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`Großwissenschaft' und `Negative Dispersion'

Zahlreich waren 1914-1918 die 'Patrioten' in der Wissenschaft, unterschiedlich ihre 'Taten' und Dienste: Lise Meitner diente dem Sanitätskoprs der oesterreichischen Armee wiederholt freiwillig als Röntgenassistentin, Erwin Schrödinger war Artillerist an ruhigen Fronten, Richard Courant, Max Born und Paul Scherrer bauten und erprobten einen neuartigen Feldtelegraphen, Fritz Haber und Otto Hahn (und mit ihnen ein ganzes KWI) waren die 'Helden', die die Gaswaffe entwickelten. Wilhelm Westphal hat viele Jahre später berichtet:

"Meine näheren Beziehungen zu Fritz Haber begannen, als ich im April 1915 vor Ypern zum Gaskampfregiment... stieß. Ich traf dort bereits mehrere gute Freunde als meteorologische Frontbeobachter, unter anderem James Franck, Gustav Hertz... Otto Hahn, Burckhardt Helferich... Haber besuchte uns an der Westfront und später an der Ostfront häufig... bei seinen Gängen durch die vordersten Stellungen zeigte er oft eine Nichtachtung der Gefahr, die uns um ihn bangen machte. Bei diesen Besuchen ging es dann abends im Kasino immer fröhlich her, besonders, wenn Haber seinen Freund Carl Duisberg mitgebracht hatte, der dann immer mit viel gutem Wein und anderen guten Dingen für uns versehen war."[1]

Haber hatte 1911 auf Veranlassung des Bankiers und großzügigen Stifters Leopold Koppel[2] die Direktion des KWI übernommen. Seine chemische 'Großtat', die Bindung von Luftstickstoff, die als `Haber-Bosch'- Verfahren großtechnische Anwendung fand, empfahl ihn. Und niemand verkörperte wie dieser Badener und Preuße - die doppelte Staatsangehörigkeit war möglich - die Interessen und die Erwartungen, die sich an die neue Institution der `Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft' knüpften[3].

"Hätten Haber und die glänzend organisierte deutsche chemische Industrie der Obersten Heeresleitung nicht zur Verfügung gestanden, so hätte diese sich wahrscheinlich innerhalb von zwölf Monaten schon um Frieden bemühen müssen"

hat Habers 'Schüler' Kurt Mendelssohn gemeint[4] und die 'glänzend organisierte chemische Industrie' wurde nicht zuletzt durch Carl Bosch, Direktor der `Badischen Anilin und Soda', BASF, repräsentiert.

Lag ein `Problem' in dem Ausmaß, in dem Fritz Haber sich `instrumentalisieren' ließ? Oder war es in erster Linie nicht `sein' Problem, sondern ein strukturelles der Herren- und Untertanen-Gesellschaft, an deren 'Normalisierung' und 'Modernisierung' ihm sein Leben lang gelegen war?

Clara Immerwahr (1870-1915) hatte nach ihrer Lehrerinnnenausbildung als eine der ersten Frauen 1895 in Wroclaw vor eigens zusammengestelltem Kollegium ein Abiturexamen abgelegt und die Zulassung von Frauen zur Universität erwirkt. Albert Ladenburg (s.o.) hatte sie dabei unterstützt und zu Chemiestudium und Doktorarbeit in seinem Institut ermutigt. Dort arbeitete Richard[5] Abegg, der zusammen mit seinem Freund Fritz Haber 1891 in Berlin promoviert hatte. Fritz, der auch aus Breslau kam, hatte Clara als junges Mädchen gekannt, und durch Abegg hatten sie sich wohl nie ganz aus den Augen verloren. 1900, beim Bunsenkongress in Freiburg, schlug ihr Fritz, inzwischen Professor in Karlsruhe, die Heirat vor. Sie hatte, als erste Frau in Wroclaw, gerade promoviert. Sie heiratete, blieb engagierte Frauenrechtlerin und lebte fortan vermutlich den Widerspruch von eigenem Verlangen nach wissenschaftlicher oder beruflicher Arbeit und gesellschaftlichen Ansprüchen an die 'Professorengattin'.[6] (In Karlsruhe war 1896 das erste badische Mädchengymnasium eröffnet worden, mit der Direktorin Anita Augspurg (1857-1943), die in Zürich in Jura promovierte und eine treibende Kraft der Frauenrechts- und pazifistischen Initiativen wurde).

Das neue KWI, dessen Direktor Fritz Haber geworden war, wurde im Oktober 1912 feierlich eröffnet (mit Vorführung der Chlorophylldarstellung durch Richard Willstätter, der Radium-Leuchteffekte durch Otto Hahn und der Ammoniakdarstellung durch Rossignol und Tamaru). Die KWI's verfügten über einen Jahresetat von 20 Millionen Mark, Fritz Haber konnte sich als 'Großunternehmer' fühlen. Als der Krieg erklärt wurde, war Clara Haber-Immerwahr, obgleich viel jünger als Anita Augspurg oder die Jenaer Physikerfrau und Frauenrechtlerin Anna Silbergleit-Auerbach (1860-1933), wie diese entsetzt über die 'patriotische' Haltung der Frauenverbände und vieler ihrer Vertreterinnen wie etwa Gertrud Bäumer (1873-1954). Die britischen 'Suffragetten' hatten dagegen den Müttern empfohlen, 'ihre Söhne nicht auf die Schlachtbank zu schicken'. Clara fand auch absurd, daß Tamaru, weil er Japaner war, plötzlich für ihren Mann zum 'Feind' wurde.

Das Institut forschte für den Krieg. 150 der geschätzten 1000 Akademiker, die in Deutschland, in den Streitkräften, in der chemischen Industrie und in diversen Instituten mit Kampfgasproblemen beschäftigt waren, forschten und entwickelten in Habers Institut. Es gab drei Abteilungen für Gasschutz und sechs für den Gasangriff[7]. Clara Haber wurde gerufen, als sich eine Explosion ereignet hatte und stand dem sterbenden Otto Sakur[8] bei, während ihr Mann die Nerven verloren hatte. Einiges deutet darauf hin, daß sie sich seinem `Patriotismus' widersetzte und nach Kräften versuchte, Fritz von der Kampfgasentwicklung abzubringen[9]. Doch der gab nicht nach, und der Gasangriff am 22.4.1915 bei Ypern wurde sein `Erfolg'. Die Militärs beförderten ihn vom Vizefeldwebel zum Hauptmann der Reserve[10]. Im Hause Haber wurde gefeiert. Als die Abendgesellschaft sich verabschiedet hatte, und Fritz mit Schlafmittel zu Bett gegangen war, schoß sich Clara Haber im Garten mit der Pistole des neuen Hauptmanns in die Brust. Der Knabe Hermann weckte den Vater, zwei Stunden später starb die Mutter. Noch am gleichen Tag fuhr Fritz nach Galizien zur Vorbereitung weiterer Gaseinsätze. In der Zeitung erschien eine kurze Notiz über den Suizid: "die Gründe sind unbekannt". Haber am 12.6. aus der Generalkommandantur des 17ten Armeecorps an den Kollegen Engler in Karlsruhe: "Sie hat das Leben nicht mehr ertragen und ist an dem Tag, an dem ich erneut nach Galizien ins Feld rücken mußte, morgens früh aus dem Leben gegangen".

Clara Immerwahrs Tod schien kaum der Rede wert. Richard Willstätter schrieb 1928:

"Es war die Zeit, da ein Menschenleben wenig bedeutete. Auf den flandrischen Schlachtfeldern wurde die Berliner akademische Jugend hingemäht. An den sich weiter dehnenden Fronten türmte sich die Zahl der Gefallenen und Verwundeten zu Hunderttausenden und höher..."

Vermutlich irrte Willstätter. Es war kein Tod unter vielen. Das Leben, das sich diese Frau genommen hatte, konnte die Hunderttausende von Toten in Frage stellen. Wurde ihr Tod deshalb nicht weiter zur Kenntnis genommen? Clara Habers Leben konnte im Gegenteil sehr viel bedeuten, etwa ein selten entschiedenes Nein zur Leichtfertigkeit anderer, Männer wie Frauen. Ein `Nein' im KWI, das nie aufgehoben, aber auch nicht ganz verdrängt, sondern fortan aufgeschoben wurde. Bis Fritz Haber 1933, im Unterschied zu anderen, die Lage sofort richtig einschätzte, diesmal ohne Wahn (s.u.). So wie seine Frau 1914.

