenschaftspflege gemacht werden... Es gibt eine Fülle von Darlegungen, die zeigen, wie wenig Aussicht ist, den Wohlstand des Landes unter dem Druck der Verbindlichkeiten, die auf uns liegen, durch Steigerung der Warenausfuhr wiederherzustellen. Für den einfachsten Verstand ist deutlich, daß es auch andere Länder mit größerem Reichtum an wertvollen Rohstoffen und bedeutenderem Kapitalbesitz gibt, die für den eigenen Bedarf und für den fremden Verbrauch industrielle Produkte erzeugen wollen, und es ist nicht zu sehen, wo die Käufer herkommen, die diesen Angeboten eine entsprechende Kaufkraft gegenüberstellen..."

Unter diesen Umständen, so Haber, muß man umdenken:

"Man kann nämlich den Reichtum nicht nur aus dem Boden holen, sondern auch aus dem menschlichen Verstande, weil man an das Ausland nicht nur Waren liefern kann, sondern auch Arbeitsweisen, und weil aus dieser Lieferung Beteiligungen erwachsen, aus denen Einkünfte fließen. Damit entsteht das, was die Nationalökonomen einen unsichtbaren Posten (invisible item) in der Bilanz nennen... Es kostet heute mindestens 3000 Mark im Jahre, um einem Menschen zu ermöglichen, daß er nach beendetem Studium sich zu einem selbständigen Können weiterbildet, und wir müssen mindestens 600 solche Stipendien neu schaffen, wenn wir das frühere Können angesichts des privaten Vermögensverfalls aufrechterhalten ... wollen..."

Haber verglich und fand, daß im Titel 'Kultusministerium' 1913 44 Millionen standen, 1924 42 Millionen, und für 1925 64 Millionen eingesetzt waren.

"Das ist sicher gut und es ist eine große Ehre für das Kultusministerium, wenn es diese Ziffer erfolgreich erstreitet, und die Wissenschaft schuldet dieser berühmten alten Verwaltungsbehörde den größten Dank..."

Aber er hat auch bemerkt, daß das Institut in Pasadena (und ähnlich in Japan) "soviele Quartzspektrographen hat wie das meinige Schiebewiderstände" und schließt deshalb mit der Aufforderung zu noch größeren finanziellen Anstrengungen:

"Ich habe immer gefunden, daß in diesem unserem Lande derjenige stark ist, der nichts für sich will, und der mit seinem Herzen für eine neue große Aufgabe, eintritt. Es ist aber eine große Aufgabe, uns aufzuhelfen durch Leistungen auf geistigem Gebiete, die durch unsere heimische Industrie hindurch den Weg ins Ausland nehmen und uns dort Beteiligungen erwerben und unsichtbare Einkommensposten im internatonalen Wirtschaftsverkehr. Es ist ein große Aufgabe, weil wir die Voraussetzungen zu ihrer Erfüllung in besonders reichem Maße in unserer Nation und in unseren Einrichtungen besitzen, und es ist ein neue Aufgabe, weil wir früher vor dem Kriege auf die Versorgung des Auslandes von der Heimat aus mit Waren gestellt waren und nicht mit dem leidenschaftlichen Wunsche der fremden Länder zu rechnen hatten, der erst nach dem Kriege hervorgegangen ist, alles Wichtige auf eigenem Boden zu erzeugen. So hoffe ich, daß diese Worte bei den Stellen, die das Land regieren, Gehör finden, weil diese Stellen die alte Weisheit wissen, die in dem Satze sich ausspricht: Regieren heißt voraussehen."[9]

Haber brachte sprachgewandt und nüchtern zugleich seine Vorstellungen vom Nutzen der Investitionen zum Ausdruck. Keinerlei 'Mystik' oder 'Ästhetik': seine Gedanken zielten auf das ökonomische Wohl des Landes.

