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Zwei Stützen des Erfolgs

Am Tor zum beruflichen Erfolg, das James Franck für Hans Kopfermann geöffnet hatte, standen in den nächsten Jahren vor allem zwei Menschen, Rudolf Ladenburg (1882-1952), der `Abteilungsleiter' und Kollege, mit dem er im KWI zusammenarbeitete, und Hertha Schwertfeger (1902-1987), die ab 1925 Frau Kopfermann war. Der eine stand ihm beruflich, die andere `privat' am nächsten; aber scharf konnte und sollte die Trennung von beruflichem und privatem Leben für alle Beteiligten nicht sein. Dafür war die Arbeit zu `interessant' und im Kopf allgegenwärtig, der Erfolg zu sehr von ausdauernder Anwesenheit im Labor abhängig, und andererseits das Institut ein `Lebensmittelpunkt' auch über die Arbeit hinaus, für Diskussionen, gemeinsame Unternehmungen, musikalische Interessen.

Rudolf Walter Ladenburg (1882-1952) war der Sohn jenes, erst Kieler, dann Breslauer Hochschullehrers, der sich seinerzeit unversehens durch die bigotte Hofgesellschaft und in der Öffentlichkeit als skandalöser 'Atheist' behandelt sah.

Auf der Kasseler Naturforscherversammlung am 1.9.1903 redete - im halbleeren Saal - der Breslauer Chemiker und 'Geheimrat' Albert Ladenburg (1842-1911) "Über den Einfluß der Naturwissenschaft auf die Weltanschauung": eine Mahnung zur Bescheidenheit, heißt es, zur Verwirklichung der Menschenrechte, zur Lösung der sozialen Frage. Nebenbei auch die Ansicht daß "die Naturforschung und ihre konsequente Durchführung zu einer Negation jeder positiven Religion führe." Die Betonung liegt auf positiv, das Problem bei dem "persönlichen" Gott (s. weiter oben Kopfermanns Formulierung), Ladenburg will den Herrn im Himmel nicht ganz abschaffen: "wir ...müssen ihn als eine Verkörperung dieser Gesetze denken...Jedenfalls gehe ich nicht soweit wie D.F. Strauß, der, Theolog und Philosoph, Gott als Phantasiegebilde bezeichnet..."[1] Prinzipiell waren diese Äusserungen nichts neues. Ladenburg konnte sich auf Vorgänger verlassen. Robert Wilhelm Bunsen, den er als seinen Lehrer betrachtete, war mindestens so radikal. Aber die politische Konjunktur war neuerdings eine andere und das politische gab sich umso mehr 'theologisch'. Nebenan, in Kassel-Wilhelmshöhe, machte die Rede noch am gleichen Tag Skandal; Augusta, die Kaiserin, komponierte eben nicht nur Märsche, sie trat unverzüglich gegen die neuerliche Störung der Glaubensharmonien auf den Plan. Vom Autor gänzlich unerwartet, gab seine Rede Anlaß zu einem Kräftemessen mit dem 'ancien régime'. Der Chemiker-Kollege Wilhelm Lossen (1838-1906) aus Königsberg distanzierte sich in einem offenem Brief von Ladenburgs Ansichten. Die Kollegen Hefner-Alteneck und Wilhelm Ostwald ergriffen für ihn Partei und verurteilten öffentlich die 'Hetze'. Ladenburg wurde in den Vorstand der traditionell 'liberalen' Naturforscherversammlung gewählt. Wilhelm Ostwald nahm den Vorfall und die konfessionalistische Intervention zum Anlaß, vom Professorenamt zurückzutreten und widmet sich fortan in Großbothen umso intensiver der monistischen Kulturpropaganda und energetischen 'Naturphilosophie'. Ladenburg hatte in seiner Rede die Bedeutung naturwissenschaftlicher 'Aufklärung' betont; dann heißt es:
"Noch wichtiger aber ist, daß die naturwissenschaftliche Auffassung der Welt zu einem Geiste der Toleranz, der Brüderlichkeit und der Friedensliebe führt, und daß wir es als ein ernste Pflicht betrachten müssen, den Armen und Elenden in dieser Welt beizustehen, ihr Schicksal zu erleichtern und sie nicht auf ein ungewisses Jenseits zu vertrösten. Werktätige Menschenliebe sei deshalb unser Wahlspruch."
Den Naturwissenschaftlern wird die Bürgerpflicht zur Auflage gemacht. Quasi aus ihr heraus gewinnt die Arbeit hier ihren Sinn. 'Werktätige Menschenliebe' soll sie sein. Albert Ladenburg war mit Margarete Pringsheim (1855-1909) verheiratet, der Tochter des Berliner und Jenaer Pflanzenphysiologen Nathanael Pringsheim (1823-1894)[2]. Er war ein sehr guter Pianist, war mit Johannes Brahms befreundet und spielte vierhändig mit Clara Schumann. Das Elternhaus Pringsheim und das chemische Institut in Wroclaw (Clara Immerwahr s.u.) waren quasi der Inbegriff moderner Bürgerlichkeit um die Jahrhundertwende.

Max Born hat erzählt, wie er 1908, nach Promotion in Göttingen, Militärzeit in Berlin und sechsmonatigem Aufenthalt in Cambridge, in seiner Heimatstadt Breslau seine "experimentellen Fähigkeiten in dem von Lummer und Pringsheim geleiteten Institut auszubilden" beschlossen hatte, sich einer "regsamen Gruppe junger Physiker" anschloß und dort auf Rudolf Ladenburg[3], Fritz Reiche und Stanislaus Loria stieß. Als er denen von Hermann Minkowskis neuesten Arbeiten zur Poincaré'schen `Relativitätstheorie' der `Lorentzgruppe'[4] berichtete, machten sie ihn auf Einsteins Arbeit von 1905, die man in Göttingen noch nicht wahrgenommen hatte, aufmerksam. Und die "erste Kunde" die er von dem Menschen Albert Einstein erhielt, war bald darauf der Bericht Ladenburgs, der Einstein auf einer Ferienreise in Bern aufgesucht hatte[5]. Fritz Reiche schickte seine Arbeit und Einstein bedankte sich mit Separata der seinigen.

Erich Ladenburg, Rudolfs älterer Bruder, machte Messungen zum `Photoeffekt' (Freisetzung von Elektronen durch Licht, `entdeckt' von Heinrich Hertz 1887), ein Thema von großem Interesse für `Quantenphysiker' seit Philipp Lenard (1862-1947) 1902 gezeigt hatte, daß die Maximalgeschwindigkeit der freigesetzen Elektronen unabhängig von der Lichtintensität war und Albert Einstein dann 1905 voraussagte, daß diese Geschwindigkeit der Frequenz des Lichtes (dem Impuls der Lichtquanten) proportional sein müßte. Rudolf Ladenburg schrieb eine vielbeachtete ausführliche Darstellung der `quantenphysikalischen' Überlegungen Einsteins, die später (1921) mit dem Nobelpreis honoriert wurden. Fritz Reiche (1883-1969) hatte, wie der ein Jahr ältere Leonard Nelson und seine Freunde, die französische Schule in Berlin besucht, hatte in München bei Adolf Baeyer und Wilhelm Röntgen studiert, war einer der wenigen Promovenden von Max Planck, den er bewunderte, mit dem er aber nur ganze zwei Mal über die Arbeit gesprochen hatte. Er ging dann zu Lummer nach Wroclaw, befreundete sich mit Rudolf Ladenburg und Max Born, erwies sich wie letzterer als schlechter Experimentator und umso besserer Theoretiker. 1913 war er - inzwischen als Privatdozent - wieder in Berlin und verheiratete sich mit Berta Ochs, Tochter des Komponisten und Chorleiters der Philharmonie, Siegfried Ochs (1858-1929). Er wurde aus Gesundheitsgründen kein Soldat und von 1915 bis 1918 war er Plancks Assistent als Nachfolger von Lise Meitner. Planck war offenbar kein besonders anregender 'Chef': Reiche übernahm viele Jahre später, als Planck längst nicht mehr lebte, einen Ausspruch des Mathematikers Kneser: "Planck war auch nicht zum totlachen", bedauerte zugleich, daß seine Vorgängerin sich mit der ganzen Familie Planck überworfen hatte.[6]

Ladenburg und Born, die Breslauer Professorenkinder - Borns Vater war dort Anatom -, blieben zeitlebens Freunde: Born schrieb von Ladenburg "er war mein ältester und bis das Schicksal uns in die verschiedenen Länder warf, mein nächster Freund"[7].

1908 ertrank Erich Ladenburg beim Schwimmen. Es heißt, dieser Tod habe Rudolf sehr mitgenommen. Im Jahr darauf starb seine Mutter. Von 1911 datierte seine Heirat mit Else Uthoff, Tochter des Breslauer Ophtalmologen Wilhelm Uthoff (1853-1927).

Wie ließ sich das väterliche Programm der 'tätigen Menschenliebe' mit dem Patriotismus von 1914 vereinbaren? Der Privatdozent und Leutnant der Reserve meldete sich freiwillig bei seinem Breslauer Dragonerregiment. Er avancierte zum Rittmeister, wurde zur Artillerie-Prüfungs-Komission (APK) versetzt und war fortan mit Kriegsforschung betraut. Gegenstand: Schallmeßverfahren. Zur Mitarbeit wurde auch Max Born verpflichtet, der im Kampfgasprojekt von Fritz Haber nicht hatte mitmachen wollen[8].