Haber `stand seinen Mann' im kaiserlichen Deutschland neben Chefs der Rüstungsindustrie wie Carl Duisberg, Carl Bosch, konzipierte und konferierte 'für das Vaterland' mit Staatsmännern und Militärs über sehr viel mehr als den Gaseinsatz. Mit einigem Recht nannte Fritz Stern den KWI-Chef und den Chef der AEG in einem Atemzug:
"Wie Haber hatte auch Rathenau sofort seine Dienste angeboten; auch er glaubte, daß Deutschland einem langen Krieg entgegenging, und daß die Militärs kein Gespür für die wirtschaftlichen Voraussetzungen des Überlebens hätten".[11]
Als wäre das `Überleben' nicht vor allem eine Metapher gewesen für hegemoniale Ziele und `Ancien Regime' der Gruppen, mit denen sich Haber ebensowenig wie Walther Rathenau, identifizieren ließ. Der Abschied vom Kaiserreich fiel dann auch nicht allzu schwer und dank der Wirtschaftsinteressen, die ihn und sein Institut auch nach der Revolution trugen, konnte der 'rasende Barbar' die neue Lage als Herausforderung betrachten und auch in der Republik, wie kaum ein anderer, seine Person und seine Vorstellungen in der Wissenschaftsförderung und weit darüber hinaus einsetzen. Davon war weiter oben schon die Rede.
"Haber war ein Teil des Glanzes der Weimarer Republik, ein Teil dessen, was Berlin - in Chargaffs Worten - "zum Himmel der Wissenschaft" machte. In jenem Himmel war Einstein der einsame Meister, das Genie der theoretischen Schöpfung, während Haber der Impressario der gemeinsamen Größe war, das Genie der praktischen Leistungen."[12]
Das schwärmerische Moment, das hier zum Ausdruck kommt, ging zwar auch Fritz Haber selbst nicht ganz ab, kann aber nicht über die Komplexität hinwegtäuschen, die sich apologetischen Formeln für ihn wie für Albert Einstein entgegenstellt. Am Himmel standen auch andere Leuchtkörper. Fritz Stern fand einen Brief von Herbert Freundlich 1940 an seinen Vater, der 1921 bis 1923 in Freundlichs Abteilung im Haber-Institut gearbeitet hatte: Freundlich mochte, im Gegensatz zu James Franck und anderen, Morris Goran zu einem Buch, das sich nicht nur, wie die Haber-Memorial-Lecture von John Coates 1939[13], auf wissenschaftliche Aspekte beschränkte, durchaus ermutigen und machte, ohne es zu wollen, doch auch deutlich, was dagegen sprach:
"Die Zahl der Leute, die diese Dinge bewußt miterlebt haben, ist nicht groß. Von ihnen wird wohl keiner ein solches Buch schreiben; alles ist ihnen zu nah und zu schwierig."[14]
Auch wenn die Nähe nicht mehr da ist, die Schwierigkeiten bleiben. Morris Gorans Buch erschien 1967[15]. Neuerdings hat Dietrich Stolzenberg wieder ein 'Fritz-Haber'-Buch vorgelegt. Die Schwierigkeiten liegen in der Darstellung und Einschätzung der wechselnden Verhältnisse, denen Haber und Zeitgenossen sich aussetzten[16]. Mörderische Verhältnisse, bei denen 'Wissenschaft' nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß sehr viel Geld im Spiel war, das nicht zuletzt am Krieg 'verdient' wurde oder mit Kriegsvorbereitung, daß Wirtschaftsstrukturen und Akteure der Wirtschaft sich Staatsfunktionen zu Dienst machten und so weiter. Der neueste, umfassende Versuch zu Haber ist der Historikerin[17] Margit Szöllösi-Janze zu verdanken. Die zeitliche Nähe schwindet immer mehr, aber diejenige Distanz, die Erzählung und Urteil fordern, ist so leicht nicht zu gewinnen. Professionelle Instrumente der Geschichtsforschung erweisen sich um so mehr als unverzichtbar.

* * *

Bei der Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wurde ein Theologe ihr Präsident. Das war keine Überraschung, denn Adolf Harnack (1851-1930) stand seit 1900 in Gunst beim Kaiser, hatte im Ministerium eng mit Friedrich Althoff zusammengearbeitet, hatte die Geschichte der Preußischen Akademie geschrieben, deren Präsident er wurde, und war seit 1906 Direktor der königlichen Bibliothek. Als Präsident und Redner der Evangelisch-Sozialen Kongresse war er der Öffentlichkeit seit 1903 als entschiedener Gegner der Sozialdemokratie bekannt, schrieb aber auch im Vorwort seines `Bestsellers', `Das Wesen des Christentums', zum 56.-60. Tausend 1908, die neue spanische Ausgabe freue in ganz besonders, weil das Buch dort in einer soziologischen Reihe erschienen sei, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kautskys `Der Kampf der Arbeiter für den Achtstundentag'. Als er in die Akademie aufgenommen wurde, hatte der Historiker Wilhelm Mommsen ihn mit den Worten begrüßt:

"Auch die Wissenschaft hat ihr soziales Problem; wie der Großstaat und die Großindustrie, so ist die Großwissenschaft, die nicht von Einem geleistet, aber von Einem geleitet wird, ein notwendiges Element unserer Kulturentwicklung, und deren rechte Träger sind die Akademien oder sollten es sein. Als einzelner Mann haben Sie in dieser Richtung getan, was wenige Ihnen nachtun werden (6 Bände Kirchenväter KS). Jetzt sind Sie berufen, dies in größeren Verhältnissen weiter zu führen."[18]
Das war 1890 gewesen. Der Präsident der `Großwissenschafts-Anstalt' von 1911 war eine vermittelnde Figur, ein Theologe, aber das Gegenteil eines `orthodoxen' Konfessionalisten, ein `Bürgerlicher', aber, wie viele preußische Theologen, dem Adel verbunden, ja verwandt - er war ein `halber Balte'. Ein Gegner der Sozialdemokratie, aber ein Befürworter sozialer Reformen. Ein Gegner der autoritären Methoden Althoffs, aber sein zuverlässiger Mitarbeiter in der Wissenschaftsverwaltung. Ein Gelehrter, aber auch ein `Staatsmann'. Er stand für Reform und zugleich für Mäßigung. 1910 hatte er sich seinem Schüler und Freund Martin Rade gegenüber selbstkritisch geäußert:
"Soweit auch ich aber Pflicht und Neigung verspüre, mich hin und her, wenn der Geist mich treibt, an allgemeinen praktischen Fragen zu beteiligen, entsteht wieder ein Konflikt; denn, selbst mit einer starken Phantasie begabt, habe ich nicht den mindesten Respekt vor allen Träumen und Zielen, die irgend einmal in der Zukunft verwirklicht werden können, sondern mein Interesse gilt lediglich dem nächsten Schritt. Eben deshalb habe ich kein Urteil und keine Neigung in Fragen wie die : 'Trennung von Kirche und Staat', 'Neuordnung des sexuellen Lebens', 'Umwälzung der sozialen Gliederung', 'Neubau des Theologischen Studiums', usw. In den Politicis geht es mir nicht anders. Ich glaube zu wissen, was in Bezug auf den zahllosen Gebieten unserer preußischen Rückständigkeit zunächst, d.h. heute zu geschehen hat, und wie diese Schritte zweckmäßig getan werden können, aber ob das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Preußen ein Vorteil ist, weiß ich nicht; ich weiß auch nicht, ob wir unsre Rüstungen reduzieren bzw. kontingentieren sollen; ob eine freisinnige Majorität uns wirklich besser regieren wird; ob es nützlich ist, lebhaft für die Friedensliga zu agitieren, usw.. Aus dieser Sachlage, wie sie für mich besteht - ruhige, gelehrte Weiterarbeit (als hinge nichts Praktisches an ihr) und Unvermögen, mit Zuversicht über den nächsten Schritt hinaus eine Parole ausgeben zu können - entspringt meine Unfähigkeit, einer Partei das zu sein, was sie von mir wünscht."[19]
Diese Unfähigkeit mag auch der Anlage und dem Verlangen entsprungen sein, es mit niemandem verderben zu wollen (und zu können) und seine machtbewußten Umgebungen befähigten ihn so für ein ebenso repräsentatives wie richtungweisendes Amt in Preußen und im Reich und nach der Revolution an der Spitze eines 'Staates im Staat', einer Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in der Republik. In politicis, wie er es nannte und sorgfältig eingrenzte, war Adolf Harnack ungewöhnlich fähig, eher zu klug und zu vorsichtig. Am 18. 1. 1919 hat er notiert:
"In meiner Familie sind alle politischen Standpunkte oder doch die Hälfte vertreten (Zentrum und Nationalliberale fehlen). Ich selbst habe mich keiner Partei angeschlossen, da ich mich vor der Wahl nicht auf den Boden der Republik zu stellen vermag und andererseits mit Alldeutschen, Antisemiten, alten preußischen Konservativen, die sich jetzt alle 'Deutschnational' nennen, nicht gehen kann"
Dann gab sich die Republik eine Verfassung und Harnack hielt sich an Wilhelm Humboldt: "Wenn man in hohen Stellen einer Regierung dient, die man mißbilligt, ist es nie verzeihlich." Fand aber zugleich "es gab hier manches verzeihliche"[20]. 1925 - er hatte eindeutig für Ebert Partei ergriffen und stimmte dann nicht für Hindenburg, sondern für Marx - konnte er seine Parteilosigkeit zugleich begründen und bedauern:
"Meine Stellung als Präsident der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft und im Dienste der Not der deutschen Wissenschaft machen mir Zurückhaltung in politicis zur obersten Pflicht; denn der Senat ist aus Mitgliedern aller Parteien (von den Deutschnationalen bis Hilferding) zusammengesetzt, und ich bin im Reichstag und Landtag fort und fort auf das Vertrauen und das Wohlwollen aller Parteien in Bezug auf die finanziellen Bedürfnisse der Gesellschaft angewiesen. Ich habe es bisher bei ihnen und ebenso bei den wechselnden Reichs- und Staatsministern, namentlich bei den Finanzministern, in reichem Maße gefunden; aber zugleich auch die Erfahrung gemacht, daß ich mir - so drückend mir das oft ist - jede direkte politische Beteiligung versagen muß".[21]
Die `unpolitische' Haltung zugunsten der KWG (und der eigenen Position) hatte es in sich. Ein Opportunimus dort, wo politische Stellungnahme mit entsprechenden Konsequenzen vielleicht höchst notwendig gewesen wäre? Harnack sah das anders. Er verteidigte ein `geistiges Reich', aus dem die theologische, aber auch andere Wissenschaften ihre Legitimation bezogen. Ein `Reich der Freiheit und der Individualität', ein `politikfreier' Raum schwebte ihm vor. Dieser Vorstellung entsprach Max Webers `Berufs-'Auffassung und Harnacks Äußerung mag als Ausdruck einer `Verantwortungsethik' `in politicis' für das Reich der Freiheit gelten. Er fühlte sich verantwortlich für eine `Gemeinschaft' des Glaubens, der `societas fidei' und der `Gesinnungsethik'. In den Vorlesungen über das Wesen des Christentums hatte Harnack 1900 ausgeführt:
"Wir wollen ein geistiges Reich sein und haben kein Verlangen, zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurückzukehren; wohl wissen wir, daß um der Ordnung und der Erziehung willen äußere Gemeinschaften entstehen müssen; wir wollen sie gerne pflegen, soweit sie ihre Zwecke erfüllen und der Pflege wert sind; aber unser Herz hängen wir nicht an sie; denn sie bestehen heute noch, können aber morgen unter anderen politischen oder sozialen Bedingungen neuen Gebilden Platz machen..."[22]
Harnacks Reich hatte aus seiner Sicht drei `Feinde': Erstens die `Indifferenz der Massen', die die verbindende Innerlichkeit nicht wahrnimmt und nur auf Äußerlichkeiten achtet, die sie gegeneinander ausspielen kann (`unreligiöse' Menschen). Zweitens die `natürliche Religion' von Menschen, die vor Angst und Schrecken nicht ein und aus wissen, Autorität suchen und Rückversicherung, weil sie Individualität und Verantwortung nicht tragen wollen oder können. Drittens der Staat[23], der die `Nebenwirkungen' von Religion und Kirchen schätzt, die sie in Hinsicht auf Pietät, Gehorsam und Ordnung leisten'.
"Man kann das entschuldigen - der Staat mag versuchen, Machtmittel zu nehmen, wo er sie findet; aber die Kirche darf sich nicht zu einem gefügigen Werkzeug hergeben; denn neben allen den verwüstenden Folgen, die das für ihren Beruf und ihr Ansehen hat, wird sie auch auf diesem Wege zu einer äußeren Anstalt, in der Ordnung wichtiger ist als der Geist, die Form wichtiger als die Sache, der Gehorsam wertvoller als die Wahrheit."[24]