Hier wurde der Staat gefordert. Wurde aber im Sinn eines solchen Programms den deutschen Industriellen tatsächlich genügend abverlangt? Sie waren bis zur Weltwirtschaftskrise durchaus in der Lage, großzügig zu stiften. Sie hatten am Krieg gut verdient und die Gewinne waren in der Inflation noch einmal gestiegen. Sie waren von 'Links' ständig einer Kritik an ihrer asozialen Sparsamkeit in der Kulturförderung ausgesetzt. Habers Vorstellungen kamen ihnen insofern entgegen, als der hier versprochene 'Nutzen' jedenfalls nicht zum eigenen Schaden gereichen würde, während kulturelle Förderung bei den gegebenen Trends und angesichts politisch weniger 'zuverlässiger' Klientel den eigenen Interessen kaum zu entsprechen oder gar zu widersprechen schien. Wurde also mit Hilfe der Wissenschaftsförderung ein Ungleichgewicht zugunsten reaktionärer Vorstellungen von Kultur hergestellt oder verstärkt?

NG und HG machten Schule. Damals entstand zum ersten Mal in größerem Maßstab ein zukunftsträchtiges Modell der 'Projektförderung' nach Entscheidungen eines Vertretergremiums, nach 'Fachgutachten'. Den Gutachtern wurden damit gleichzeitig komplexe politische Funktionen zuteil.

* * *

Englische und französische Kollegen waren nach Kriegsende auf deutsche Wissenschaftler - oft ohne groß zu unterscheiden - noch jahrelang nicht gut zu sprechen[10]. Immerhin hatte Oppau während des Krieges 90 000 t Nitrate hergestellt, 20% des Salpeterverbrauchs der ganzen übrigen Welt, und Carl Bosch war als nationaler Held gefeiert worden. Auf Carl Duisbergs und Friedrich Krupps Verlangen hatte man 60 000 Belgier zur Rüstungsarbeit gezwungen und deportiert. Fritz Haber floh 1919 kurzzeitig in die Schweiz, um einer Verhaftung durch die Sieger zu entgehen. Bosch nahm maßgeblich an den Versailler Verhandlungen teil. Briten und Amerikaner zeigten im Gegensatz zu den Franzosen Entgegenkommen gegenüber der deutschen Industrie, und Boschs Argument gegen die Demontageforderungen Ferdinand Fochs war (schon damals), daß die Allierten ein starkes Deutschland als Bollwerk gegen den Bolschewismus brauchten[11]. Als 1921 von 900 ursprünglich nominierten mutmaßlichen Kriegsverbrechern noch 45 vor das Leipziger Reichsgericht gestellt wurden - auch Fritz Haber - fielen die Strafen gering aus, die Siegerstaaten protestierten.

Noch 1924, beim vierten 'Solvay-Kongress' war kein Deutscher eingeladen -, und mit gewissem Recht meinte der gar nicht deutschenfeindliche, liberale Richard Burdon, Lord Haldane, zu einem Bittbrief Adolf Harnacks (der übrigens in der Debatte um die 'Kriegsziele' entschieden die gemäßigte Linie vertreten hatte) für die 'Notgemeinschaft', ob nicht andere Dinge erst in Ordnung zu bringen wären[12]. Gleichzeitig wurde die Ablehnung wohl eher als Herausforderung empfunden und man mag sich fragen, in wieweit sie - vielleicht mehr als die von Paul Forman[13] im Anschluß an Fritz Ringer beschworene, zwar gesellschaftlich-traditionelle, aber doch eher überwundene und allemal relative Geringschätzung der Wissenschaften seitens der Öffentlichkeit, als Ansporn diente und als 'externer' Faktor die erstaunlich rasante Entwicklung mehrerer Forschungszweige, besonders in der Physik befördert hat[14].