"Die theoretischen Grundlagen des Schallmeßwesens sind in Deutschland schon vor dem Krieg bekannt, erst aber, als im Herbst 1914 im Westen die deutschen Armeen an Somme und Marne zum Stehen kommen, wird das Schallmessen an verschiedenen Frontabschnitten praktisch erprobt. Vor der regulären Einführung von Schallmeßtrupps im deutschen Heer, die im Oktober 1915 erfolgt, müssen die in Details divergierenden Verfahren jedoch vereinheitlicht werden. Den Auftrag erhält die 'Dienststelle für Methoden der wissenschaftlichen Messung' die Anfang 1915 als Abteilung 5 der preußischen 'Artillerie-Prüfungskomission (APK) unter dem militärischen Kommando Fritz von Jagwitz' des späteren Unterstaatssekretär in Hermann Görings Reichsluftfahrtministerium, eingerichtet worden ist. Die wissenschaftliche Leitung der Abteilung liegt bei Rudolf Walter Ladenburg" [9].
Max Born hatte seinen Militärdienst bei einem Kavallerieregiment in Berlin 1907/8 abgeleistet, bevor er nach Breslau kam[10]. Born hatte sich 1913 mit Hedwig Ehrenberg (1891-19??) verheiratet; Sie war die Tochter des Göttinger Juristen Victor Ehrenberg und ihre Mutter hatte mit Rudolf Ihering einen noch bekannteren Rechtsgelehrten zum Vater gehabt. Sie lebten gerade erst in Berlin, als Max im Frühjahr 1915 einberufen wurde. Vorübergehend war er Funker bei der Luftwaffe, bis Ladenburg seine Versetzung zur APK erreichen konnte. Born schrieb, er habe im ganzen Krieg nur einmal, zusammen mit Jagwitz, einen `ungemütlichen' Tag in der Sommeschlacht erlebt. Er war zu Hause: "Heimlich sah ich meine Hauptaufgabe darin, so viele junge Gelehrte, frühere Schüler und Mitarbeiter wie möglich für militärische Arbeit zu reklamieren, aus der Front zurückzuholen und in meinem Büro zu beschäftigen"[11]. Alfred Landé war einer der Kollegen. Neben der militärischen Arbeit entstanden `richtige' wissenschaftliche Arbeiten, u.a. mit Erwin Madelung und Fritz Haber zu Themen, die mit dem Krieg nichts zu tun hatten.

Rudolf Ladenburg nahm nach dem Krieg seine Arbeit in Wroclaw wieder auf, wurde 1921 dort zum außerordentlichen Professor ernannt. Im gleichen Jahr ging Erwin Schrödinger, eben erst in Breslau etabliert, nach Zürich, und Fritz Reiche, der zuletzt Albert Einsteins Stelle im KWI innegehabt hatte, kam als Extraordinarius an seine Vorkriegs-Wirkungsstätte zurück. 1923 bot Fritz Haber dem Sohn des Lehrers und Mentors von Clara Immerwahr die Abteilungsleiterstelle an, die James Franck im KWI innegehabt hatte. Ein Jahr später nahm Ladenburg das Angebot an.

Die fünfköpfige Familie tauschte ihre Breslauer Wohnung Menzelstr. 87 gegen die eines dorthin versetzten Ministerialrats (Irmer) in Schlachtensee, Georgenstraße 24. Der neue Abteilungsvorstand erhielt einen Fünfjahresvertrag und ein Gehalt, das dem Durschschnittsgehalt eines ordentlichen Professors entsprach. Denselben Vertrag erhielt Michael Polanyi. 1929, als der Vertrag auf weitere fünf Jahre verlängert wurde, betrug das Grundgehalt 10.500 RM, der Ortszuschlag 315 RM, der Wohngeldzuschuß 2.016 RM und die Kinderzulage 780 RM. Die Ladenburgs hatten damit 1.134,25 RM abzüglich Steuern monatlich zur Verfügung. Vertraglich war keinerlei Ruhegehalt vorgesehen, und 30% vom Gewinn aus nutzbringenden Erfindungen waren an die KWG abzuführen. Das Kultusministerium teilte am 16.1.25 mit:
"Nachdem Sie sich in die philosophische Fakultät der Universität Berlin umhabilitiert haben, tritt die Ihnen unter dem 31. August 1921 UI 11933 für die Breslauer Fakultät beigelegte Dienstbezeichnung 'außerordentlicher Professor' für Ihre Zugehörigkeit zur Berliner philosophischen Fakultät in Geltung"[12]
Aus der Unzugskostenrechnung geht hervor, daß Ladenburgs mit einem Flügel und einem Panzerschrank umzogen, daß man in der Pension Nestler in Zehlendorf zu zwei Personen fünf Tage mit Frühstück für 45 Mark Quartier beziehen konnte. Die Verwaltung monierte an der Rechnung, daß zur Wohnungssuche nur eine Person Anrecht auf Reisekostenerstattung habe. Im Personalbogen sind die Kinder aufgeführt: Margarete geb. 1912, Kurt geb. 1914, Eva-Marie geb. 1918[13].

* * *

Hertha Schwertfeger (1902-1987) war in Hannover aufgewachsen. Der Vater war schon 1909 gestorben und die Mutter hatte dann das Geschäft übernommen und arbeitete täglich im Kontor. Um so wichtiger mag die Großmutter Marie Lindemann (-1922) für Hertha und ihren älteren Bruder Eduard gewesen sein. Nachdem das Ministerium Trott 1908 die Gleichstellung der Frauen neu geregelt hatte[14] stand der seit 1894 mit Helene Langes Berliner Gymnasialkursen in Preußen in Gang gekommenen[15] höheren und sowie der Hochschulbildung formal nichts mehr im Weg. Die ersten Oberlehrerinnen waren Frauen, die sich ihren Beruf hatten erkämpfen müssen und Hertha Schwertfeger, die in Hannover die Sophienschule besuchte (und die anhängende realgymnasiale Studienanstalt?) sah sich geprägt von einer solchen, von Agnes Wurmb (1876-1947)[16].

Wurmbs Mutter kam aus einer Bauernfamilie. Agnes wurde in Gelting in Angeln als ältestes von sechs Kindern des Landarztes Adolf Wurmb geboren. Sie besuchte nie eine öffentliche Schule, aber sie und ihre Geschwister wurden zusammen mit den 12 Kindern der Familie Hobe aus Schloß Gelting von Erzieherinnen betreut, und mit einer von denen, Maria Gleiß, knüpfte sie eine lebenslange Freundschaft. Das war eine rigorose Christin, die politisch einen Gegenpol bildete zum Bismarck-Kult der Umgebung, eine Hanseatin, die englisch und französisch sprach. Sie besuchte 1894 Helene Langes Gymnasialkurse und nahm Agnes' Schwester Gertrud zum Kunststudium mit nach Berlin. Ab 1896 studierte Maria in Zürich Medizin. Agnes absolvierte 1894 nach einem Privatkurs das Lehrerinnenexamen und übernahm Marias Stelle in Gelting. 1898 schickten die Eltern sie nach Paris, und nach einer vorübergehenden Arbeit in Plön nahm sie, durch Maria bestimmt, beim Priester in Gelting Lateinstunden, um die neuen Oberlehrerinnenkurse der Göttinger Universität besuchen zu können: "Der Beginn in Göttingen im April 1901 ist der Wendepunkt, der über mein ganzes späteres Leben entschieden hat, er ist in der Erinnerung umleuchtet von Frühlingsglanz..." Da sei sie mit 25 Jahren zum ersten Mal rundum glücklich gewesen. Deutsch und Französisch waren ihre Fächer. Im ersten Referat behandelte sie Maeterlinck bei Moriz Heyne und gegen Ende ihrer Studienzeit - berichtet Else Alpers - "begegnete sie einer schöpferischen weiblichen Intelligenz: Lou Andreas-Salomé, und es trieb sie später oft wieder zu dieser Freundin, deren souverän subjektive Art ihrem eigenen Wesen so gegensätzlich war". Lou Andreas-Salomé (1861-1937) war gerade (Herbst 1903) mit ihrem Mann nach Göttingen gezogen und hatte als neuestes Werk 'Im Zwischenlande' Fünf Geschichten aus dem Seelenleben halbwüchsiger Mädchen herausgebracht. Ihre enge Freundschaft mit Rainer Maria Rilke trat in den Hintergrund und bald würde das 'Erlebnis Freud' beginnen. "In der stattlichen neuen Schule, über deren Eingang 'die goldene Sophie' glänzt, regierte damals mit Grandezza Dr. Hermann Schmidt, später kaiserlicher geheimer Studienrat. Außer ihm war nur Religionslehrer Ernst Heyn über vierzig und der Direktor gewährte großzügig seinem jungen Kollegium allen Spielraum". Gemeint ist die Sophienschule in Hannover. Dorthin kam Agnes Wurmb nach dem Examen und in diese Schule ging einige Jahre später Herta Schwertfeger. Agnes kehrte 1909 noch einmal nach Göttingen zurück, studierte Philosophie bei Edmund Husserl und Psychologie bei Erich Jaensch, ging auch noch einmal drei Monate nach Paris und promovierte im Sommer 1911 in Heidelberg über Opitz, Sidney und 'Arcadia'.