Harnack argumentierte für die Wissenschaften ähnlich, wie er sich für eine idealtypische `emanzipatorische' Kirche einsetzte, und beide sollten gegen Äußerlichkeit und Macht eine verbindliche geistige Sphäre der Wahrheit bilden. Universelle Verbindlichkeit `in Freiheit' erschien ihm als Zugehörigkeit zu einer anderen, als der tatsächlichen Gesellschaft. Für dergestalt zwiespältiges Denken gab es eine ausgeprägte Tradition. Vielleicht versteht man an dieser Stelle besser, was die `Empiristen' und `wissenschaftlichen Philosophen', als Vertreter einer anderen, in Deutschland weniger ausgeprägten, historischen Tendenz bewegte. Nicht Glauben an eine `geistige' Gesellschaft, parallel zur tatsächlichen, übrigens auch nicht an eine monistische `Vernunftreligion' mit einem `Evangelium' theistischer oder atheistischer Schriften, sondern der Versuch, der tatsächlichen Gesellschaft mit kritischer Wahrnehmung und Analyse anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnis auf die Sprünge zu helfen. Mit diesem Programm wurden Priorität und Verbindlichkeit, die Harnack der idealen Konstruktion gesellschaftlicher Einheit gab, abgelehnt. Auf der anderen Seite war Harnack alles andere als ein Gegner der Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden, der `Kulturprotestantismus' war `bildungsfreudig' auf allen Gebieten. Aber sein unpolitisches Denken war politisch so wenig neutral wie das der `Positivisten' und begegnete vielleicht weniger einer Gefahr die Ernst Troeltsch (1865-1923) beschrieben hat:

"die antiliberalen Träger der Umwälzung des wissenschaftlichen Denkens und des Bildungsideals ... sind sich des stark aristokratischen, im Grunde von Nietzsche angeregten Charakters der Bildungsrevolution ganz bewußt und sehen ihre sozialen Ideale ganz wo anders als in der modernen Massendemokratie. Sie suchen sie in Platons Politeia oder im sogenannten Mittelalter"[25].
In den Vorlesungen über das Wesen des Christentums hatte Harnack die protestantische Reformation eine Revolution genannt. Vom damaligen `Kirchenwesen' sagte er, "Es war eine so gut gültige Rechtsordnung im Abendland wie die Gesetze des Staats". Also eine Revolution, aber: "nicht in dem schlimmen Sinn, in welchem es sich um die Auflehnung gegen eine Rechtsordnung handelt, die zugleich sittliche Ordnung ist, wohl aber im Sinne eines gewaltsamen Bruchs mit einem gegebenen Rechtszustande". Harnack nahm quasi Webers Unterscheidung vorweg: `verantwortungsethisch' mag eine Revolution des gegenwärtigen Zustandes geboten sein, `gesinnungsethisch' ist eine Revolution der Grundordnung eine Katastrophe. Harnack hielt 1919 an der Notwendigkeit einer Theologie fest, die er in 'Fünzehn Fragen an die Verächter der wissenschaftlichen Theologie unter den Theologen' gegen Konzepte einer laizistisch-fundamentalistischen Offenbarungsreligiosität (Karl Barth) verteidigte. Während der Revolution hatte er für sich selbst ein credo in Begriffspaaren verfaßt: Nationalbewußtsein-Volk, Humanität-wahre Größe, Autorität-Organisation, Persönlichkeit-lebenstüchtiges und lebenswertes Leben, Bekämpfung der Klassengegensätze-innerer Friede, Kapital-Kultur, Macht-Staat. Es gipfelte in der Maxime: "Ohne Selbstlosigkeit und Gottesfurcht keine Zukunft"[26]. Art.49, Abs.3 der Weimarer Verfassung, "Die theologischen Fakultäten an den Hochschulen bleiben erhalten", kam mit seinem Dazutun zustand.

* * *

Die KWG expandierte beträchtlich: 1920 ein Institut für Faserstoffchemie in Dahlem, 1921 Metallforschung in Neubabelsberg, 1922 Lederforschung in Dresden und Silikatforschung in Dahlem usw. 1927 die spätere Dahlemer 'Eugenik': das KWI für Anthropologie, 1930 die Medizin in Heidelberg. Symptomatisch auch die Gründung 1927 des großen KWI für Hirnforschung unter der Leitung von Oskar Vogt[27]. Ab 1929 geriet die Gesellschaft unter Beschuß. Carl Heinrich Becker und der Ministerialdirektor Werner Richter verlangten eine Statutenänderung, mehr Staatseinfluß in Personalfragen und Geschäftsführung. Die KWG sei eine 'Anomalie', es gäbe dort eine 'Bürokratie der Interessenten' und im Vergleich zu den Hochschulen zuviel Eigenmächtigkeit. Harnack wies die Vorwürfe zurück, und verteidigte erfolgreich das Statut. Aber vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage und des Wirtschaftstiefs geriet die KWG in eine mehr oder weniger hausgemachte Krise[28].

Im Juni 1930 starb der erste Präsident. Im gerade noch zu Lebzeiten eingeweihten 'Harnack-Haus' der KWG sprachen: Friedrich Schmidt-Ott für die Gesellschaft, Hans Lietzmann, seit 1923 der Nachfolger auf dem Lehrstuhl, für die Universität, Hugo Krüß für die Staatsbibliothek, Karl Wirth und Adolf Grimme für Reichs- und preussische Regierungen und Dietrich Bonhoeffer für den Schülerkreis. Die Wahl von Max Planck zum neuen Präsidenten bedeutete politisch in der ohnehin rechtslastigen Gesellschaft einen weiteren Ruck nach rechts und in der wirtschaftlichen Kalamität erwies sich 1933, wie Bernhard vom Brocke meint, die Hoffnung auf den neuen, starken Staat als allzu verführerisch. Auf der Hauptversammlung im Mai setzte Max Planck Zeichen mit einem Treueappell als Gegenleistung für die Garantie freier Entfaltung der Wissenschaft und Schutz vor dem Zugriff der Tagespolitik. Hätte Harnack auch da noch sein Reich verteidigt? Vielleicht, ja vermutlich, hätte die neue Regierung den `Erzliberalen' nicht mehr amtieren lassen, wie sie auch Friedrich Paschen, den `politisch' weit weniger exponierten Präsidenten der PTR, in den Ruhestand schickte.

Friedrich Epstein und Herbert Freundlich haben das Kaiser Wilhelm Institut für physikalische Chemie noch in seinen besten Zeiten beschrieben: Ende 1929 gliederte es sich in vier selbständige Abteilungen: zwei für physikalische Chemie, eine für Kolloidchemie, eine für Physik. Die Leitung hatten 'die Herren Geheimrat Haber, Professor Freundlich, Professor Ladenburg und Professor Polanyi'. In allen Abteilungen zusammen arbeiteten wissenschaftlich 60 Personen, davon 26 Ausländer: 7 Ungarn, 4 Deutsch-Oesterreicher, 3 Russen, zwei Tschechoslowaken, zwei Kanadier und je ein Nordamerikaner, Engländer, Franzose, Pole, Ire, Litauer, Mexikaner und Japaner. Neben den Professoren zwei Gäste, acht planmäßige Assistenten, 31 Stipendiaten und Volontäre mit abgeschlossener Hochschulbildung und 15 Doktoranden. Unter den Assistenten Hans Kopfermann[29].

In der `großwissenschaftlichen' Atmosphäre, deren Garanten Fritz Haber und Adolf Harnack waren, ließ sich ungehindert und erfolgreich experimentieren und die `Fachwelt' konnte in Vorträgen und Publikationen neben dem gewohnten Namen Rudolf Ladenburgs den neuen Namen seines Assistenten zur Kenntnis nehmen. Das Forschungsthema war die Analyse der Lichtphänomene, Absorption, Reflexion, Brechung, Beugung, Streuung und `Dispersion'.