Der Boykott auf westlicher Seite dauerte bis 1926, bis zur Aufnahme in den Völkerbund. Aber die internationale Anerkennung fehlte nie: 1919 wurde der Nobelpreis für Physik an Max Planck und Johannes Stark verliehen und den vorjährigen für Chemie bekam Fritz Haber (was vielfach als skandalös empfunden wurde). Und alle drei standen 1920 bei der Nobelfeier im Rampenlicht der Öffentlichkeit, über die deutsche und die skandinavische hinaus und westlicherseits gab es Proteste; 1920 wurde Walter Nernst für Chemie prämiert und 1922 ging die Physik-Trophäe halb an Albert Einstein, halb an Niels Bohr. 1922 reiste Einstein auf Einladung von Paul Langevin, des Herausgebers des Journal de physique et chimie, nach Paris. Langevin hatte sich während des Kriegs der pazifistischen Opposition angeschlossen und war der neuen kommunistischen Partei beigetreten. 1922 traf Rutherford auf dem Weg in die Alpen Wilhelm Wien in München und war bereit, die deutschen Kollegen wieder mit Zeitschriften etc. zu unterstützen. Der Rapallo-Vertrag 1922 führte bekanntlich zu einem lebhaften Austausch mit den Sowjetrepubliken, besonders zwischen Reichswehr und Roter Armee[15]. 1923 gründeten Einstein, Planck und Harnack ein Komitee für den wissenschaftlichen Verkehr mit Rußland und auf der Gegenseite brachte das 'Büro für ausländische Wissenschaft und Technologie' bis 1928 viele Besucher in die Sowjetunion, auch viele Physiker.

Während mit Rußland, Frankreich, England die Geschäfte unterbrochen waren, hatte der Norden den Handel mit den Deutschen im Krieg eher ausgebaut. Für Olsons dänische 'Nordisk-Film', bedeutenster Produzent nach der französischen Pathé, und die anlaufende schwedische Filmproduktion war Deutschland der große Markt geblieben, gerade im Krieg. Seit 1906 hatte sich das 'Kinodrama' vor allem in Kopenhagen entwickelt. Was Hollywood später wurde, war damals Kopenhagen. Der `Star' für Physiker in diesem Hollywood wurde Niels Bohr.

Bohr hatte 1913 den erfolgreichen Versuch gemacht, mit dem Wissen über 'Quanten' (M. Planck), 'Elektronen' (J.J. Thompson, H.A. Lorentz), 'Kern' (E. Rutherford) ein `Atommodell' zu entwerfen, das Erklärungen und Anhaltspunkte für 'Gesetzmäßigkeiten' der inzwischen so umfangreich gewordenen spektroskopischen Daten liefern sollte und zur Überraschung vieler auch lieferte[16].

Seit Plancks Erklärung der Spektralverteilung von Wärmestrahlung im Jahr 1900 war davon auszugehen, daß Licht physikalisch durch Energiequanten, je nach Wellenlänge von der Größe des Produkts aus Frequenz und universeller `Planck'scher' Konstante, dem Wirkungsquantum, zu beschreiben war. Die Gesetzmäßigkeiten waren in erster Linie die seit 1885 bekannten der sichtbaren `Balmer-Linien', die der ultravioletten `Lyman-Serie' und die der ultraroten `Paschen-Serie' im Wasserstoffspektrum, Formeln, die bis auf eine Konstante, die nach Janne Rydberg (1854-1919) sogenannte Rydberg-Konstante, aus der Kombinatorik ganzer Zahlen hervorgingen. Walter Ritz (1878-1909), der bei Woldemar Voigt in Göttingen 1902 promovierte, hatte in seiner Dissertation festgestellt, daß sich die Frequenzen der Linien zweckmäßig als Differenzen zweier `Terme' darstellen ließen und Bohr kam zu einer Annahme, die Max Born bei Gelegenheit seines Nobelvortrags 1954 so zusammenfaßte:
"Ein atomares System kann nicht in allen mechanisch möglichen Zuständen, die ein Kontinuum bilden, existieren, sondern nur in einer Reihe diskreter `stationärer' Zustände; beim Übergang von einem zum anderen wird der Energieunterschied als Lichtquant emittiert oder absorbiert. Das ist eine energetische Interpretation des von W. Ritz einige Jahre zuvor entdeckten spektroskopischen Fundamentalgesetzes... Bohr war völlig klar, daß die hierdurch formulierte Gesetzmäßigkeit mit der Mechanik im Widerspruch steht, daß eigentlich selbst die Anwendung des Energiebegriffs in diesem Zusammenhang problematisch ist. Er begründete die kühne Verschmelzung des Alten mit dem Neuen durch sein Korrespondenzprinzip."[17]
Das `Korrespondenzprinzip' besagte, daß je dichter die Energiezustände beieinanderliegen, je näher sie einem Kontinuum kommen, um so deutlicher sollte die klassische mechanische Beschreibung der Vorgänge Geltung haben. Im Bohrschen Modell wurden die `Terme' zu `Energieniveaus' und der Erfolg schien vor allem darin begründet, daß Bohr die Rydbergkonstante aus dem Wirkungsquantum und aus den bekannten Werten für Masse und Ladung des Elektrons in guter Näherung berechnen konnte.