Else Alpers, Wurmbs Schülerin und selbst Pädagogin, analysierte 1962 die ehemaligen 'Gefühlslagen' und beobachtete eine interessante Motivationsverschiebung, die in Herthas Schulzeit fällt:

"Das Fluidum, das von dieser Erzieherin ausging, war stark. Wenn man hier von pädagogischem Eros sprechen kann, so hängt das mit der besonderen Gefühlslage jener Mädchen zusammen, die im ersten Viertel des Jahrhunderts zur Schule gingen. Vor 1914 standen noch nicht ohne weiteres alle Bildungswege für sie offen. Ihre Lehrerinnen waren noch persönlich mit den Vorkämpferinnen der Frauenbewegung verbunden. Gegenüber den meisten eher unselbständigen Müttern erschienen sie als die fortschrittlichen, zur Führung berufenen. Um die Zeit des ersten Weltkriegs aber wuchs die sogenannte 'romantische' Generation heran. Für sie bedeutete die Schule wohl in besonders hohem Grade Heimat und Geborgenheit; Die Wirren der Zeit blieben draußen. Doch die Einstellung zur geistigen Weiterbildung hatte sich unbemerkt verändert. Das Studium erschien vielen jetzt als selbstverständlich, nicht mehr als das große Ziel. Dazu übte die Atmosphäre der Jugendbewegung allmählich ihren Einfluß auf die Töchter der bürgerlichen Kreise: man empfand es als Glück an sich, überhaupt 'bewegt' zu sein; das war gleichbedeutend mit Daseinsfülle, also mit jugendlichem Sturm und Drang. Auf objektives Erkennen kam es weniger an als auf seelisches Erleben; man knüpfte und löste Freundschaften mit leidenschaftlichem Ernst. Man suchte freilich auch nach der Autorität, die damals aus den Elternhäusern zu schwinden begann. In Agnes Wurmb sahen ältere und jüngere Mädchen die überragende Persönlichkeit, der sie schwärmerische Bewunderung entgegenbringen konnten. Aber der Lehrerin ging es nach wie vor um die 'Sache'; so wehrte sie das Allzugefühlvolle herb, wenn auch nicht unfreundlich ab, wahrte die Distanz, auf die heutige Erzieher zugunsten einer Scheinkameradschaft gern verzichten".

Die Autorin wertet hier positiv, was vielleicht der pädagogischen 'Sache' nicht nur gute Dienste tat: eine abstrakte, über die individuellen Beziehungen hinausgehende 'Distanz', in der ein autoritäres Gefahrenmoment liegt. Es kann deshalb nicht darum gehen, daß in den pubertierenden Schülerinnen "die weibliche Hingabe an das 'Leben' und der objektive Dienst am 'Geist' einander widerstritten", wie Alpers meinte. Eher schon darum, daß in der Schule ein utopisches 'Leben mit Geist' so geführt wurde, daß später bewußte oder unbewußte Wünsche nach seiner Wiederherstellung ein realitätsgerechtes Handeln hindern konnten, die Ich-Findungsprozesse der Schülerinnen zu arg auf Identifikation oder Ablehnung hinausliefen, auf Unselbstständigkeit oder auf eine generell antiintellektuelle Reaktion.

Ein vielleicht unumgängliches Moment der Enttäuschung brachte eine der Schülerinnen, Gertrud Grote[17], in einem 1928 erschienenen Roman Studentinnen zum Ausdruck. Enttäuschung in der Universität weil dort keine "Magie der Persönlichkeit die Dürre des Stoffs verklärt".

Neben der Schule gab Agnes Wurmb bis 1914 Kurse in Arbeiterbildungsvereinen. 1920 vertrat sie die Philologinnen bei der Reichs-Schulkonferenz und wurde 1921 als erste Frau in Preußen ins Provinzialschulkollegium berufen. Die 'meist lila gewandete Dame' (Alpers) lernte mit dem Männerbetrieb umzugehen. Sie warnte, wo Frauen betont auf die 'Gefühlsseite' festgelegt werden sollten: "die augenblickliche Reaktion gegen den Intellektualismus mag dabei mitwirken, aber die Gefahr einseitiger Übertreibung ist offensichtlich". Sie stand hinter der Schulreform von 1927, hinter der Generallinie 'individualistischer Arbeitsunterricht bei akademischer Gründlichkeit' und leitete Kurse zur Umsetzung der neuen Richtlinien. Sie war skeptisch in Bezug auf die hauswirtschaftlichen Zweige der Oberschule, mit Recht, wie sich bald zeigen sollte. Am 31.3.1933 wurde sie per Telegramm beurlaubt. Angesichts der Alternative `Provinzschule oder Ruhestand', wählte sie, 57-jährig, letzteren. "Die Übermänner des Dritten Reiches hatten es eilig gehabt, die verhältnismäßig wenigen führenden Frauen abzusetzen" schrieb Else Alpers. Agnes Wurmb reiste, machte Studien. Alpers berichtet, daß sie sich ab 1937 sehr der Familie einer Schülerin anschloß, die fünf Söhne und ein Landpastorat hatte. Vertraute waren auch die Ärztin Maria Grosche und die Schulkollegin Mathilde Peters. 1945 war die bald 70-jährige noch einmal zum Neuaufbau von Lehre und Unterricht bereit.[18]

Wie und wann könnte Hertha Schwertfeger-Kopfermann ihr eigenes 'Ich' neben Mutter im Kontor und der zweifellos imponierenden Lehrerin gefunden haben? Sie hatte eine Schulfreundin, die sie auch später nicht verlor: Liselotte Bade-Hahn. Die Bades lebten Walderseestraße 15 in einem großen Haus.

Peter Bade (1872-1956) hatte in München studiert, war dort mit Hermann Kerschensteiner befreundet, war als Schiffsarzt in der Welt herumgekommen und hatte sich in Bonn und Würzburg zum Orthopäden qualifiziert - wie bei so vielen seiner Kollegen blieben die Röntgenkarzinome nicht aus, er litt daran zeitlebens. 1900 ließ er sich in Hannover nieder, heiratete Constanze Peipers, hatte seine Privatklinik in der Sedanstraße 60 und betreute das 'Krüppelheim' der Inneren Mission. Die Bades waren wohlhabend, zeitweilig konnten die sechs Kinder seines Bruders, der sich in Chile aufhielt, bei ihnen leben. Peter Bade war ein 'Fortschrittler' und Vorsitzender der fortschrittlichen Volkspartei in Hannover, hielt Wahlreden zusammen mit Mathilde Peters. Als 1911 die protestantische Kirche den liberalen Pfarrer Jatho maßregelte, trat Peter Bade aus der Kirche aus. Er wurde ein bekannter Arzt, war zeitweilig Vorsitzender der orthopädischen Gesellschaft. Im Aufbau der Republik war ihm Wilhelm Heile, ehemals Vorsitzender des Vereins deutscher Studenten an der Technischen Hochschule, dann Friedrich Naumanns enger Mitarbeiter, mehr als nur ein jüngerer Parteifreund. Mit einer schweren Verwundung hatte Heile den Krieg überlebt, trat dann als Mitglied der Nationalversammlung energisch aber ohne Erfolg gegen die preußische Vormachtstellung auf, war für den Völkerbund und wurde ein Pan-Europäer. Nach Naumanns Tod war er Schriftleiter der Parteizeitung Die Hilfe und, wie Theodor Heuß, Lehrer an der Berliner Parteischule. Er wurde 1924 wegen seines Eintretens für ein Land 'Niedersachsen' ausgebootet, erst durch Hartmann Richthofen im eigenen Hannoveraner Wahlkreis, dann in der Redaktion der Hilfe. Seine internationalen Verbindungen blieben gefragt. Freund Bade trat aus der Partei aus und lebte fortan seinem Beruf, seinen Nächsten und seiner Pudelzucht. Das elterliche Hotel war 1907 abgebrannt. Dort, wo es gestanden, am Dieksee in Malente-Gremsmühlen, wohnte und arbeitete er in den letzten Jahren[19]. Im Göttinger Institut von Hans Kopfermann ließ der alte Röntgenarzt die Karzinome seiner Hände vom Assistenten Wolfgang Paul mit der neuen 'Elektronenschleuder' bestrahlen[20].

Herthas Freundin Liselotte wurde Orthopädin, wie ihr Vater, heiratete dessen langjährigen Mitarbeiter Alfred Hahn und teilte mit ihm die väterliche Praxis bis ins Alter[21]. Hertha Schwertfeger ging zum Studium nach Freiburg, wo sie u.a. bei Edmund Husserl hörte, erlebte in Göttingen das Spannungsfeld zwischen `Lebensphilosophie' vertreten durch Georg Misch und `wissenschaftlicher Philosophie', wie sie von den Nelsonianern im Umkreis der Hilbertschule propagiert wurde, um schließlich im `Mekka der Psychologen'[22], in Berlin, zu landen. Leonard Nelson mag ihr übrigens, zumindest dem Namen nach, schon aus Hannover bekannt gewesen sein, er hatte dort in `Frauenkursen' unterrichtet. Lernte sie Hans Kopfermann noch in Göttingen kennen? Die beiden heirateten 1925 in Berlin. Hertha hatte mit einer Doktorarbeit bei Max Wertheimer begonnen.