Die Untersuchung der Strahlungsphänomene war auch das Spezialgebiet des Breslauer Instituts, was u.a. darin zum Ausdruck kam, daß Otto Lummer, der Institutsleiter, mit dem Band `Lehre von der strahlenden Energie' des `Müller-Pouillet' für ein maßgebliches Lehrbuch aus dem Verlag Vieweg (11. Auflage posthum 1926), verantwortlich zeichnete. Absorption, Reflexion, Brechung und Beugung waren in vielfacher technischer Anwendung seit Jahrhunderten bekannt, in `geometrischer Optik' und seit den 60er Jahren des 19ten Jahrhunderts als `elektromagnetische Wellenphänomene' mit den `Maxwellgleichungen' gut beschrieben. Allerdings hatte Michelsons Experiment von 1880 gezeigt, daß die Vorstellungen von einem Trägermedium, dem `Äther', falsch waren und seit Arthur Schusters Experimenten von 1884 gab es begründete Vermutungen zur `Existenz' von `Elektronen', die Joseph J. Thomson 1897 belegen konnte und die einer bloßen Wellenvorstellung von Licht und Wärmephänomenen Schwierigkeiten bereiteten. Aber vor allem hatte die für Chemie und Astronomie so fruchtbare Spektralanalyse in der Physik den `Empiriedruck' einer großen Menge genauer Daten erzeugt, für die es keine den physikalischen Ansprüchen genügende `Erklärung' gab. Schlag auf Schlag mit der Theorie von den Strahlungsquanten, mit der Relativitätstheorie und mit einem ersten `Atommodell' verringerten sich die Erklärungsnöte. Die präzise Beobachtung der Emission und Absorption von Licht erschien als ein Schlüssel zum besseren Verständnis des `Atombaus' - ein anderer waren Streuexperimente wie der `Franck-Hertz-Versuch oder Comptons Streuversuch mit Röntgenstrahlen. Es war lange bekannt, daß `Brechkraft', `Brechungsindex' und Absorption in vielen durchsichtigen Medien mit der Lichtfrequenz ansteigen: Glasprismen `zerlegten' weißes Licht in diesem Sinn mehr oder weniger stark, je nach `Dispersionskoeffizient' des Mediums. Auch der umgekehrte Verlauf, ein Anstieg bei fallender Frequenz, war als `anomale Dispersion' bekannt: alkoholische Fuchsinlösungen wiesen ein Absorptionsmaximum mitten im sichtbaren Bereich des Spektrums auf und dienten seit 1870 zur Demonstration beider Dispersionsformen. Der helle Himmel ebenso wie das Himmelblau sind bekanntlich auf die Streuung und Dispersion des Licht in der Atmosphäre zurückzuführen. Den Dispersionsformeln der Physiker lagen Modelle zugrunde, in denen das streuende und absorbierende Medium als System von Kugeln, dann von gedämpften Oszillatoren, angesehen wurde; Dichte und Größe der Kugeln, Eigenfrequenzen und Dämpfung bestimmten die `kohärenten' Kugelwellen, die in ihrer Gesamtheit das Streu- und Dispersionsphänomen beschrieben. Die `quantenoptische' Vorstellung und Bohr's Atommodell mußten zu anderen Formeln führen, weil einfallende Lichtquanten mit einer bestimmten `Absorptionswahrscheinlichkeit' verschwinden, indem sie das Atom zu diskreten Energiezuständen anregen, und die angeregten Atome entweder `spontan' mit einer bestimmten `Emissionswahrscheinlichkeit' (Zerfallskonstante, zeitliche Verzögerung) unter Aussendung von Lichtquanten zerfallen, oder ihr Zerfall vom Feld der Lichtquanten `induziert' wird. Nur wenn die Emissionswahrscheinlichkeit genügend groß ist und der Zerfall `einfach', das heißt die ganze Anregung in einem Lichtquant wieder abgegeben wird, kann man erwarten, daß praktisch der `klassische' Fall vorliegt und die beiden Vorstellungen, die klassisch-feldtheoretische und die `quantenoptische', zu gleichen rechnerischen Ergebnissen führen. Albert Einstein hatte 1917 in diesem Sinn die Planck'sche Strahlungsformel für Bohr'sche Atome hergeleitet. Im Allgemeinen spielen bei Anregung und Zerfall mehrere Zustände des Atoms eine Rolle. Rudolf Ladenburg schlug 1921 in der Zeitschrift für Physik ("Die quantentheoretische Zahl der Dispersionselektronen") vor, das Bohr'sche Atom als eine Summe von Oszillatoren mit unterschiedlicher `Oszillatorenstärke' (f-Wert) aufzufassen. Der f-Wert sollte den spezifischen Anteil einer Spektrallinie als Bruchteil aller für die Absorption des einfallenden Lichts in Frage kommender Oszillatoren angeben, sodaß sich eine `Summenregel' vermuten ließ, nach der die Summe der f-Werte aller an der Absorption beteiligter Linien 1 (bzw. die Zahl der beteiligten Elektronen pro Atom) ergeben würde. Wilhelm Kuhn in der Zeitschrift für Physik und W. Thomas in den Naturwissenschaften publizierten 1925 unabhängig voneinander Überlegungen zu dieser Summenregel und eine weitere Arbeit in der Zeitschrift für Physik von Thomas zusammen mit Fritz Reiche, beide Breslau, schloß sich unmittelbar an. Ladenburg schrieb in seiner Publikation 1921 (in der er auf Einsteins Überlegungen Bezug nahm und sich `für viele nützliche Ratschläge' bei Hedwig Kohn und bei Fritz Reiche bedankte):
"Die Absorption besteht ... zunächst jedenfalls in einer Umwandlung der auffallenden Strahlung in diffuse Strahlung, die von den Molekülen nach allen Richtungen zerstreut wird. Die Rolle der Strahlungsdämpfung 1/Tau wird hierbei bereits von der Zerfallskonstante A(k) übernommen, deren Größe also beim Fehlen anderer `Dämpfungsursachen' für die Breite der absorbierten und ausgesandten Spektrallinie maßgebend ist. Denn es läßt sich aufgrund des Korrespondenzprinzips leicht zeigen, oder z.B. für einen Resonator, der nur ein Quant hv besitzt, daß die Zerfallskonstante gleich der klassischen Strahlungsdämpfung ist."[30]
Max Born beschrieb viele Jahre später die Situation von 1924:
"Die logische Schwierigkeit spitzte sich immer mehr zu. Untersuchungen über die Streuung und Dispersion des Lichts zeigten, daß man mit Einsteins Begriff der Übergangswahrscheinlichkeit als Maß der Stärke einer Schwingung nicht auskam, sondern die Vorstellung einer mit jedem Übergang verbundenen Amplitude der Schwingung nicht entbehren konnte. Arbeiten von Ladenburg, Kramers, Heisenberg, Jordan und mir selbst sind hier zu erwähnen. Die Kunst des Erratens richtiger Formeln, die von den klassischen abweichen, aber korrespondenzmäßig in sie übergehen, wurde zu beträchtlicher Vollkommenheit gebracht."[31]
Das Erraten war eine Sache, genauere Messungen zur Streuung von Licht eine andere. Ladenburg, und mit ihm Kopfermann, widmeten sich in dieser Zeit ganz den Experimenten. Die Fragestellung wurde umso interessanter, als Bohr, Kramers und Slater (BKS) einen 'revolutionären' Ansatz zur Erklärung der Streuphänomene auf der Grundlage des `Oszillatorenmodells' vorschlugen, der die `Energieerhaltung' und damit, wie es allgemein hieß, das 'Kausalitätsprinzip' nicht respektierte. Kurz nach BKS stellte Kramers eine neue `Dipersionsformel' auf. Die Experimentatoren waren noch nicht in der Lage, sie zu prüfen. Als sie drei Jahre später soweit waren, und Kramers Formel sich als richtig erwies, war das Interesse schon wesentlich geringer, weil die Formel inzwischen aus wesentlich besser abgesicherten Prinzipien neu herzuleiten war. Das Spezifikum der quantenoptischen Überlegung war die dreistufige Diskontinuität des Streuvorgangs: Absorption, endliche `Lebensdauer' der angeregten Zustände, Emission(en). Da, in diesem `Bild', bei höherer Lebensdauer ein größerer Bruchteil der Atome vorübergehend im angeregten Zustand verweilt und dadurch für die Absorptionsvorgänge ausfällt, mußte ein negativer Term in den Absorptions- und Dispersionsformeln auftreten und war in Kramers' Formel auch vorhanden. Die Bedeutung der ersten Arbeit Ladenburgs und einer folgenden, die Ladenburg und Fritz Reiche zusammen 1923 in der Zeitschrift für Physik publizierten, ist umstritten. Richard Becker (s.u.) wies schon damals darauf hin, daß Kramers' `virtuelle Oszillatoren' nichts anderes waren als Ladenburg und Reiches `Ersatzoszillatoren'[32]. Heute heißt es in einer `neutralen' Formulierung:
"Die Übersetzung der klassischen Dispersionstheorie in die Quantentheorie war schon 1921 Rudolf Ladenburg teilweise gelungen.(Die quantentheoretische Deutung der Zahl der Dispersionselektronen Z.Phys.4, 451-468, 1921). Er konnte zeigen, daß die in die klassische Theorie eingehende Zahl der Dispersonselektronen in der Quantentheorie durch die Einsteinschen Wahrscheinlichkeiten der Übergänge zwischen den stationären Zuständen ausgedrückt wird und anstelle der mechanischen Schwingungsfrequenzen die durch die Bohrsche Frequenzbedingung festgelegten Absorptionsfrequenzen gesetzt werden"[33].
Eine wesentlich weitergehende Bedeutung hat Hiroyuki Konno insbesondere der Arbeit von Ladenburg und Reiche zugewiesen:
"In the present study it is argued, that although the dispersion formula in the multiperiodic system is derived without the help of the virtual oscillator-field picture, in the final stage of obtaining the quantum theory formula, this physical image supplied one of the crucial ingredients for the formulation. I believe, that the contribution of the BKS theory to the creation of Kramers' formula is more direct and that the BKS ideas were not used for the posterior justificaton of his derivation. The correspondence principle alone was not sufficient to obtain the final form of the quantum formula, and the conception of the virtual oscillator-field model was indispensable as the physical reality behind the methodological limitation involved in this guiding principle. Thus by exploiting published and unpublished sources - some of them have never been incorporated in previous studies on the subjet, as far as i know - the role of virtual oscillators will be analyzed from three aspects: determination of the quantum theory form of the amplitudes, the physical interpretation of the two terms in the disperion formula linked to the notion of the "difference" absorption energy, and dispersion mechanism in terms of the absorption-emission process. Furthermore, when the relation of Kramers theory to Ladenburgs oscillator model is discussed, hitherto historical investigations have considered Kramers' dispersion theory to be intimately tied to Ladenburg's 1921 work and treated Ladenburg and F. Reiche's 1923 paper as a mere passing reference. In this paper it is stressed, that Ladenburg-Reiche's work is substantially more important than Ladenburg's with respect to Kramers ideas of the "oscillator strength" and the difference absorption energy".[34]
Den BKS-Ansatz brachten Bothe und Geiger, Compton und Simon mit Messungen zur Streuung von Elektronen schon bald zu Fall[35]. Zur Genugtuung der 'Gegner' Einstein, Pauli, Sommerfeld[36], die ihn von vornherein für falsch hielten. Aber nachträglich stellte sich heraus, daß er so falsch nicht war und als Auftakt zur Quantenmechanik gelten kann. Das galt besonders für Kramers Dispersionsformel, die sich auch quantenmechanisch nicht änderte. Im Sommer 1925 schickte Max Born eine Arbeit seines Assistenten Werner Heisenberg an die Zeitschrift für Physik, in der vorgeschlagen wurde, atomare Systeme durch `Übergangsamplituden' zu beschreiben, deren `nichtkommutative' Produkte Energiewerte und Übergangswahrscheinlichkeiten liefern. Statt die Lösung im gewohnten `Ortsraum' zu suchen, sollten `Quantenmechaniker' sie im `Zustandsraum' finden. P.A.M. Dirac in Cambridge hatte unabhängig von den Göttingern die gleiche Idee. Heisenberg hatte im Frühjahr in Kopenhagen Gelegenheit gehabt, von Diskussionen um eine Revision des gescheiterten BKS-Ansatzes zu profitieren[37]. Born, Pacual Jordan und Heisenberg entwickelten noch im Herbst 1925 die mathematischen Regeln für den Umgang mit den Übergangsamplituden, die zweckmäßig in Form von Matrizen anzugeben waren. Wolfgang Pauli konnte zeigen, daß die `Matrizenmechanik' die gleichen Formeln für die Zustandsenergien des Wasserstoffatoms lieferte wie Bohrs Modell. Waren der BKS-Ansatz und Kramers' Formel wahrscheinlich die Ouvertüre zur Quantenmechanik, dann hatte Ladenburg und Reiches `Oszillatorenmodell' den Auftakt zur Ouvertüre gegeben[38]
"Was aber dieser Formalismus eigentlich bedeutete, war keineswegs klar. Die Mathematik war, wie es öfters vorkommt, klüger als das sinngebende Denken"[39]