Das Modell der in den `stationären' Zuständen um den Kern kreisenden Elektronen gewann zusehens an Bedeutung und mit ihm sein Erfinder. Eine Beschreibung `als ob', denn `zutreffend' konnte sie niemand nennen, gab beachtliche Resultate. 1920 kam Niels Bohr zu einem Treffen erst mit den Institutsleitern, dann ohne die 'Chefs', nach Berlin. Erst eine offizielle, dann eine gewissermaßen 'inoffizielle', aber folgenreiche Kontaktaufnahme. Ein Gruppenphoto zeigt die Teilnehmer: Otto Stern, Wilhelm Lentz, Franck, Rudolf Ladenburg, Paul Knipping, Bohr, E. Wagner, Otto von Baeyer, Otto Hahn, George Hevesy, Lise Meitner, Wilhelm Westphal, Hans Geiger, Gustav Hertz, Peter Pringsheim. Noch im Herbst desselben Jahres erwiderte Franck den Besuch und blieb zwei Monate in Kopenhagen. Als Bohrs, im Vorjahr bereits bezogenes Institut für Atomphysik 1921 offiziell eröffnet wurde, machte die Anwesenheit des deutschen Experimentalphysikers in Kopenhagener Blättern Schlagzeilen.

Franck hat später geäußert, bei keinem anderen Menschen sei er derart einer 'Heldenverehrung' nahegekommen, wie bei Bohr[18], und betroffen mußte er hören, daß sein alter Freund Max Born zeitweilig eine Zurücksetzung gespürt hatte. Aus den 20er Jahren sind etwa 60 Briefe an Bohr erhalten. Finn Aaserud hat betont, wie sehr die spätere, folgenreiche, kernphysikalische Ausrichtung des Kopenhagener Instituts auf den Einfluß von Franck und Hevesy zurückzuführen war[19]. Übrigens hat auch Richard Courant Bohr 'bewundert', ganz im Einklang mit seinem Freund und Kollegen Harald Bohr, der zwar in seiner Jugend der größere Fußballspieler gewesen war - sogar 'Nationalspieler' - aber seinem Bruder immer uneingeschränkt den Vortritt ließ.

Niels Bohr war dafür bekannt, daß er nie allein arbeiten konnte oder wollte. Seit 1916 war Hendryk Anthony Kramers (1895-1958) sein Intimus und Assistent. Als Kramers 1934 nach Leyden ging, nahm Léon Rosenfeld seine Stelle ein, und dann war Stefan Rozental Bohrs langjähriger Assistent. Bohr schien der geborene Diplomat, der Vermittler, der Anreger. Und er wurde immer mehr zum ersten Bürger im Königreich. Sichtbares Zeichen, nach dem Institutsbau und dem Nobelpreis (1922), war 1931 der Umzug in die CarlsbergVilla, in das 'Gammle Carlsberg Hovedbygning' (altes Carlsberg Hauptgebäude) das zuvor ein sehr prägender Lehrer und Freund seiner Eltern, der Psychologe und Philosoph Harald Hoeffding bewohnt hatte.

Als Bohr 1922 im Juni in Göttingen eine Reihe von Vorträgen hielt, die Courant mit ihm ausgehandelt hatte, waren diese `Bohr-Festpiele' für die jüngeren Quanten- und Atomspezialisten in Deutschland das Gründungsereignis des Kreises der 'Kopenhagener', von dem in den folgenden Jahren alle profitieren sollten, auch Kopfermann. Finanziert wurde aus der 'Wolfskehl-Stiftung'[20]. Zu Bohrs Vorträgen kamen Paul Scherrer und Wolfgang Pauli aus Zürich, Arnold Sommerfeld mit Werner Heisenberg aus München, Alfred Landé aus Tübingen, Walther Gerlach aus Frankfurt. Wilhelm Lenz war erkrankt, begrüßte Bohr aber auf der Durchreise im Hamburger Bahnhof. Friedrich Hund hat beschrieben, wie das `Bohrische', Bohrs elliptische Sprache, auf ihn wirkte:

"Natürlich hat es uns gestört, aber Bohr versuchte eben das Unsagbare zu sagen. Die Quantenmechanik behandelte Vorgänge, die anders sind, die man bisher als gewöhnliche Vorgänge sprachlich gar nicht ausdrücken konnte. Das Ziel dieser Wissenschaft, nicht Bewegungen von Körpern, sondern Bewegungen von Erwartungswerten zu beschreiben, war ja neu. Es erforderte eine neue Sprache. Das nahm Bohr sehr ernst, sozusagen diese Änderung der gesellschaftlichen Sprache, die durch dieses neubekannte Faktum klarer wurde. Das klang schon etwas in seinen berühmten Göttinger Vorträgen von 1922 an, wo ich ihn zum ersten Mal sah. Wir saßen da, hatten Mühe, ihn akustisch zu verstehen. Als Studenten durften wir natürlich nicht auf den vordersten Reiehn sitzen und saßen weiter hinten mit nach vorn gebogenen Ohren. So haben wir es allmählich gelernt, das Bohrische".[21]

Seit den Göttinger `Bohr-Festspielen' begleitete `Kopenhagen' Hans Kopfermann, den ersten Doktoranden Francks, durch das weitere Leben, um so mehr als ihm einige Jahre später, finanziert von Rockefeller, Gelegenheit gegeben wurde, eine Weile dort zu leben und zu arbeiten. Wolfgang Pauli und sein Freund Werner Heisenberg wurden in den folgenden Jahren zu 'Lieblingsschülern' Bohrs, zu seinen bevorzugten Gesprächspartnern und Korrespondenten.

C.P. Snow hat ein Garten-Foto publiziert: Dort standen William Oster, Niels Bohr, James Franck und Oscar Klein und vor den vieren saß auf einem Stuhl Max Born. Alle trugen helle Hemden, Krawatte, Weste und Rock. Die Weste fehlt nur bei Born und Oster trägt einen Stehkragen.[22]

Niels Bohr verfügte über wachsende Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit und verstand sie zu nutzen. Nicht zuletzt über das von Rockefeller finanzierte, im Januar 1923 ins Leben gerufenen 'International Education Board' (Das IEB investierte bis 1929 16 Millionen Dollar in die Naturwissenschaften und als 'Rockefeller-Foundation'[23] bis 1933 noch einmal 11,9 Millionen[24]). Es waren die Brüder Bohr, die Courant halfen, die Mittel für ein neues mathematisches Institut in Göttingen zu beschaffen. Rockefeller hatte zunächst fast ausschließlich medizinische Forschung gefördert. 1929-1932 erhielten Arnold Sommerfeld und drei Physikochemiker insgesamt 50 000 $. Das Göttinger Mathematische Institut und Plancks 'Arche' (Heilbron), das KWI für Physik, das 1935 schließlich gebaut wurde (s.u.), kosteten Rockefeller insgesamt $ 700 000.

Erich Hückel, Assistent im Züricher Institut, erhielt 1928 ein Rockefeller-Stipendium, ging nach London, nach Cambridge und nach Kopenhagen und fand in Diskussionen mit den 'Quantenmechanikern' ein neues Arbeitsgebiet, die Theorie der Kohlenstoff-Doppelbindung.