* * *

Während des Krieges waren in der Artillerieprüfungskomission `richtige' wissenschaftliche Arbeiten nicht nur nebenbei entstanden, wie Max Born geschildert hat, sondern, zumindest bei den Psychologen, auch im militärischen Zusammenhang. 'Schallmeßtrupps' waren eingesetzt um gegnerische Kanonen zu orten und mit Bombardement bekämpfen zu können. Auch im Seekrieg, um bei Nacht und unter Wasser gegnerische Schiffe zu orten. 'Objektive' Methoden (präzise Zeitmeßapparaturen) kamen zwar nach und nach zur Entwicklung, aber es dominierten noch während des ganzen Krieges die Methoden der 'sinnlichen Wahrnehmung' mit 'geschulten Ohren'. So kam es, daß dort, wo man sich seit Jahrzehnten mit dem Hören und der Wahrnehmungspsychologie beschäftigte, im Berliner Institut für Psychologie, das von Carl Stumpf (1848-1937) geleitet wurde, 'kriegswichtige' Projekte entstanden. Stumpf 1918:
"Ich selbst hätte ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn man mir gesagt hätte, was für Dinge in diesen Kriegsjahren in meinem Institut würden getrieben werden."
Hans Rupp (1880-1954), seit 1907 Assistent bei Stumpf, machte Versuche zur Reaktionszeit der Beobachter und zum 'human factor' auf dem Schießplatz der APK in Kummersdorf bei Berlin und an der Westfront. Im Oktober 1916 wurde der Oesterreicher zur k.u.k. Armee eingezogen und bildete dort Schallmeßzüge aus. Nach dem Krieg wurde aus ihm ein führender Vertreter der 'Psychotechnik'. Wesentlich weittragender war eine Forschung, die im Institut im März 1915 von Erich Moritz Hornbostel (1877-1935) und Max Wertheimer (1880-1943) begonnen wurde und die ein nicht zu Ende geführtes Dissertationsvorhaben von Wolfgang Köhler fortsetzte. Die beiden konnten zum ersten Mal nachweisen, daß das Richtungs-Hörvermögen (bei niedrigen Frequenzen) entscheidend auf dem Zeitdifferenzierungsvermögen der Wahrnehmung (unter 3/100 s) beruht. Sie schlugen daher einen Apparat vor, der die 'Hörbasis' der Entfernung zwischen beiden Ohren, künstlich vergrößerte. Der 'Richtungshörer' wurde in Kummersdorf ausprobiert, patentiert[23] und die APK, vertreten durch Rudolf Ladenburg, belieh die Erfinder ab Oktober 1916 für die Dauer des Kriegs mit Beamtenstellen. Christoph Hoffmann hat gemeint, daß Stumpf zwar übertrieb, wenn er davon sprach, daß der 'Richtungshörer' sich an allen Fronten glänzend bewährt habe: in den Materialschlachten waren einzelne Schallereignisse zusehr von anderen überlagert. Aber da der erste Weltkrieg konsequent auch unter der Erde, unter Wasser und in der Luft geführt wurde, hätten Anwendungen des Hornbostel-Wertheimer-Prinzips wie das 'Geophon' des Breslauer Akustikers Erich Waetzmann zur Feststellung von Miniergeräuschen zur Bedeutung beigetragen. Wertheimer selbst reiste zwischen Februar und August 1917 acht Mal nach Kiel und Travemünde, um in Zusammenarbeit mit der Signal Gesellschaft das Verfahren bei der Marine, auf Torpedo- und U-Booten zu entwickeln, zur allgemeinen Anwendung kam es allerdings nicht mehr. Im Juli 1917 fuhr er nach Blankenberghe, zum Aufbau eines 'akustischen Küstenschutzes' zwischen Ostende und Zeebrügge.[24] Die Arbeit von Hornbostel und Wertheimer zum Richtungshören erschien, wohl aus militärischen Geheimhaltungsgründen, erst 1920. Nicht Stumpf, sondern der Physiker Heinrich Rubens legte sie der Akademie vor. Sie wurde von den Physikern wohlwollend aufgenommen, während sie bei den Psychologen auf Widerstände stieß, die mit dem Hintergrund, vor dem sie entstanden war, zusammenhingen, mit der neuen 'Gestaltpsychologie'.

An der Frankfurter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, aus der dann 1918 mit dem 'Transfer' der Straßburger Hochschule die Universität entstand, fand sich zuerst der Kreis der 'Gestaltpsychologen' zusammen, als dessen Begründer Max Wertheimer gelten kann. Wertheimer war in Prag geboren, hatte 1904 in Würzburg mit experimentellen Arbeiten zur 'Tatbestandsdiagnostik'[25] promoviert und angefangen, im Unterschied zur bisherigen, 'atomisierenden' Betrachtungsweise der 'Elementen-Psychologie' Wundtscher Prägung, psychische Phänomene, vorallem Wahrnehmungen, von 'Ganzheiten' her zu untersuchen. Wertheimer habilitierte sich 1912 in Frankfurt. Zum Vorkriegskreis zählten sein jüngerer Freund Wolfgang Köhler (1887-1967), Kurt Koffka (1886-1941), Adhemar Gelb ( -1936), Kurt Goldstein und andere.

Wolfgang Köhler aus Tallin studierte in Berlin und Bonn, promovierte 1909 bei Bruno Erdmann in Tübingen, kam 1910 nach Frankfurt, habilitierte sich 1911, und publizierte u.a. eine Reihe von `Akustischen Untersuchungen'[26]. Er war verheiratet mit Thekla Gelb, der Schwester des Kollegen. Von 1913-1920 leitete er die Primaten-Forschungsstation der preußischen Akademie auf Teneriffa und wurde über Fachkreise hinaus bekannt mit Arbeiten zur `Intelligenzprüfung bei Affen', `Mentality of Apes'[27] und zu `Methoden der psychologischen Forschung beim Affen'[28]. Nach seiner Rückkehr lehrte Köhler vorübergehend in Göttingen.

Richtungshören lieferte ein Beispiel für die Grundannahme, daß 'übersummative' Prozesse in den Empfindungen und in ihrem physiologischen Substrat Bedeutung haben. Eine Arbeit von Hornbostel 1923 beginnt in Abwandlung von Ernst Machs Frage nach den zwei Augen mit der Frage "wozu hat der Mensch zwei Ohren?" und es heißt dann:

"Die zweiohrigen Schälle sind (im Gegensatz zu einohrig wahrgenommenen) stärker gestaltet, sie sind Dinge, die hörend wahrgenommen werden, die ruhend oder bewegt, in demselben Raum sind wie die Dinge, die man sieht".[29]

Mit der rein 'friedlichen' Forschung war es seit dem Krieg auch in der Psychologie vorbei. Christoph Hoffmann schrieb dazu:

"Wenn auch heute digitalisierte Daten laserabgetastet unseren Hörraum bis in den letzten Winkel mit Sound füllen, das Klangerlebnis beruht technisch letztlich auf denselben Grundlagen, nach denen vor nunmehr bald achtzig Jahren zwei Psychologen den ersten Stereoempfänger der Welt entwickelt haben. Doch nicht der Wohlklang deutscher Kultur, sondern der 'Gesang des Todes' (Robert Musil) sollte es sein, dem bald darauf die Soldaten an den Fronten des Reiches lauschen."
Burkhard Vollmers hat das unterschiedliche politische Engagement der `Gestaltpsychologen' untersucht: Wertheimer hatte in den zwanziger Jahren, ähnlich wie Einstein, mit dem er befreundet war, 'Verbindungen zu linken und pazifistischen Kreisen'. Ähnlich auch der jüngere Kurt Lewin (1890-1947), der in seinen ersten Arbeiten den Taylorismus zu einer sozialistischen arbeiterfreundlichen Methode entwickeln wollte. Karl Duncker schrieb regelmäßig für sozialistische und pazifistische Zeitschriften (und Otto Lauenstein?). Wolfgang Köhler sei der konservativste gewesen (sein Protest gegen die antisemitischen Maßnahmen der 'nationalen Revolution' von 1933 s.u.). Vollmers kam zu dem Ergebnis, daß sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen 'qualitativer' Arbeitsweise und linker politischer Haltung nachweisen läßt, "qualitative Sozialforschung wurde und wird also nicht notwendigerweise von 'kritischen' Forschern betrieben" [30] Über den Menschen Max Wertheimer geben die Tagebücher von Käthe Kollwitz (1867-1945) Auskünfte. Er gehörte zu den nächsten Freunden der Künstlerin und ihres Mannes, des Arztes Karl Kollwitz (1863-1940). Eine enge Beziehung zu Käthes Schwester Lisbeth (1870-1963) seit 1909 war der Angelpunkt. Georg Stern (1867-1934), Lisbeths Mann, hatte einen leitenden Posten bei der AEG. Kollwitz' mit ihren beiden Söhnen Hans (1892-1971) und Peter (1896-1914), und Sterns, mit ihren drei zwischen 1894 und 1897 geborenen Töchtern und der 1907 geborenen `Nachzüglerin' Maria, hatten ständig Kontakt. Hinzu kamen Trude und Heinrich Goesch "die nicht nur Polygamie propagieren, sondern zugleich Homosexualtität", was zeitweilig zu großen Spannungen führte. Goesch ebenso wie ein anderer gern gesehener Gast, Alexander Rüstow, waren Leonard Nelsons erste Mitstreiter gewesen. Goeschs hatten sich dem unkonventionellen Freudianer Otto Gross[31] anvertraut. Das psychische Drama wurde den Freunden so bedrohlich, daß Max Wertheimer 1909 Anzeige gegen Gross erstattete. Karl Kollwitz trat als Zeuge auf. Spannungen verursachte aber nicht zuletzt auch Wertheimer. Im April 1911 notierte Käthe Kollwitz: "wie es liegt, geht - wenn nicht die Zeit alles bessert - entweder Lise zugrunde oder Georg hält es nicht aus. Lise wäre freier, wenn Wertheimer stürbe, es wäre die beste Lösung, sein Leben ist doch zerstört. Das Schlimmste ist der Riß zwischen Georg und Lise. Kein Mensch ahnt ihn, jeder hält sie für glücklich." Offenbar wurde das beste aus der Situation gemacht. Im November 1912 wird dem Tagebuch vielsagend anvertraut: "Wertheimer verkehrt wieder bei Sterns. Lise hat über den Betten stehn: Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Früher hatte sie Venus und Amor über dem Bett". Und 1916 hieß es zu den künstlerischen Arbeiten der Schwester: "Übrigens ist es immer Max Wertheimer, der in ihren Sachen ist. So hat er doch noch Zeugungskraft in ihrem Leben bekommen". Peter Kollwitz hatte 1914 in Belgien sterben müssen. Die Freunde betrachteten Patriotismus mit Skepsis, auch wenn Wertheimer sich über eine Loyd George Rede empörte. Am 25. November 1917 waren Lise, Max, Käthe und Karl zusammen bei einer Friedensdemonstration und angewidert von Zusammenstößen mit der Polizei. Die Revolution weckte große Hoffnungen: "Max Wertheimer erwartet von Rußland aus ein Hinübergreifen auf ganz Europa in demselben Geiste. Er glaubt an eine gewaltige moralische Erhebung". Der 9. November 1918 war für Käthe Kollwitz ein reiner Freudentag: "Max Wertheimer erzählte eben am Telefon, das Schönste sei gewesen, wie sie den Vorwärts mit Maschinengewehren umstellt haben. Und aus dem Militärgefängnis einen Leutnant befreit haben, der vor einigen Tagen da eingesperrt gewesen ist, weil er Ordre gegeben hatte, nicht zu schießen.... Späterer Abend: Stille auf der Straße. Keine Elektrische. Telphoniere an Sterns. Georg eben nach Hause gekommen. Er war der Meinung, Maria wäre allein Unter den Linden. Sucht sie dort. Maschinengewehrfeuer von Universität aus. Der Mann neben ihm wird verwundet. Maria war dort gewesen aber mit Max. Ein rotes Auto ist die Linden langgefahren und hat aufgefordert zu räumen, weil geschossen würde, und sie sind dann abgebogen... Konrad hat antelephoniert: `Hier Bürger Schmidt'". Konrad Schmidt (1863-1932) war Käthe und Lises Bruder, ein überzeugter Sozialist. Käthe vermerkt im Tagebuch auch, daß sie zuammen mit Sohn Hans "bei Nelson gewesen. `Die Partei der Vernunft. Leonard Nelson, Hellmut Kaiser, Max Hodann. In der Debatte der junge Wittfogel. Plan zur Gründung einer philosophisch politischen Akademie". In der Neujahrsnacht 1919 trafen sich alle bei Sterns. Georg und Wertheimer spielten Bach. Ein paar Wochen später wird wieder vermerkt: "Max spielt Geige und singt mit Georg Bachkantate". Der Revolution wurde große Bedeutung beigemessen, Lise ließ ihre Tochter Maria an allen Revolutionsereignissen teilnehmen, sie erklärte, ihre Tante Lonny hätte mal gesagt, ihr Vater habe sie 48 überall hin mitgenommen und das habe einen tiefen Eindruck hinterlassen. Der 1914 gegründete radikalpazifistische `Bund Neues Vaterland', der 1916 verboten wurde, entstand 1918 neu. Käthe Kollwitz und Max Wertheimer wirkten mit. Am 20. Dezember 1919 heirateten Hans Kollwitz und Ottilie Ehlers, Max brachte wundervollen Wein mit und "Georg und Max sangen `Bei Männern welche Liebe fühlen'". Im Sommer 1923 heirateten Max Wertheimer und Annie Karow, die seine Studentin war, "ein einfach und gut aussehendes Mädchen mit warmen dunklen Augen". Im nächsten Jahr wurde ein Sohn Jakob geboren, der nach einem Monat starb. Ende Dezember 1925 konnte Käthe bei Wertheimers "das Jungchen" Valentin begrüßen. Ein paar Jahre später zogen Wertheimers nach Frankfurt. Die Verbindung riß nie ab. Als nach den Wahlen vom 5. März 1933 für Kollwitz' in Berlin die Gefahr der Verhaftung drohte, zogen sie für ein paar Wochen zu Wertheimers, die in Marienbad gewiß nicht unbeschwerte Ferien machten, bevor sie ins Exil gingen.[32]

* * *

Die Revolution hatte in zentraler Lage Berlins ein leerstehendes Gebäude hinterlassen: das Stadtschloß. Die neue Bedeutung des psychologischen Instituts könnte durch nichts deutlicher zum Ausdruck kommen, als durch seinen Umzug in diese privilegierten Räumlichkeiten. Und das war nicht zuletzt den militärischen Erfolgen zu verdanken. Im übrigen schlug die Reichswehr in Gestalt des Generalleutnants Watter 1920 dem Minister vor, die militärische Entwicklungsarbeit der Psychologen fortzusetzen, und Carl Stumpf bot eine Verwertbarkeitsprüfung der Forschungsarbeit durch den wissenschaftlichen Leiter der Reichswehrpsychologie Johann Baptist Rieffert (1883-1956) an[33].

Der Sachmitteletat, der 1912 bei 4400 RM gelegen hatte, betrug 1920 bereits 28 000 RM, allerdings waren durch den Umzug auch zusätzliche Ausgaben entstanden. Als Carl Stumpf 1922 die Institutsleitung abgab, wurde Wolfgang Köhler der Nachfolger, und Max Wertheimer, der sich 1918 in Berlin habilitiert hatte, wurde Extraordinarius. So entstand der Gestaltpsychologie ein neues Zentrum; Rupp, seit 1921 Professor für Arbeitspsychologie, wurde Chef einer neuen Abteilung für angewandte Psychologie. Seit 1921 gab die Gruppe der 'Gestaltpsychologen' eine eigene Zeitschrift heraus, die Psychologische Forschung. Die Aufmerksamkeit in diesem Organ galt sowohl einer experimentellen, 'naturwissenschaftlichen' Psychologie und 'Psychophysik', als auch der Erkenntnistheorie und Logik, der Völkerkunde und Psychiatrie. Die Interessen waren alles andere als eng. Zu Carl Stumpfs 70stem Geburtstag 1918 verfaßte Wertheimer einen längeren Aufsatz über 'Schlußprozesse im produktiven Denken', 1928 schrieb Köhler für den Verleger Horace Liveright in New York eine englische Gestalt Psychology, die Wertheimer gewidmet ist. Der wechselte im gleichen Jahr nach Frankfurt, Kurt Koffka ging nach Amerika.

Während Hans Kopfermann und Rudolf Ladenburg im Dahlemer KWI zu ersten Ergebnissen ihrer `quantenoptischen'[34] Arbeit kamen, experimentierte Hertha Schwertfeger-Kopfermann `im Schloß' als Doktorandin bei Ladenburgs Freund Max Wertheimer. Neben ihr promovierte damals nur noch Rudolf Arnheim (1904-19??). Schwertfeger untersuchte empirisch die 'Wirkung von zweidimensionalen Darstellungen körperlicher Gebilde'[35]. Im Experiment gelang ihr der Nachweis, daß typische gestaltpsychologische Tatbestände bei der `scheinkörperlichen' Wirkung ebener Darstellungen eine zentrale Rolle spielen. "Prozesse außersinnlicher Provenienz". In einem binokularen `Beobachtungsrohr' konnten die Versuchspersonen Figuren in verschiedenen Entfernungen betrachten.

"Für die Auffassung einer Figur ist, abgesehen von Erfahrungsmomenten, entscheidend, welche Verteilung der Aufmerksamkeit vorliegt bzw. wie die Figur durchlaufen wird."
Damit sei jedoch die Frage der `Scheinkörperlichkeit' "nicht erschöpft und nicht im wesentlichen getroffen"; wesentlich sind `Figuralfaktoren', die `Art der Zusammengefaßtheit', die Rolle der Teile im Ganzen:
"Es könnte sein, daß die Bedingungen dafür, daß eine 2-dimensionale Figur als 3-dimensionale Figur aufgefaßt wird, nicht in Erfahrungsmomenten ... (bzw nicht in solchen allein) oder in der Aufmerksamkeitsverteilung (bzw. in Bedingungen beider Art allein) liegen, sondern daß zu den primären Bedingungen wesentlich jene Figuralfaktoren gehören, die an sich sachlicher, inhaltlicher Natur sind, die sich auf gestaltliche Eigenschaften der Konstellation gründen".[36] "Die zugrunde liegenden Experimente wurden in den Jahren 1927/28 im psychologischen Institut der Universität Berlin angestellt; ich spreche dem Institut meinen Dank aus, ebenso den Damen und Herrren, die sich freundlicherweise als Versuchspersonen zur Verfügung stellten. Herrn Prof. Wertheimer bin ich für die Anregung zu der Arbeit und für Rat und Hilfe bei ihrer Ausführung zu besonderem Dank verpflichtet"[37]

Hans Kopfermann als eine der Versuchspersonen? Hertha schloß ihre Arbeit 1928 ab und fuhr zum `Rigorosum' in die Main-Metropole. Rudolf Arnheim, der über 'Ausdruckswahrnehmung' gearbeitet hatte, promovierte im gleichen Jahr und wurde Redakteur des kulturellen Teils der 'Weltbühne'. Nebenbei sammelte er Material für sein erstes Buch: Film als Kunst[38]. Erstes Kapitel: 'Weltbild als Filmbild', erster Abschnitt: 'Projektion von Körpern in die Fläche' - das Thema Hertha Kopfermanns. Ein paar Jahre später fand ihre Arbeit eine Fortsetzung als Lotte Lauenstein räumliche Wirkungen von Licht und Schatten, vorallem in Photographien untersuchte und Effekte beobachtete, "die sich zwanglos den von Kopfermann untersuchten Fällen unterordnen" lassen[39].