* * *

Den Berliner Experimentalphysikern entging die Göttinger Entdeckung natürlich nicht, aber sie konkurrierte mit einer anderen, ihnen näheren. Zu Ladenburgs Freunden zählte aus Breslau Erwin Schrödinger, der 1926 - nachdem Arnold Sommerfeld abgesagt hatte - zum Nachfolger Plancks nach Berlin berufen wurde und gerade in den Annalen fünf Aufsätze erscheinen ließ, die er im Frühjahr desselben Jahres in Zürich niedergeschrieben hatte. Er entwickelte, ausgehend von vielbeachteten Überlegungen von Louis de Broglie zur `Wellennatur' von Elektronen, von `Elektronenwellen', eine `Wellenmechanik', mit der sich Atombau, und Wechselwirkung mit Licht (einschließlich der Kramers'schen Dispersionsformel) genau so gut erklären ließen, wie mit der Göttinger Matrizenmechanik. Niels Blaedel hat beschrieben, wie Bohr Schrödinger 1927 nach Kopenhagen eingeladen hatte, um die Deutungsmöglichkeiten der Quantenmechanik zu diskutieren, wie Schrödinger im Hause Bohr krank zu Bett lag, Bohr ihn mit den `indeterministischen' Vorstellungen nicht in Ruhe ließ bis Schrödinger meinte, er würde bedauern, sich je mit Atomphysik beschäftigt zu haben. Worauf Bohr sinngemäß `tröstete': "Oh nein, Sie haben unser Verständnis sehr gefördert"[40]. Die `Göttinger' und die Dirac'sche Quantenmechanik galt als Ausdruck der schon im BKS-Ansatz angelegten `Kopenhagener' Deutung und wurde auch als `positivistisch' bezeichnet.

"Die Wellenmechanik hat sich einer weit größeren Beliebtheit erfreut, als die Göttinger und die Cambridger Form der Quantenmechanik. Sie operiert mit einer Wellenfunktion psi, die wenigstens im Falle eines Teilchens im Raume anschaulich vorgestellt werden kann, und sie verwendet die mathematischen Methoden der partiellen Differentialgleichungen, die jedem Physiker geläufig sind. Auch glaubte Schrödinger, daß seine Wellentheorie eine Rückkehr zur deterministischen[41] klassischen Physik ermöglichte; er schlug vor..., die Partikel-Vorstellung ganz aufzugeben und an Stelle von Elektronen als Teilchen von einer kontinuierlichen Dichteverteilung (das Betragsquadrat von psi) ... zu sprechen. / Uns Göttingern schien diese Deutung angesichts der experimentellen Tatsachen unannehmbar. Zu der Zeit war es schon möglich, Teilchen zu zählen durch Szintillationen oder mit dem Geiger-Zählrohr und ihre Spuren zu photographieren mit Hilfe der Wilsonschen Nebelkammer"[42]
Erwin Schrödinger (1887-1961) kam aus sehr begüterten Verhältnissen; seine Mutter war Engländerin, und er sprach und schrieb fließend Englisch. Ein Gentleman aus 'Kakanien'. Man hat ihm nachgesagt, seine Gedichte seien von "Georgescher Vollendung"[43] und er selbst hat geäußert, seine literarischen Quellen seien die Upanishaden, Arthur Schopenhauer und Spinoza gewesen. Man hat ihn zusammen mit Einstein als `rationalen Mystiker' bezeichnet[44]. Er hatte 1910 bei Fritz Hasenöhrl in Wien promoviert. Er war oesterreichischer Artillerieoffizier gewesen und schon nicht mehr ganz jung, als er seine 'Wellenmechanik' erfand, die, im Vergleich zur Göttinger und Kopenhagener Konkurrenz bei weitgehend identischen Ergebnissen relativ unspektakulär im Gedanken an die `Hamiltonsche Analogie zwischen gewöhnlicher Mechanik und geometrischer Optik' daherkam. Bevor Planck ihn 1926 nach Berlin holte, hatte er vorübergehend in Stuttgart und in Jena unterrichtet, dort hatten ihn Felix und Ida Auerbach freundlich aufgenommen und ebenso - wie er ironisch-versöhnlich schrieb - der 'gemäßigt antisemitische' Max Wien[45]. Dann war er nach Breslau gekommen und hatte sich mit Rudolf Ladenburg angefreundet, bevor er 1922 einem Ruf nach Zürich folgte und Fritz Reiche seine Stelle übernahm. In Berlin war Schrödinger begeistert von der Vielfalt physikalischen Wirkens und schockiert von steifen Formen[46]. Er unterrichtete `im Team' mit anderen, u.a. mit Francsi Neumann und Leo Szilard.[47]

Schrödinger wurde in Berlin mit offenenArmen und 1928 gleich auch in die Akademie aufgenommen, wie John Heilbron bemerkt hat, denn:

"ganz abgesehen von ihren inhaltlichen Aspekten trat die Kopenhagener Deutung mit einem atemberaubenden Dogmatismus auf, der in scharfem Gegensatz zu Plancks "immer wachsender Scheu" vor schnellen Antworten stand"[48]

Wenig Scheu vor schnellen Urteilen zeigte andererseits Max Laue, als er die `Kopenhagener Deutung' in Zusammenhang mit dem `Kulturpessimismus' brachte, obwohl auch Schrödinger sehr bald den Gebrauch des durch seine Wellenfunktion nahegelegten `klassischen Bildes' in Frage stellte. Max Planck `wandte sich', in Heilbrons Worten, `wieder seinem alten Gegner Mach' zu: es stehe jetzt nicht mehr eindeutig fest, daß der Positivismus keine Früchte tragen werde; darum sei man nicht gezwungen, den Glauben an eine reale Welt aufzugeben[49]. Unvergleichlich belesener und freier über Gedanken- und Sprachreichtum verfügend als Planck, hat Erwin Schrödinger die Frage später in einem Essay behandelt und im Anschluß an Charles Sherrington geschrieben:

"Eines der beiden scheint also unabänderlich zum Gespensterdasein verurteilt zu sein, entweder die objektive Außenwelt des Naturforschers oder das Bewußtseins-Selbst, welches denkend jene aufbaut, wobei es sich aus ihr zurückzieht".[50]

Schrödinger hielt im März 1928 englische Vorlesungen in der Londoner `Royal Institution' in denen er unter anderem die `Theorie der Sekundärstrahlung und der Dispersion' und die `Theorie der Resonanzstrahlung und des Wechsels der Atomzustände unter dem Einfluß von einfallender Strahlung, deren Frequenz mit einer natürlichen Emissionsfrequenz genau oder nahezu zusammenfällt', behandelte. Die Vier Vorlesungen über Wellenmechanik erschienen im gleichen Jahr bei Julius Springer in einem schmalen Bändchen von 57 Seiten, übersetzt von Hans Kopfermann[51]. Im letzten Abschnitt hieß es:

"Soll von dem klassischen Bilde überhaupt Gebrauch gemacht werden, so ist das Benehmen des wirklichen Systems zu beschreiben als das des klassisch-mechanischen Bildes, welches in allen überhaupt möglichen Konfigurationen gleichzeitig vorhanden gedacht wird - jedoch in einigen `stärker', in anderen `schwächer'. / Ich habe diese Deutung eine Zeitlang aufrechterhalten. Daß sie sich als sehr nützlich erweist, kann man bei dem Ein-Elektron-Problem sehen... Keine andere Interpretation der psi-Funktion ist fähig, uns verstehen zu lassen, daß die Konstanten a(k,l) über die Intensität und Polarisation der Strahlung so weitgehenden Aufschluß geben. Trotzdem ist diese Auffassung nicht ganz befriedigend. Denn was bedeutet in den vorangehenden Sätzen der Ausdruck `sich benehmen'? Das `Benehmen' der psi-Funktion, d.h. ihre Zeitabhängigkeit wird keineswegs durch die Gesetze der Mechanik bestimmt; es ist bestimmt durch die Wellengleichung... In Verbindung mit der statistischen Interpretation ist gesagt worden, daß zu jeder Größe, die eine bestimmte physikalische Bedeutung hat und nach dem klassischen Bilde des Atoms prinzipiell meßbar ist, bestimmte Eigenwerte gehören (wie z.B. zu der Energie die Eigenwerte E(k) gehören); und es ist gesagt worden, daß das Ergebnis für die Messung einer solchen Größe immer der eine oder der andere dieser Eigenwerte ist und nicmals ein dazwischenliegender Wert. Mir scheint es so, als ob diese Aussage eine ziemlich vage Vorstellung enthält, nämlich die Vorstellung, eine Größe (z.B. Energie oder Impulsmoment) zu messen, die sich auf das klassische Bild des Atoms, d.h. auf ein offenbar falsches bezieht. Ist es nicht etwas kühn, Messungen nach einer Vorstellung zu interpretieren, von der wir wissen, daß sie falsch ist?
Schrödinger schloß mit einem Beispiel: ein Elektronenstrahl wird durch einen Quecksilberdampf geschickt und vorher wie nachher `beobachtet'. In der alten Interpretation (dieses `Franck-Hertz Versuchs') spricht man von Messung der Differenzen der Energieniveaus im Hg-Atom, "die Wellenanschauung liefert eine andere Interpretation, nämlich die, daß die Frequenzen eines Teils der Elektronenwellen sich um einen Betrag verringert hat (sic!, vielleicht müßte es heißen `haben'? KS) welcher der Differenz zweier Eigenfrequenzen des Quecksilberatoms gleich ist. Ist es ganz sicher, daß diese beiden Interpretationen einander nicht widersprechen, daß die ältere zusammen mit der neuen aufrechterhalten werden kann? Ist es ganz sicher, daß der Begriff Energie, so unerläßlich er bei makroskopischen Erscheinungen ist, irgendeine andere Bedeutung in mikromechanischen Erscheinungen hat als diejenige der Schwingungszahl in h Sekunden?"[52]

* * *

Inzwischen konnten auch die Experimentatoren zur Quantenoptik Resultate vorlegen. In der Rubrik "Aus den Sitzungsberichten der preußischen Akademie" in den Naturwissenschaften hieß es über die Sitzung vom 24. Juni 1927:

"Herr Haber legte Untersuchungen über die anomale Dispersion angeregter Gase von Herren R. Ladenburg, H. Kopfermann und Frl. Agathe Carst aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut vor... Nach der Methode der Interferenzstreifen wird an vielen Linien des He, Ne, Hg und H bei Anregung dieser Gase durch Gleichstrom anomale Dispersion nachgewiesen und zum Teil quantitativ gemessen. Aufgrund der quantentheoretischen Dispersionsformel von Ladenburg und Kramers und des F-Summensatzes von Reiche- Thomas wird aus diesen Messungen die Übergangswahrscheinlichkeit der verschiedenen Quantenübergänge sowie die Zahl der Atome in den angeregten Zuständen und ihre Änderung mit Stromstärke, Druck und Temperatur des Gases bestimmt. So ergibt sich, daß bei schwachem Strom die metastabilen Zustände in überwiegender Zahl vorherrschen; mit wachsendem Strom wächst auch die Zahl der nicht metastabilen, und schließlich bildet sich zum Beispiel zwischen den energetisch benachbarten, S-Zuständen des Neons, die zu einem Triplet gehören, ein statistischer Gleichgewichtszustand aus, bei dem sich die Zahl der Atome in den verschiedenen Zuständen mit wachsendem Strom nicht mehr ändert und die Verhältnisse der Atomzahlen unabhängig von dem metastabilen oder labilen Charakter des Atomzustandes - wesentliche durch die ihrer Quantengewichte bestimmt sind, wie man es nach den Gesetzen der Quantenstatistik erwarten sollte."[53]

Agate Carst (1896 - ) verließ das KWI im Sommer 1927 [54]. Rechtzeitig zu Fritz Habers 60. Geburtstag und für die Festschrift[55] konnten Kopfermann und Ladenburg über die einwandfreie Beobachtung der `negativen Dispersion' berichten, und schon 1929 fanden die Resultate Eingang in die Neuauflage des `Müller-Pouillet'. R. Minkowski in Hamburg beschrieb das Experiment in seinem Beitrag `Theorie der Brechung' und reproduzierte die publizierten Kurven:

"Vor kurzem ist es Ladenburg und Kopfermann gelungen, an Linien des elektrisch angeregten Neons auch die negative Dispersion nachzuweisen... ein Maß für die Anzahl der Atome in dem für jede Linie verschiedenen oberen Zustand"[56]

Damit war eine Untersuchung, die Rudolf Ladenburg und Fritz Reiche mit ihren ersten quantenoptischen Dispersionsformeln ins Auge faßten, experimentell geglückt. Heute zählen die theoretisch-quantenoptischen, vor-quantenmechanischen Arbeiten von Ladenburg, Kramers und Reiche als erste Schritte auf dem Weg zur `Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation', zur überwältigenden technisch-kommerziellen Bedeutung des `Laser'. Zum experimentellen Nachweis der negativen Dispersion am Neon durch Kopfermann und Ladenburg hat man kürzlich sogar geschrieben:

"If they had used more current and had had more luck they could have found their dispersion curve becoming negative".[57]

Warum nicht? Carst, Kopfermann und Ladenburg als Inhaber früher Laser-Patente? Einen Sprung in der Geschichte würde man sich manchmal gerne wünschen? Vermutlich ließe sich jedoch sagen, soweit solche Feststellungen überhaupt Sinn haben, daß sich die Arbeit vor keiner Nobelpreis-gekrönten zu verstecken brauchte.

Rudolf Ladenburg war der Abteilungsleiter, Hans Kopfermann `nur' der Assistent. Ladenburg publizierte regelmäßig die erste Mitteilung in den Naturwissenschaften allein. Nicht zufällig war die Reihenfolge der Namen in den vorstehenden Zitaten beide Male nicht alphabetisch. Aber schon für die erste gemeinsame Publikation 1923 und ebenso für alle weiteren in der Zeitschrift für Physik, wurde die alphabetische Reihenfolge eingehalten. Einmal, vielleicht für die Arbeit in der Haberfestschrift, kam es zum Streit. Hertha Kopfermann riet Hans, nicht nachzugeben. Ladenburg reagierte mit einem Wutanfall, war dann aber einsichtig und entschuldigte sich bei Hertha mit einem prächtigen Blumenstrauß[58].

Zwischen 1928 und 1930 erschienen unter dem Ober-Titel `Untersuchungen über die anomale Dispersion angeregter Gase I-V' fünf Arbeiten in der Zeitschrift für Physik; die ersten drei gingen am 17. Dezember 1927 bei der Redaktion ein und behandelten: experimentelle Prüfung der quantentheoretischen Dispersionsformel, anomale Dispersion im angeregten Neon, Übergangswahrscheinlichkeit und Dichte angeregter Atome im Neon: statistisches Gleichgewicht in der positiven Säule; die vierte Arbeit erreichte die Redaktion wenig später, am 2.1.1928, Agathe Carst war Mitautorin, und es ging um anomale Dispersion des Wasserstoffs, wahres Intensitätsverhältnis der Wasserstofflinien H-alpha und H-beta. Die fünfte Arbeit kam erst zweieinhalb Jahre später unter dem Eingangsdatum vom 12.8.1930 ein und behandelte die negative Dispersion im angeregten Neon einschließlich der Untersuchungen über die schon 1927 berichtet wurde. Sie nahm Bezug auf eine inzwischen von Kopfermann und W. Tietze publizierte Untersuchung zur Linienabsorption im Quecksilber, die auf Anregung von Ladenburg zustande gekommen war. Kopfermann tendierte zu größerer Selbständigkeit und Günther Wolfsohn war Assistent von Ladenburg geworden. Die beiden publizierten 1930 zur Dispersion am Quecksilberdampf während Hans Kopfermann sich zusammen mit H. Schweitzer vorübergehend einem anderen Thema widmete, dem `Bandensystem des zweiatomigen Kohledampfes'. Kopfermann mußte es scheinen, als seien `Dispersionsmessungen', die zu Anfang seiner Tätigkeit im KWI im Zentrum atomphysikalischer Aufmerksamkeit gestanden hatten, nicht mehr `in Phase' mit der Entwicklung, die das Interesse der Fachgenossen nahm. Eine Entwicklung, die über die Arbeiten von Rudolf Ladenburg und Fritz Reiche ungerechterweise allzu schnell hinweggegangen war.