Inzwischen war Peter Debye aus Zürich nach Leipzig gegangen, Hückel verlor seine Stelle und mußte mit einem NG-Stipendium von monatlich 300 Mark vorlieb nehmen, während Rockefeller damals 800 Mark zahlte. Debye hatte ihn ungeniert über seinen 'Marktwert' in Kenntnis gesetzt:
"Für die theoretische Professur muß ich schon jemanden nehmen - wie etwa Heisenberg"
Hückels Kommentar:
"Er wollte mir anscheinend nicht direkt sagen: "Dafür kommen Sie leider nicht in Frage". Das wäre aber auch nicht nötig gewesen. Ich wußte selbst sehr genau, daß das für mich niemals möglich war. Meine theoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten waren wahrhaftig viel zu beschränkt und dürftig, als daß ich daran auch nur gedacht hätte"[25]

Dem erfolgsorientierten Debye mag es mehr auf 'Führungs-, Organisations- und Durchsetzungsqualitäten' angekommen sein, die Werner Heisenberg erkennen ließ; auf einen `gesunden Willen', auf Beziehungen und soziale Fähigkeiten, die Hückel nicht hatte, die im Übrigen ebenso fragwürdig waren, wie die vorstehend wiedergegebene Auffassung von 'Selbsterkenntnis'.


[1]Vgl. Carl Gustav Bernhard, Elisabeth Crawford, Per Sörbom (Hg.), Science Technology and Society in the Time of Alfred Nobel, Oxford (Pergamon) 1982; Elisabeth Crawford, The Beginnings of the Nobel Institution. The Science Prizes 1901-1915, Cambridge (& Paris MSH) 1988

[2]Vgl. David Wilson, Rutherford Simple Genius, London (Hodder and Stoughton) 1983

[3]C.P.Snow, The Physicists, London (MacMillan) 1981 schreibt: "Cambridge did not try to keep the young Rutherford" und spricht dann von der "touching and deliberate resignation by the head of the physics department at Manchester, Arthur Schuster, who thought, that Rutherford must at any cost be preserved for this country". Ein Beitrag zur Rutherford-Legende.

[4]David Wilson, a.a.O., S.225/6

[5]Gary Werskey, The Visible Colledge, London (Lane) 1978, S.222

[6]Meyers 7te, 1927 bezifferte die relativen Lebenshaltungskosten im Jahresdurchschnitt wie folgt: 1913 1; 1920 10; 1922 150; (1923 159x10exp9). Per Dekret vom 15.10.1923 wurde zum 15.11 die Rentenmark eingeführt und am 20.11. der Umrechnungskurs auf 1/1x10exp12 (1 zu 1Billion) festgesetzt. Brockhaus 19te, 1989 gibt folgende Zahlen für die Geldentwertung an: 1919 58%; 1920 113%; 1921 28%; 1922 1025%; (1923 105x10exp6 %)

[7]Die Angaben stammen aus Stefan Richter, Forschungsförderung in Deutschland 1920-1936, VDI-Reihe Nr.23, Düsseldorf 1972. Vgl. auch Wolfgang Schlicker, Die Berliner Akademie der Wissenschaften in der Zeit des Imperialismus Teil II: Von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution bis 1933, Hg. Heinrich Scheel, Studien zur Gesch. der Akademie Bd.2/II, Berlin 1975 und ders., "Konzeptionen und Aktionen bürgerlicher deutscher Wissenschaftspolitik. Zum gesellschaftlichen Stellenwert der Forschung nach 1918 und zur Gründung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft", ZfG 27, 1979, S.423 ff.

[8]s. Paul Forman, loc.cit.

[9]Fritz Haber, "Wissenschaftspflege", Die Naturwissenschaften 13, 1925, S.365-367

[10]Kaum zu vergessen waren in der Tat die Appelle der 'Kulturträger' von 1914, Wilhelm Eucken und Ernst Haeckel hatten Mitte August die Kampagne eröffnet, am 4.10. kam der 'Aufruf der 93' 'an die Kulturwelt', dem die Gründung des 'Kulturbundes' (im geschäftsführenden Ausschuß u.a. Max Planck) und am 16.10. der 'Appell deutscher Hochschullehrer' mit 3000 Unterschriften folgten."Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins" oder "Unser Glaube ist, daß für die ganze Kultur Europas das Heil an dem Siege hängt..." Delbrück, Einstein, Wiese waren Kritiker der '93', Planck rückte noch während des Krieges (Klaus Schwabe meinte 'wahrscheinlich unter dem Eindruck der starken Reaktion im Ausland' (s.o.)) von dem Aufruf ab. S. Klaus Schwabe, Wissenschaft und Kriegsmoral, Göttingen 1969 u. Brigitte Schröder-Gudehus, Deutsche Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit 1914-28, Dissertation (172), Genf 1966; auch Dominique Pestre, Physique et physiciens en France 1918-1940, London Paris Montreux (Archives Contemporaines, Gordon Breach) 1984, S.150: 'Cold war in Science';