Der Physiker kam durch seine Frau mit einer anderen 'Wissenschaftlichkeit' in Berührung, die statt der natürlichen Objektwelt die menschliche 'Subjektivität' 'objektivierte' - so jedenfalls könnte er die Differenz gesehen haben. Während ihm an 'Wahrheit' der Realität lag, wurde hier die Realität der Täuschung zum Forschungsgegenstand. Und auch die Dinge, die ihn 'kulturell' begeisterten, das Hören, das Sehen. Die Gestaltpsychologen `beobachteten' die sinnliche Erfahrung, in Opposition zu den Behaviouristen, die das Stimulus-Reflex-Schema zu übergroßer Gültigkeit erhoben und von `Introspektion' nichts hielten. Wolfgang Köhler schrieb:

"'Du sollst nicht anerkennen unmittelbare Erfahrung in der Wissenschaft' heißt das erste Gebot und `Du sollst Dir keine anderen Funktionen ausdenken als Reflexe und bedingte Reflexe' heißt das zweite. Ich verstehe nicht, wie der Behaviourist diesen Glauben mit unserer heutigen Kenntnis von organischen Prozessen und Verhalten vereinbaren kann. Und ich verstehe nicht, wieso der Organismus unter dem Gesichtspunkt von `Genauigkeit' als so eine grobe und ärmliche Sache gesehen werden kann. Der Behaviourismus zeigt in seinem Bemühen, die technischen Vorgehensweisen der Physik nachzuahmen, oft sture Engstirnigkeit, die gleiche Einstellung wird verblüffend, wenn bis auf zwei Vorgänge alles was auf der inneren Seite des Verhaltens geschieht, ausgeschlossen wird. Ein seltsamer Konservatismus und Dogmatismus für eine revolutionäre Schule! Selbst heute noch, wo die Physik eine erwachsene Wissenschaft ist (während die Psychologie in Köhlers Auffassung noch in den Kinderschuhen steckte und daher ihre wissenschaftlichen Maßstäbe nicht in der Physik von heute suchen sollte. KS) gestattet sie sich, zum Atom wenigstens eine neue Idee pro Jahr zu haben. Unsere Wissenschaft ist noch so jung und trotzdem denken die meisten Behaviouristen nicht einmal im Traum, daß sich die Natur ihrer beiden Grundideen ändern könnte. Ihnen wurde die Wahrheit in Vollkommenheit bei der Geburt der behaviouristischen Psychologie offenbart."[40]

Hans Kopfermann wurden Einblicke in Zusammenhänge - eben Beobachtungszusammenhänge - vermittelt, die später, in Kopenhagen, im Verhältnis zu Niels Bohr ins Spiel gekommen sein mögen. Herthas Arbeit mag einen `Hintergrund' geschaffen haben, ähnlich dem, den Bohr durch Harald Hoeffding gewonnen hatte.

* * *

Hertha Kopfermann gab das Interesse an Debatten und Neuerungen, die ihr Arbeitsgebiet berührten, nach der Promotion und nach dem Weggang Wertheimers nicht auf, zumal sie Wolfgang Köhler sehr schätzte und liebte[41]. 1928 gab sich die Berliner Gruppe für `wissenschaftliche Weltauffassung' als Pendant zum Wiener `Verein Ernst Mach' eine öffentliche Plattform mit der `Gesellschaft für empirische Philosophie', die sich ab 1931, auf Anraten von David Hilbert, `Gesellschaft für wissenschaftliche Philosophie' nannte. Hauptakteur war Hans Reichenbach (1891-1953)[42], der vorher schon in der `Internationalen Gesellschaft für empirische Philosophie' tätig war und seit 1926 an der Berliner Universität lehrte[43]. Zu den Organisatoren zählten auch Walter Dubislav (1895-1937), der als Extraordinarius an der TU lehrte, der ehemalige Nelsonianer Kurt Grelling (1886-1942), der als Schullehrer tätig war, Richard Mises (1883-1953) und der Psychiater Alexander Herzberg. Die Kontakte nach Wien waren eng. Die Gesellschaft trat mit einem breiten Spektrum von Vortragsthemen und Vortragenden in Erscheinung, die Veranstaltungen fanden im Amphitheater der Charité statt; Hans und Hertha Kopfermann waren unter den Zuhörern.

Es sprachen u.a. Otto Meyerhoff - ein weiterer alter Nelsonianer - über Theoretische Grundlagen der Physiologie, Walter Dubislav u.a. über `Die Grundlagenkrise in der Mathematik', Otto Neurath über `Grundprobleme des Physikalismus', Erich Koch-Weser über `Empirisches zur Staatskunde', Carl Müller-Braunschweig über `Psychoanalyse und wissenschaftliche Philosophie' Alfred Adler über `Besitz- und Gebrauchspsychologie', Siegfried Bernfeld über `Naturwissenschaftliche Bewußtseinspsychologie', Karl Korsch über den Empirismus in der Hegelschen Philosophie, Erwin Finlay-Freundlich über `Die Frage nach der Endlichkeit des Raumes, als astronomisches Problem betrachtet', Lise Meitner über die elementaren Bausteine der Materie, Wolfgang Köhler über `Die gegenwärtige Lage der empirischen Philosophie' und immer wieder Hans Reichenbach, zuletzt 1933 über Kant und die moderne Naturwissenschaft[44]. Die Wiener und die polnischen 'Logiker' wurden eingeladen: Carnap, Tarski, Neurath und es diskutierten u.a. Scholz, Bernays, Kurt Lewin. Manchmal waren es auch ganz unkonventionelle Themen und Vortragende. Einmal war der Wahrsager Hanussen eingeladen. Die Berliner Gesellschaft übernahm zusammen mit den Wienern Wilhelm Ostwalds `Annalen der Naturphilosophie' und machte daraus ihre Zeitschrift, `Die Erkenntnis'. Im Programm des Vereins war zu lesen:
"Die Gesellschaft für empirische Philosophie ist aus dem Bestreben hervorgegangen, einen geistigen Mittelpunkt für alle diejenigen zu bilden, welche an wissenschaftlicher Philosophie interessiert sind. Unter wissenschaftlicher Philosophie ist dabei eine philosophische Methode verstanden, welche durch Analyse und Kritik fachwissenschaftlicher Resultate zu philosophischen Fragestellungen und Antworten vordringt. Mit einer solchen wissenschaftsanalytischen Methode stellt sich die Gesellschaft in bewußten Gegensatz zu allen Ansprüchen einer Philosophie, die ein Eigenrecht der Vernunft behaupten und Sätze von apriorischer Geltung aufstellen möchte, welche der wissenschaftlichen Kritik nicht unterliegen."[45]

Kopfermanns waren - vielleicht schon seit Göttingen - befreundet mit Carl Gustav Hempel (geb.1905), der zu diesem Kreis gehörte, und bei Hans Reichenbach über die Frequenz-Interpretation von Wahrscheinlichkeit promovierte.

Hempel war 1928 von seinem Freund und Mitstudenten Olaf Helmer zu Reichenbach und in die 'Gesellschaft für empirische Philosophie' gebracht worden. Hempel ging eine Weile auch nach Wien und begann dann seine Dissertation. 1933, als Reichenbach emigrieren mußte, war guter Rat teuer und fand sich bei Wolfgang Köhler und auch bei Nicolai Hartmann, die bereit waren, die Arbeit anzunehmen. Hempel promovierte 1934, verheiratete sich mit Eva Beate Ahrends und beide konnten nach Belgien emigrieren, dank Paul Oppenheim, mit dem Carl Gustav Hempel durch Reichenbach Bekanntschaft gemacht hatte und der sich in Brüssel niedergelassen hatte, wohlhabend genug, um eigene Forschungen zu finanzieren. Eine den Fachleuten bekanntes Konzept zur Sicherung logischer Aussagen (degree of confirmation), das allerdings erst Anfang der vierziger Jahre in mehreren Arbeiten in den USA entstand, wurde von Rudolf Carnap als H2O-approach bezeichnet, nach den drei Autoren Carl Gustav Hempel, Olaf Helmer und Paul Oppenheim[46].

Carl Gustav Hempel wurde 1935 Pate von Michael Kopfermann, dem ersten Kind seiner Freunde Hertha und Hans, da lebten er und seine Frau schon in Brüssel. Hempel schrieb später: "I hate to think of what might have become of me if Reichenbach had not put me in touch with Oppenheim"[47].