* * *

Ein vier Jahre jüngerer Kollege und Freund hatte mehr Glück mit der Richtung, die das fachliche Interesse nahm und machte im KWI leichter Karriere als Hans Kopfermann. Karl Friedrich Bonhoeffer (1899-1957) hatte in Tübingen und Berlin studiert und bei Walter Nernst promoviert. Er war schon Assistent im KWI, als Kopfermann seine Stelle antrat. Paul Harteck schrieb 1968, anläßlich des 100. Geburtstags von Fritz Haber:

"Bald nach dem ersten Weltkrieg war es klar, daß neue Arbeitsrichtungen wie Bandenspektroskopie oder Quantenmechanik - um nur spezielle Fälle herauszugreifen - in der physikalischen Chemie eine wichtige Rolle spielen würden. Der junge Bonhoeffer zog vollen Nutzen aus dieser Situation und publizierte in wenigen Jahren am Haberschen Institut eine Reihe von hervorragenden Arbeiten auf verschiedenen Arbeitsgebieten. Es sei nur auf seine Arbeiten über Wasserstoffatome, Prädissoziation, Parawasserstoff, OH-Radikale hingewiesen und auf die Arbeit zusammen mit Haber über Spektroskopie und Reaktionen in Flammen. - Haber freute sich über die Erfolge von Bonhoeffer..."[59]

Werner Heisenberg und Friedrich Hund hatten sich beide 1926/27 mit dem Rotationsmodell zweiatomiger Moleküle beschäftigt und Aussagen zu den Spektrallinien der `Rotationsbanden' machen können. Dabei hatte sich herausgestellt, daß insbesondere Wasserstoffmoleküle aufgrund der Spins und der magnetischen Moments der beiden Kerne (Protonen) in zwei Formen, Ortho- und Para-Wasserstoff, existieren müssen, von denen die eine das 3fache statistische Gewicht der anderen hat, und die so gut wie gar nicht `spontan' ineinander übergehen können. Die beiden `Wasserstoffe' sollten sich merklich, z.B. in den spezifischen Wärmen und der Wärmeleitfähigkeit, unterscheiden. Karl Friedrich Bonhoeffer und Paul Hartek beobachteten die Leitfähigkeit und

"ließen bei der Temperatur des flüssigen Wasserstoffs (21 Grad Kelvin) Wasserstoffgas durch Holzkohle absorbieren und später wieder verdampfen. Bereits nach 5 Minuten war der Gehalt an Parawasserstoff auf 88%, nach 10 Minuten auf 98,3%, nach 15 Minuten auf 99,3% und nach 20 Minuten auf 99,7% gestieten, so wie es der theoretisch berechneten Gleichgewichtstemperatur entspricht. Eine Messung nach zwei Stunden ergab wiederum denselben Wert von 99,7%, womit die Erreichung des Gleichgewichts erwiesen erschien"[60]

Der so gewonnene Parawasserstoff hielt sich auch bei höheren Temperaturen noch stundenlang und das Rotationsspektrum zeigte, der quantenmechanischen Voraussage vollkommen entsprechend, ausschließlich Linien mit gerader `Rotationsquantenzahl'. Das war 1929 das meistbeachtete Ergebnis aus dem KWI und es unterstrich in spektakulärer Weise die Verbindung der Spektroskopie mit dem neuen Arbeitsgebiet, der Kernphysik.

Karl Friedrich Bonhoeffer gehörte zum Kreis der 'Professorenkinder aus dem Grunewald'. Sein Bruder Klaus (1901-1945), Jurist und 1936 Syndikus der Lufthansa, war seit der Schulzeit im 'Grunewaldgymnasium' mit den Juristen Justus Delbrück und Johannes Dohnanyi (1902-1945) befreundet, Klaus war mit Justus' Schwester Emmi verheiratet, Johannes mit Christine Bonhoeffer, Zwillingsschwester von Dietrich (1906-1945), Karl-Friedrichs jüngerem Bruder. Die Schwester Sabine heiratete Gerhard Leibholz, der auch zum Freundeskreis zählte. 1930 heirateten auch Johannes' Schwester Grete und Karl Friedrich Bonhoeffer. Hans und Hertha Kopfermann waren Hochzeitsgäste. Bonhoeffer wurde 1930 nach Frankfurt berufen und ging von dort 1934 nach Leipzig. Johannes Dohnanyi wurde Reichsgerichtsrat, arbeitete im Justizministerium und war persönlicher Referent des DNVP-Ministers Franz Gürtner (1881-1941) in Brünings und Hitlers Kabinet. Die nur wenige Jahre jüngeren Geschwister und Freunde in den Berliner politischen Positionen verloren ihr Leben in der Opposition gegen Hitler. Karl Friedrich Bonhoeffer und Hans Kopfermann, die Kollegen im KWI bis 1930, kamen zwanzig Jahre später in Göttingen wieder zusammen.


[1]Archiv MPG, Abt.V, Rep.13, 1512 zitiert nach Stolzenberg a.a.O. S.246

[2]Der Bankier(185?-1933) hatte die Naturwissenschaftler der Akademie mit der `Leopold Koppel-Stiftung' ausgestattet. Vgl. Christa Kirsten, Hans Jürgen Treder Hg., Albert Einstein in Berlin, Berlin, Akademie Verlag, 1979 Bd. 1

[3]Vgl. Dietrich Stolzenberg, loc. cit.

[4]Kurt Mendelssohn, Walter Nernst und seine Zeit, Weinheim (Physikverlag.) 1976

[5]Michael Inniss hat mich freundlicherweise auf eine Verwechslung der Vornamen hingewiesen. Fritz Abegg, Chemiker, geb. 1879 in Laufenburg, promovierte 1907 in Aachen (vgl. Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz, Neuenburg 1921, Vol.1 S. 51/52), wanderte 1912 nach den Vereinigten Staaten aus, arbeitete als Industriechemiker und später als Lehrer. Er starb 1941 in New Jersey.

[6] Zu Clara Immerwahr vgl. Gerit von Leitner, Der Fall Clara Immerwahr. Leben für eine humane Wissenschaft, München, Beck, 1993, Zur Clara-Immerwahr-Auszeichnung der deutschen Sektion der Ärzte gegen den Atomkrieg, die seit 1991 verliehen wird, s. Jörn Heher, "Clara Immerwahr und Fritz Haber", http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-92/9210501m.htm

[7] Zahlen nach Margit Szöllösi-Janze, Fritz Haber 1868-1934. Eine Biographie, München, Beck, 1998, S.348

[8]Autor eines bekannten Lehrbuch der Thermochemie und Thermodynamik, das Cl. v. Simson in 2ter Auflage fortführte (Berlin 1928)

[9]Eine kritische (und revoltierende) Haltung Clara Haber-Immerwahrs wurde 1958 von James Franck gegenüber Johannes Jaenicke bezeugt, doch habe sich Fritz Haber "ungeheuer bemüht, seine politischen und menschlichen Meinungen mit ihr in Übereinstimmung zu bringen". S. Margit Szöllösi-Janze a.a.O., S. 393. Mit eingehender Würdigung weiterer Quellen kommt die Autorin im Gegensatz zu Gerit von Leitner zu dem Schluß, daß allenfalls ein gewisser Raum bliebe "für mögliche Entzweigungen über den Gaskrieg und die Rolle Habers in der chemischen Kriegsführung" (S.399), daß die Ungewißheit jedoch nicht auszuräumen ist, und der Suizid (s.u.) doch eher in anderen (sehr viel 'persönlicheren') Zusammenhängen zu sehen sei. Andererseits enthebt die Zuweisung zum 'Persönlichen' uns gerade nicht der Betrachtung kollektiver Zustände, die ihren Ausdruck in verschiedenster Weise im Persönlichen finden.

[10]Während in dem weiter oben zitierten Bericht des Technikers (Bauingenieur) und Offiziers Otto Lummitzsch der Gasangriff in seiner Bedeutung relativ gering eingeschätzt wurde, fand Joseph Borkin, Die unheilige Allianz der I.G. Farben. Eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich, sich auf Morris Goran, Fritz Haber, Oklahoma 1967 berufend: "Die Wirkung des Gasangriffes von Ypern war wahrhaft verheerend. Noch vor dem Abend lagen 15 000 Männer auf dem Schlachtfeld, ein Drittel davon tot. Eine riesige Lücke war in die Linien der Alliierten gerissen worden. Nichts stand mehr zwischen den Deutschen und den ungeschützten französischen Kanalhäfen direkt gegenüber von England. Doch die Unfähigkeit der deutschen Heeresleitung, den Erfolg ihrer neuen Waffe vorauszusehen, ersparte den Alliierten die Vernichtung. Haber war darüber sehr verbittert, wie er später schrieb, hätten die Deutschen den Krieg gewonnen, wenn sie seinem Rat gefolgt wären und anstelle des Experiments von Ypres einen großangelegten Angriff gestartet hätten".

[11]Fritz Stern, loc. cit., S.78

[12]Ebenda, S.83; Stern zitiert Erwin Chargaff (der ein Schüler Habers war) nach Das Feuer des Heraklit. Skizzen aus einem Leben vor der Natur, Stuttgart 1981, S.79

[13]John E. Coates, The Haber-Memorial-Lecture, Journal of the Chemical Society, 1939, S.1642-1672

[14]Fritz Stern, loc. cit., S.63; der Brief von Herbert Freundlich an Rudolf Stern datiert vom 14.12.1940; s.a. Rudolf A. Stern, "Fritz Haber, Personal Recollections", Leo Baeck Yearbook 8, 1963, S. 70-102

[15]Morris Goran, The Story of Fritz Haber, Oklahoma 1967

[16]Vgl. auch L.F. Haber, The Poisonous Cloud. Chemical Warfare in the First World War, Oxford 1986 und bzgl. der Debatten nach dem Krieg: John Burdon Sanderson Haldane, Callinicus, a Defense of Chemical Warfare, 2te, London 1925

[17]Autorin u.a. von Die Pfeilkreuzlerbewegung in Ungarn, München, Oldenbourg (Studien zur Zeitgeschichte), 1989

[18]Zitiert nach Agnes von Zahn-Harnack, op.cit, S.254

[19]Harnack 1910 an Martin Rade, zitiert nach Agnes v. Zahn-Harnack, op. cit., S. 487

[20]Agnes von Zahn-Harnack, op.cit., S.483

[21]Briefentwurf vom 14.10.25, zitiert nach Agnes Zahn Harnack, op. cit., S.486

[22]Adolf von Harnack, Das Wesen des Christentums, München, Siebenstern, 1964, S.164

[23]Ebenda, S.175, wörtlich: "Die dritte Macht nenne ich ungern, und doch darf sie nicht verschwiegen werden - es ist der Staat"

[24]Ebenda, S.176

[25]Ernst Troeltsch, "Die Revolution in der Wissenschaft" in Ges. Werke Bd.4 S.654. Vgl. Gangolf Hübinger, Kulturprotestantismus und Politik. Zum Verhältnis von Liberalismus und Protestantismus im Wilhelminischen Deutschland, Tübingen (Mohr) 1994. S.