[11]Joseph Borkin, loc.cit., S.34

[12]Harnack antwortete auf einen Artikel Haldanes vom 9.12.22 in The Nation and the Athenaeum und zitiert:"Wenn Harnack von einer Paralyse der wissenschaftlichen Forschung in seinem Lande spricht und behauptet, daß sie mit dem Untergang bedroht sei, so ist, meine ich, seine Ansicht unnötig verzweifelnd... Von allen Gefahren, welche Deutschland bedrohen, ist die Gefahr, Deutschland könne diese Leidenschaft verlieren, die geringste. Mit allen Mitteln wollen wir es ermöglichen, daß Deutschland zu leben und sich wirtschaftlich zu entwickeln vermag. Aber laßt uns unsere Aufmerksamkeit der wirklichen Gefahr zuwenden, nicht aber einer zwar störenden, aber nicht bedrohlichen". zitiert nach Georg Schreiber, Die Not der deutschen Wissenschaft und der geistigen Arbeiter, Leipzig (Quelle und Meyer) 1923, S.138

[13]Paul Forman, "Weimar Culture and Quantum Theory", Hist. Stud. in the Phys. Sci. 3, 1971 S.1-171

[14]Vgl. P. Kraft, P. Kroes, "Adaptation of Scientific Knowledge to an Intellectual Environment. Paul Formans 'Weimar Culture and Quantum Theory, 1918-1927': Analysis and Criticizm", Centaurus 27, 1984, S. 76-99

[15]Walter Laqueur, Russia and Germany, A Century of Conflict, Boston (Little und Brown) 1965, zitiert Marschall Tukhachevsky mit einer Äußerung 1933: "Die Reichswehr war der Lehrmeister der Roten Armee und das wird unvergessen bleiben."

[16]Der spektroskopisch erfahrene Carl Runge zum Beispiel, war zunächst gar nicht überzeugt.

[17]Luxus des Gewissens, a.a.O., S.103

[18]Im Interviewu mit Thomas S. Kuhn, M. Maier und Herta Spooner (NBA) am 12.7.1962 erinnerte sich Franck: "One thinks of Bohr, when one had a discussion with him. Sometimes he was sitting there almost like an idiot... I am sure it was the same with Newton too..."

[19]Finn Aaserud, Redirecting Science. Niels Bohr, Philanthropy and the Rise of Nuclear Physics, Cambridge (Univ. Press) 1990

[20]Vgl Albert Einstein, Hedwig und Max Born, Briefwechsel 1916-1955, München 1969, S.72. 'Ein wohlhabender Herr Wolfskehl' (Mathematiker in Darmstadt) hatte der Göttinger Akademie 100 000 Mark geschenkt als Preis für einen Beweis des Fermat'schen Satzes. Das Preisausschreiben ging leer aus, und die Zinsen wurden fortan für Gastvorlesungen zur Verfügung gestellt. Ehlers, Hilbert, Klein, Minkowski und Runge bildeten die 'Wolfskehl-Komission' (Vgl. Jagdish Mehra, a.a.O., S.2)

[21]Klaus Hentschel und Renate Tobies, "Friedrich Hund zum 100. Geburtstag", (Interview am 15.12.1994) Intern. Zs f. Gesch.u.Ethik der Naturwiss., Techn.u.Med. 4, 1996, S.1-18

[22]C.P.Snow, The Physicists, London (Macmillan) 1981, S.69

[23]Präsident wurde Max Mason, bis dahin Präsident der University of Chicago. Der bestimmte dann 1932 seinen Ex-Kollegen Warren Weaver zu seinem Nachfolger (Abraham Pais, Niels Bohr's Times, loc.cit.)

[24]S. Robin E. Rider "Alarm and opportunity: Emigration of mathematicians and physicists to Britain and the United States 1933-1945"

[25]Erich Hückel, loc.cit., S.122

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