Leszek Kolakowski hat den `Positivisten', wie die `wissenschaftlichen Philosophen' vielfach genannt werden, in Tauwetterzeiten des `realen Sozialismus' ein Zeugnis ausgestellt:

"Sie repräsentierten den humanitären Protest gegen eine Welt, die von blutigen Auseinandersetzungen erschüttert war, in der Überzeugung, daß die Verbreitung der sogenannten wissenschaftlichen Haltung ein wirksames Mittel gegen die Wahnsinnstaten der Ideologen sein könnte... Die postivistischen Grundsätze trugen ... zur Erweiterung des Selbstverständnisses der Intellektuellen bezüglich des Umfangs der eigenen wissenschaftlichen Pflichten bei und pflegten, nach meiner Überzeugung, bei der Bekämpfung der Versuche, die Grenzen zwischen der Position eines Wissenschaftler und den Verpflichtungen eines Gläubigen zu verwischen, erfolgreich zu sein. Sie in Erinnerung zu rufen, eben als Art spezifischer Deontologien der wissenschaftlichen Welt, wird nie anachronistisch sein".[48]

Der `Kern' der Gestaltpsychologen war vertrieben und hatte Deutschland längst verlassen, als auch Wolfgang Koehler 1935 aufgab und nach USA ging. Im letzten Band der `Psychologischen Forschung', der 1938 erschien, nur noch mit ihm als alleinigem Herausgeber, schrieb er:

"Weihnachten ist Carl Stumpf gestorben. Ich sah ihn wenige Monate vorher, da war er still und vornehm wie immer, aber auch ganz traurig wie schon seit mehreren Jahren. Keinen anderen habe ich gekannt, dem Besonnenheit und Maß so unbedingt Bedürfnis waren, und sicher hat er von früh an gefühlt, daß etwas in den Dingen selbst Maß von denen fordert, die ihnen gerecht werden wollen. Von sich wie von anderen verlangte er intellektuelle Strenge und die äußerste Gewissenhaftigkeit. Wenn lautes Wesen und anmaßende Verschwommenheit ihm nahe kamen, dann war sein Gefühl für vornehme Art arg verstimmt. Dasselbe Gefühl verbot ihm, allzu kleinen Dingen den Platz von großen einnehmen zu lassen, und in der entschiedensten Aufopferung als Einzelforscher wußte er deutlicher als viele, daß die Psychologie erst die unsicheren Schritte eines Kindes tut. So hielt ihn gemessene Art auch noch davon zurück, ganz in der Wissenschaft aufzugehen. Carl Stumpf war ein ungemein einsamer Mensch, und wenige konnten ahnen, wie es ihm zuinnerst ging. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß da viel Musik war, die in ihrer Weise von Wichtigerem handelte, als wir sonst ausdrücken können".

Carl Stumpf hatte bekanntlich ausführlich über Tonempfindungen gearbeitet. Köhler war übrigens ein guter Klavierspieler. Hertha Kopfermann hat nach ihrer Dissertation keine eigenen Arbeiten mehr publiziert. Sie übersetzte gelegentlich, so 1932 für `Die Naturwissenschaften' den Vortrag "Licht und Leben", Niels Bohrs ersten Versuch, 'Komplementarität' in die Biologie einzuführen[49], und nach dem Tod ihres Mannes, zusammen mit Lili Hürlemann-Köhler, Texte von Wolfgang Köhler, Die Aufgabe der Gestaltpsychologie[50].

Ernst Glaeser hat dem 'Jahrgang 1902' mit seinem gleichnamigen Roman ein bekanntes Denkmal gesetzt[51]. In einer Rezension in der Neuen Generation 1929 hieß es:

"Schrieb Arnold Zweig in seinem 'Grischa' den Leidensweg des heutigen erwachsenen Menschen, dem der Kern alles Menschentums, Gerechtigkeit und Würde zerrieben wird in der leblosen Maschine: Krieg, Staat, Organisation, so erzählt Ernst Gläser das Leben einer Jugend, der dieses Schicksal Krieg das Jungsein nahm... Und diesen Krieg erlebt Ernst Gläser im Niederschreiben noch einmal mit einer Intensität, daß der gleichaltrige Leser sich selbst zu lesen glaubt und der schon damals Erwachsene endlich einmal erfährt, wie schwer er schuldig wurde an einer Generation, der er seine Verlogenheit als Heldentum zum Vorbild gab."[52]

Die Rezensentin Irmgard Meyer schloß ihre Besprechung mit einem Wunsch, der nicht in Erfüllung ging:

"'La guerre ce sont nos parents', - möge dieses trostlose Vorwort zum letztenmal Motto einer Jugend gewesen sein!"

Vielleicht wird deutlicher, welche Differenz das Zusammenleben Schwertfeger-Kopfermann vermittelte: 'Der Krieg - das ist mein Mann' hätte Hertha sagen können. Und Hans? Was hätte er sagen können? Suchte er vielleicht die Vermittlung zwischen den Alten, die immer noch mächtige Vorbilder waren - der Vater, Max Planck - und diesen Jüngeren, denen die 'Jugend genommen wurde'? Die aber vielfach ganz anders reagierten, als bei Glaeser beschrieben, nämlich ganz auf der militaristischen Linie der Alten es 'besser' zu machen versuchten. Das an dieser Linie etwas nicht stimmte, er hatte es erfahren und für Hertha war er der lebendige Beweis.

Früher einmal hatte die ältere Schwester in des Bruders Leben mitbestimmend gewirkt, als beide noch ihre Ausbildungsziele vor Augen hatten. Hertha hatte er offenbar für ein gemeinsames Ziel gewinnen können: ein Leben, in dem seine Arbeitswelt besonders langen Atem, Geduld und Unterstützung, aber eben auch Distanz verlangte. Sozusagen eine unterstützende 'Supervisionsinstanz'. Für die sorgte vermutlich sie. Dazu bedurfte es gegenseitiger intellektueller Herausforderung im Alltag und es war lohnend, weil der 'Erfolg', zumal unter schwierigen Bedingungen, nicht ausblieb, oder weil die schwierigen Bedingungen sich als Herausforderungen darstellen mußten. Ob das gemeinsame Ziel am Ende erreicht war, wird noch zu erörtern sein.


[1]Vgl. Friedrich Herneck, "Albert Ladenburg" in: Otto Finger und Friedrich Herneck, Von Liebig zu Laue, Berlin (VEB) 1963; auch: Albert Ladenburg, Lebenserinnerungen, Breslau 1912

[2]Peter Pringsheim (1881-1963), Kollege von Rudolf Ladenburg, nach 1933 in Brüssel, dann Argonne Nat. Lab., war der Sohn von Gertrud Dohm (Tochter der bekannten Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm) und Alfred Pringsheim (1850-1941) und der Bruder von Katja Mann, Erik, Peter, Heinz, und Klaus Pringsheim; das waren die 'Berliner Pringsheims'; der Breslauer Physiker Ernst Pringsheim (1859-1917) zählte zu den 'Breslauer Verwandten'; Margarete war seine Schwester oder seine Cousine? Ich danke Frau Anna Sodki / Köln für den Hinweis auf falsche Angaben in einer früheren Version des Textes.

[3]Vgl. Helmut Rechenberg, 'Rudolf Ladenburg', NDB

[4]Vgl. die Darstellung in Felix Klein, Vorlesungen über die Entwicklungen..., S.74

[5]Albert Einstein, Hedwig und Max Born, Briefwechsel, loc. cit., S.18

[6]Vgl. Thomas Powers, Le mystère Heisenberg. L'Allemagne nazie et la bombe atomique, Paris, Albin Michel, 1993 (Orig. Heisenberg's war: the secret history of the german bomb); auch M. Päsler/Berlin "Fritz Reiche gestorben", Phys. Bl. 25,1969

[7]Brief an Albert Einstein vom 4.5.52, Briefwechsel, a.a.O., S.254; Vgl. a. Luxus des Gewissens, S.31, wo es heißt: "Viele Jahre hindurch waren wir unzertrennlich und verbrachten wunderschöne Ferientage zusammen in Italien und in der Schweiz".

[8]Vgl. Max Born 1965 in Albert Einstein, Hedwig und Max Born, a.a.O., S.40: "Während des Krieges kam es zu einem Bruch zwischen ihm (Fritz Haber K.S.) und mir; er wollte mich in sein Gaskrieg-Team einspannen, was ich scharf ablehnte. Später söhnten wir uns aus, als ich sein Institut in Dahlem öfter besuchte, um mir bei meinem Freund Franck empirisches Material für meine Arbeit über die Berechnung von chemischen Wärmetönungen aus Gitterenergien zu holen".

[9]Christoph Hoffmann, "Wissenschaft und Militär. Das Berliner Psychologische Institut und der 1. Weltkrieg", Psychologie und Geschichte 5, 1994, S.261

[10]In Luxus des Gewissens a.a.O. S.36 schrieb Born, er sei ein guter Reiter gewesen, und sein Vorgesetzter habe ihn bei morgendlichen Ritten über das Tempelhofer Feld zu Gesprächen eingeladen. Der Rittmeister war Paul Schoenaich (1866-1954), der 1919 die Reichswehr als Generalmajor verließ, der DDP angehörte und 1922 der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) beitrat und ihr Vorsitzender wurde, 1933-45 aus der Öffentlichkeit verdrängt war, nach der Befreiung mit anderen die DFG neugründete und vorübergehend der CDU angehörte.

[11]Luxus des Gewissens, a.a.O., S.41

[12]Archiv MPG, Personalia Rudolf Ladenburg, Abt.II, Ref. 0001A

[13]Ebendort

[14]Es heißt, Frauen bedurften in Preußen wie Männer nur noch nach Paragraph 3, Absatz 1 der Vorschriften von 1879/1905 der Genehmigung des Ministers. Paragraph 3, Abs.1 des 'Gesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Studierenden und die Disziplin der Landesuniveritäten...' (1879): "Der Unterrichtsminister ist befugt, die bisher geltenden Vorschriften über die akademische Disziplin und deren Handhabung, nach Anhörung des Senates... abzuändern und neue Anordnungen zu erlassen". Welche Einschränkungen der Zulassung blieben bestehen?