[26]Agnes von Zahn-Harnack, op.cit., S.483

[27]Vgl. den dokumentarischen Roman von Tilman Spengler, Lenins Hirn, Reinbeck (Rowohlt) 1991, sowie Ute Deichmann, Biologen unter Hitler, Frankfurt (Fischer (Campus 1992)) 1995, S.159 ff.

[28]Vgl. Bernhard vom Brocke, "Die KWG in der Weimarer Republik" in ders. und R. Vierhaus (Hg.) Forschung im Spannungsfeld, Stuttgart (DVA) 1990

[29]Friedrich Epstein, Herbert Freundlich, "Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie Berlin-Dahlem" in Ludolf Brauer et al. Hg., Forschungsinstitute. Ihre Geschichte, Organisation und Ziele, Hamburg (Hartung) 1930, Teil II

[30]Rudolf Ladenburg, "Die quantentheoretische Zahl der Dispersionselektronen", Z. f.Physik, 4, 1921, S.451

[31]Luxus des Gewissens, a.a.O., S.104

[32]Richard Becker, "Über Absorption und Dispersion in Bohrs Quantentheorie", Z. für Phys. 27, 1924. S.173-88

[33]A. Hermann, K. v. Meyenn, V.F. Weisskopf, Wolfgang Pauli, Wissenschaftlicher Briefwechsel mit Bohr, Einstein, Heisenberg u.a., Band 1 1919-1929, NY Heidelberg Berlin, Springer, 1979, S.153

[34]Hiroyuki Konno, "Kramers' Negative Dispersion", Centaurus 36, 1993, S.157. Der Autor bemerkt auch: "In those days it was technically very difficult to obtain a sufficient concentration of atoms in excited states. It was not until 1927 that Ladenburg and his collaborator succeeded in detecting the negative dispersion in the spectral lines of electrically excited neon".

[35]Vgl. Niels Bohr an James Franck, 21.4.1925:"ausserdem habe ich eben jetzt von Geiger gehört, daß seine Versuche für die Kopplung entschieden haben, und es ist wohl nichts anderes zu tun, als unseren Revolutionsversuch möglichst schmerzlos in Vergessenheit zu bringen....Unsere Ziele werden wir aber doch nicht so leicht vergessen können, und in den letzten Tagen habe ich mich mit allerlei wilden Spekulationen gequält, um eine adäquate Grundlage der Bescheibung der Strahlungsphänomene zu finden. Darüber habe ich viel mit Pauli diskutiert, der jetzt hier ist, und dem seit langem unser "Kopenhagener Putsch" unsympatisch war." (Bohr Scientific Correspondence MF.10)

[36]Am 27.7.1925 schrieb Pauli an Kramers: "Ich halte es für ein ungeheures Glück, daß die Auffassung von Bohr, Kramers und Slater durch die schönen Experimente von Geiger und Bothe sowie durch die kürzlich erschienenen von Compton so schell widerlegt worden ist. Es ist zwar richtig, daß Bohr selbst, auch wenn diese Experimente nicht gemacht worden wären, nicht mehr an dieser Auffassung festgehalteh hätte, aber viele ausgezeichnete Physiker (wie z.B. Ladenburg, Mie, Born) hätten daran festgehalten und diese unglückseelige Abhandlung von Bohr, Kramers und Slater wäre vielleicht für lange ein Hemmnis des Fortschritts der theoretischen Physik geworden." Zitiert in: P. Kraft and P. Kroes, Loc. cit. Der Brief weist auf eine ziemlich exaltierte Stimmungslage hin. Kraft und Kroes diagnostizieren dazu passend, später, in Bezug auf die Quantenmechanik, eine "quasireligiöse Konversion" bei etlichen Forschern.

[37]Wolfgang Pauli kommentierte in einem Brief an Kramers vom 27.7.25 ein Ergebnis dieses Aufenthalts, eine Arbeit von Heisenberg und Kramers, die Kramers' Dispersionsformel zum Gegenstand hatte: "Die Ausführungen bauen durchaus weiter auf der Auffassung der Verbindung der Wellenstrahlung des Atoms mit den stationären Zuständen, die in einer neuen Arbeit von Bohr, Kramers und Slater vertreten ist und die Folgerungen, wenn sie sich bestätigen sollten, dürften eine interessante Stütze für diese Auffassung bilden".

[38]Hiroyuki Konno, a.a.O. hat auf eine Äusserung Kramers' hingewiesen: "At the Como Conference in 1927, Krames reviewed the BKS theory in the light of Heisenbergs uncertainty principle and remarked: "certain fundamental features of the Bohr Kramers Slater theory remain valid, viz. as regards the statistical character of the "occurence" of the elementary processes... due to this circumstance the amounts of energy and momentum and teir changes involved in the Compton effect are not exactly defined. We must conclude, following the beautiful arguments of Heisenberg, that the validity of the conservation laws is limited by an uncertainty which is fundamentally involved in the measurements which one might try to apply in order to test these laws as exactly as possible."

[39]Luxus des Gewissens, a.a.O., S.107; Jennö Wigner hat von einer 'unreasonable effectiveness of mathematics in the natural sciences' gesprochen (E. Wigner, Communications in pure applied Math, 13 1960)

[40]Vgl. Niels Blaedel, Harmony and Unity. The Life of Niels Bohr, Berlin, Springer, 1988 (dän.: Harmoni og enhed 1985)

[41]Im Gegensatz zur statistischen Auffassung, die Born im gleichen Text erläutert und auch auf die klassiche Physik ausdehen möchte. Deterministische Physik sei für ihn ein Idol, kein Ideal. Luxus des Gewissens, a.a.O. S.113

[42]Ebenda, S.108

[43]Walter Glaser, "Erwin Schrödinger 70 Jahre", Phys. Bl. 13, 1957, S.373

[44]Bruno Bertotti, "The later works of Schrödinger", Stud hist. phil. sci vol.16 1985 s.83:

[45]Vgl. Erwin Schrödinger, Mein Leben, Meine Weltansicht. Wien, Hamburg, Zsolnay 1985, S.34

[46]vgl. Klaus Fischer, "Die Emigration deutschsprachiger Physiker nach 1933: Strukturen und Wirkungen" in Herbert A. Strauss, Klaus Fischer, Christhard Hoffmann, Alfons Söllner, Die Emigration der Wissenschaften nach 1933, München, Saur, 1991, S.25

[47]Vgl auch Walter Moore, Schrödinger, Life and Thought, Cambridge, Univ.Press, 1989

[48]John Heilbron, a.a.O., S.140 Max Dresden meinte feststellen zu können "Kramers in contrast to Ladenburg was deeply upset by the conflict between the classical dispersion theory and the quantum theory of atomic structure. (H. A. Kramers. Between Tradition and Revolution, Springer 1987, p.151)

[49]Ebenda, S.143

[50]Erwin Schrödinger, "Die Besonderheit des Weltbilds der Naturwissenschaft", Acta Physca Austriaca 1-3. 1947-1950, S.232

[51]Später auch in russisch: Chetyre lektsii po volnovoi mekhanike, Kharkov-Kiev, 1936

[52]Erwin Schrödinger, Vier Vorlesungen über Wellenmechanik, (übersetzt von Hans Kopfermann), Berlin, Springer, 1928, S.57

[53]Vorher hatte Ladenburg, Die Naturwissenschaften 14, 1926, S.1208, "Über die experimentelle Prüfung der quantentheoretischen Dispersionsformel" berichtet;

[54] Agate Carst war 1914-1918 Röntgenassistentin in einem Reservelazarett gewesen, hatte 1919 in Berlin Abitur gemacht und 1924 in München promoviert. Ihre Dissertation schrieb sie über Messungen am Kontinuum des Wasserstoffspektrums im von Wilhelm Wien geleiteten Institut. Bevor sie im Frühjahr 1926 mit einem Stipendium zum KWI kam, hatte sie ein paar Monate im Frankfurter Institut für physikalische Grundlagen der Medizin gearbeitet. Von 1927 bis zum Sommer 1936 war ihre Arbeitsstelle das Hauptlaboratorium der BASF in Ludwigshafen. Die Diktatur erzwang das Ende einer neunjährigen Karriere im Betrieb. Carst verließ die BASF mit dem Vorhaben, in Amerika Exil zu suchen. S. Mirjam Wiemeler, Naturwissenschaftlerinnen der BASF, eingestellt von 1918 bis 1919. Ein kontextuelle Kollektivbiographie, Dissertation in Vorbereitung (2001). Ich danke der Autorin für die freundliche Mitteilung und ein ausführliches Gespräch.

[55]Zeitschrift für Physikalische Chemie 1928 S.375. In Die Naturwissenschaften 17 1929, S.296, wies Ladenburg auf die gemeinsame Publikation mit Hans Kopfermann hin

[56]R. Minkowski, "Theorie der Brechung" in Müller-Pouillet, Lehrbuch der Physik, Braunschweig, Vieweg, 11te, 1929, Bd. 2, S.1708

[57]R.G.W. Brown and E.R. Pike, "A History of Optical and Optoelectronic Physics in the Twentieth Century" Kapitel 18 in: Laurie M. Brown, Abraham Pais, Sir Brian Pippard, eds., Twenthieth Century Physics, Bristol and Philadelphia, (AIP and IPP) 1995

[58]Dieter von Ehrenstein erinnerte sich im Gespräch (Mai 1995) an diese Version

[59]Paul Harteck, "Zu Fritz Habers 100. Geburtstag", Phys. Bl. 24, 1968, S.550

[60]Arthur Haas, Materiewellen und Quantenmechanik, Leipzig, Akad. Verl Ges., 1934 S.164

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