[15]1891 hatte der Reichstag die Frage des Frauenstudiums zum ersten Mal behandelt, und sie war den Chauvinisten lächerlich vorgekommen. Baden hatte im gleichen Jahr den Frauen Zutritt zur mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät in Heidelberg gestattet, Bayern, Württemberg, Sachsen, Hessen folgten. Das Schlußlicht bildete Preußen. Im Winter 1908/9 war dann die Zahl der immatrikulierten Frauen im ganzen Reich von 377 auf 1077 hochgeschnellt. Dazu kamen immer noch 1782 Hörerinnen (Meyers 6te, Supplementband 1910). Nach Margot Fuchs ("Isolde Hausser 1889-1951", Ber. Wiss.gesch. 3, 1994, S.201) schrieben sich 1909 im ganzen Reich 221 Frauen für Naturwissenschaften ein; in Berlin waren unter den 698 neuen Studenten der Naturwissenschaften 41 Frauen.

[16]Die folgenden Absätze und Zitate nach Else Alpers, "Agnes Wurmb 1876-1947", Niedersächsische Lebensbilder, Hildesheim 1962, Bd.5, S.343

[17]Gertrud Grote promovierte über "Die Erzählkunst Ricarda Huchs...", die Arbeit erschien 1931 (Verlag Ebering) (Reprint Kraus 1967). In den 50er und 60er Jahren war sie als Übersetzerin tätig. Mehrere Werke Robert Brasillachs erschienen in ihrer Übersetzung im Verlag Biederstein. Brasillach hatte während der Besetzung Frankreichs mit den Deutschen kollaboriert.

[18]Auch Erica Küppers (1891-1968) gehörte zum Freundeskreis von Agnes Wurmb seit sie 1920 ihr Referendariat an der Sophienschule gemacht hatte. Sie hatte mit Aussichten auf eine pädagogische Hochschullehrerstelle noch ein Theologiestudium absolviert, verweigerte sich dann dem Regime und arbeitete ab 1936 in der Frankfurter Frauenhilfe. In den fünfziger Jahren war sie Pfarrerin und Schriftleiterin der von Martin Niemöller und Gustav Heinemann gegründeten Stimme der Gemeinde.

[19]Zu Peter Bade vgl. Else Alpers, "Peter Bade 1872-1956" in Niedersächsische Lebensbilder, Hildesheim, Bd.5, S.1; zu Wilhelm Heile s.a. Werner Stephan, Aufstieg und Verfall des Linksliberalismus 1918-1933, Geschichte der Deutschen Demokratischen Partei, Göttingen (Vandenhoek) 1973

[20]Peter Brix, "Wolfgang Paul zum Gedenken", Phys. Bl. 50 1994, S.1155

[21]Dr. Ilse Hahn, Malente-Gremsmühlen, verdanke ich Hinweise, Auskünfte, Korrekturen. Hertha Kopfermann, die Freundin ihrer Mutter, war ihre Patin, und Agnes Wurmb war die Patin ihrer 1935 geborenen Schwester.(telephonisches Gespräch und Korrespondenz im Juni 1995).

[22]Caroll C. Pratt schrieb zur Einführung in Wolfgang Köhler, The Task of Gestalt Psychologie, Princeton, Univ. Press, 1969, deutsch Die Aufgabe der Gestaltpsychologie, Berlin, de Gruyter, 1971, Übersetzung von Hertha Kopfermann und Lili Köhler, S.4: "Mit dem Tode von Wundt im Jahre 1920 hörte die Rivalität der Schulen von Berlin und Leipzig auf, Berlin überflügelte Leipzig jetzt mit Abstand als das unbezweifelbare Mekka für Studenten aus Europa, Amerika und Asien, die wissen wollten, was im Nachkriegsdeutschland in der Psychologie vor sich ging."

[23]Es scheint allerdings, daß in Frankreich ein ähnliches Gerät zur Ortung bei Nebel auf See schon 1880 patentiert wurde. S. Abbildung S.101 in S.S. Stevens, Fred Warshofsky et les rédacteurs des Collections Time Life, Le son et l'audition, Collection Time-Life 1965

[24]Vgl.Christoph Hoffmann, op. cit.

[25]Daß hier Kriminologie anklingt, ist nicht ganz zufällig; eine erste Arbeit von Wertheimer und J.Klein erschien 1904 im Archiv für Kriminalanthropologie

[26]Vgl. "Akustische Unbersuchungen III", Zeitschrift für Pychologie, 72, 1915

[27]Wolfgang Köhler, The Mentality of Apes, London, Kegan, 19??

[28]In: Abderhaldens Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden VI, D, 1921

[29]Zitiert nach Christoph Hoffmann, op. cit.

[30]Burkhard Vollmers, "Wie kritisch ist qualitative Sozialforschung?", Psych. und Gesch. 5, 218

[31]Gross' Ansichten vom `Auslebens' angesichts der sexuellen Misere, zumal in `besseren' Kreisen, überforderten seine Klientel. In der bekannten Kolonie asketischer `Aussteiger' von Ascona (`Monte Verita') führten sie zum Bruch. Sein Lehrer Carl Gustav Jung (unterstützt von Siegmund Freud) griff zu autoritären Maßnahmen. Bekannt wurde er auch durch die Rolle, die er für die Schwestern Richthofen und durch sie indirekt für die Brüder Alfred und Max Weber spielte. Vgl. Martin Green, Else und Frieda, die Richthofen-Schwestern, München, Kindler 1976 (engl. 1974). Neuerdings hat sich eine 'Internationale Otto Gross Gesellschaft' zusammengefunden' (Gotfried Heuer, London, Raimund Dehmlow, Hannover) und einen ersten Kongress veranstaltet. S. http:/www.ottogross/org/

[32]Alle Zitate aus: Käthe Kollwitz, Die Tagebücher, Jutta Bohnke-Kollwitz Hg., Berlin, Akademie-Verlag, 1989

[33]Tilman Spengler hat in Lenins Hirn, Reinbek (Rowohlt) 1991 ausgemalt, wie der Hirnforscher Oskar Vogt mit dem Reichswehrhauptmann Most ein großangelegtes Forschungsprogramm zur Verwendung von Hunden im Krieg entwarf und in Szene setzte.

[34]Im 1932 bei Fischer/Jena erschienenen 6.Band des im physikalischen Anteil von Georg Joos herausgegebenen Handbuch der Naturwissenschaften schrieb Eberhard Buchwald einen Beitrag "Lichttheorien" mit einem Abschnitt "Quantenoptik"

[35]Hertha Kopfermann, "Psychologische Untersuchungen über die Wirkung zweidimensionaler Darstellungen körperlicher Gebilde" (mit 87 Textabbildungen) Psych. Forsch. 1930 (eingegangen am 22.Juli 1929)

[36]Ebenda, S.360

[37]Ebenda, S.300

[38]Rudolf Arnheim, Film als Kunst, Berlin, Rowohlt, 1932, Neuauflage München, Hanser, 1974

[39]Lotte Lauenstein, Psych. Forsch. 22, 1938 S.293

[40]Wolfgang Köhler, Gestalt Psychology, London, Bell, 1930 S.42. Meine Übersetzung

[41]In einem Brief an ihre Freundin Charlotte Gmelin vom 18.5 1954 aus Heidelberg schrieb Hertha Kopfermann zu einem Besuch von Lily und Wolfgang Köhler: "Alte Freundschaft (und alte Liebe! es muss gesagt sein.) lebte wieder auf, wir hatten reizende Tage" (Privatarchiv Charlotte Gmelin).

[42]Vgl. Andreas Kamlah, "Hans Reichenbach - Leben, Werk und Wirkung" in Wien, Berlin, Prag. Der Aufstieg der wissenschaftlichen Philosophie, Rudolf Haller und Friedrich Stadler Hg., Wien, Hölder-Pichler-Tempsky, 1993

[43]Reichenbach war von 1920 bis 1925 Assistent bei Regener an der TH Stuttgart gewesen. Albert Einstein versuchte, ihm eine Stelle in der philosophischen Fakultät zu beschaffen, was nicht gelang. Das Extraordinariat bei den Naturwissenschaftlern wäre fast daran gescheitert, daß Max Planck sich hintergangen fühlte, weil er zunächst nichts von dem Engagement Reichenbachs für die sozialistischen Studenten 1918/19 erfahren hatte. Andreas Kamlah a.a.O., S.240

[44]Vollständige Liste s. Friedrich Stadler, Vom Positivismus zur `Wissenschaftlichen Weltauffassung': Am Beispiel der Wirkungsgeschichte von Ernst Mach in Öesterreich von 1895 bis 1934, Wien, Löcker, 1982, S.209

[45]Ebenda, S.207

[46]Vgl. Carl Gustav Hempel, "Hans Reichenbach remembered", Erkenntnis 35, 1991, S.5-10. Ich verdanke Andreas Kamlah die Einsicht in unpubliziertes Material, darunter Korrepondenz von Carl Gustav Hempel und Hans Reichenbach und einen Essay von Nicholas Rescher, Carl Gustav Hempel zum 90. Geburtstag 1995 gewidmet.

[47]Ebenda

[48]Leszek Kolakowski, Filozofia pozytywistyczna, Warschau, Naukowe, 1966, deutsch Die Philosophie des Positivismus, München, Piper, 1971

[49]Vgl. Abraham Pais, Niels Bohrs Times, loc.cit., S.543

[50]s.o., loc.cit.

[51]Ernst Glaesers Werke wurden 1933 als defätistisch diffamiert. Der Autor (geb. 1902) emigrierte, kehrte aber fünf Jahre später zurück. Eine Fehleinschätzung der veränderten Kulturpolitik des Regimes, er kompromittierte sich mit der Annahme des Rückkehr-Angebots.

[52]Imrgard Meyer, "Gläser, Ernst: Jahrgang 1902", Die Neue Generation 1929 Nr.6, S.109

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