Etudes-home

INH

E:


I:








II:









10 
11 
12

III:









A:

A1 

 

Fehlanzeige des Regimes in der Fachpresse?

Die Fachöffentlichkeit spiegelt sich mit den Namen und den Arbeiten ihrer aktiven Mitglieder in Hand- und Lehrbüchern, Enzyklopädien und Zeitschriften. Bestimmte Verlagshäuser, Herausgeber und Publikationen bringen den Stand und die Entwicklung der Forschung und der Wissenschaften zur Geltung, bekannte Fachleute tragen zu Prestige und Verbreitung der Druckerzeugnisse bei und werden so erst recht zu 'namhaften' Vertretern ihres Fachs. Das Lehrbuch von Müller-Pouillet erschien in 11. Auflage in fünf Bänden 'unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrter herausgegeben von A. Eucken, O. Lummer (gest.), E. Waetzmann' 1929 beim Verleger Vieweg in Braunschweig. Zur Einleitung faßte Gustav Mie die 'idealtypische' Konstruktion seiner Wissenschaft, so wie sie sich vielen Kollegen damals darstellte, zusammen:

"Die Aufgabe der Physik ist die Ergründung des kausalen Zusammenhangs der Naturerscheinungen. Den Physiker als solchen interessieren also nicht die einzelnen Dinge und die einzelnen Ereignisse der Welt - mit diesen beschäftigen sich beispielsweise die Astronomen, die Meteorologen, die Geophysiker -, er sucht nur die kausalen Zusammenhänge zu finden, er beobachtet nicht das natürliche Weltgeschehen, er experimentiert mit künstlich ersonnenen Apparaten. Was der Physik ihr besonderes Gepräge aufdrückt, ist - mehr als der Gegenstand ihrer Forschungen - ihre Methode. In ihr ist die Methode, die den Naturwissenschaften überhaupt im Gegensatz zu den Geistes- und Kulturwissenschaften eigentümlich ist, ganz besonders scharf und ohne Kompromisse entwickelt. Diese Methode besteht, um es kurz zu sagen, in dem Denken mit vollkommen festen und unbiegsamen Begriffen. In der Physik wird jeder Begriff durch eine umfassende und ausreichende Definition festgelegt und für alle Zeiten unveränderlich gemacht. Indem die Wissenschaft auf diese Weise ihre Begriffe künstlich starr macht und ihnen sozusagen das Leben nimmt, analysiert sie die Natur ähnlich wie der Anatom einen Leichnam seziert. Die Geisteswissenschaften, welche das Leben selbst in seinem eigenen Lauf erfassen wollen, können nicht zu starren Begriffsbildungen kommen, in ihnen haben die wichtigsten wissenschaftlichen Begriffe selber Leben und Entwicklung."

Im zweiten Band 'Lehre von der strahlenden Energie, Optik' schrieben Hedwig Kohn, Breslau, über Photometrie, Ernst Buchwald, Danzig, über Kristalloptik und Doppelbrechung, Wolfgang Pauli über schwarze Strahlung und Quantenmechanik, Gustav Hertz über Anregung von Spektrallinien, Friedrich Paschen über Serienspektren, E. Back über Zeemaneffekt, D. Coster, Groningen, über Röntgenspekren, Lise Meitner über Gammastrahlung, Rudolf Ladenburg über Polarisation, Doppelbrechung, Starkeffekt, Robert Pohl über Photoelektrizität und Fluoreszenz, und der Herausgeber K. W. Meissner, Frankfurt, über Polarisation. R. Minkowski stellte die Theorie der Brechung dar und verwies u.a. auf die aktuellen Arbeiten von Ladenburg, Reiche, Kopfermann und Ladenburg. Zur Illustration der 'negativen Dispersion' fand eine Graphik der Originalarbeit Eingang in das Lehrbuch.

Bei Julius Springer erschien um dieselbe Zeit, in den Jahren 1926 -1928, herausgegeben von Hans Geiger und Karl Scheel, 'unter redaktioneller Mitwirkung von R. Grammel, Stuttgart, F. Henning, Berlin, H. Konen, Bonn, H. Thirring, Wien, F. Trendelenburg, Berlin, W. Westphal, Berlin' das 'Handbuch der Physik' in über 20 Bänden. Im ersten Band schrieben E. Hoppe, Göttingen über Geschichte der Physik bis 1895 (Entdeckung der Röntgenstrahlung), Karl Scheel über Physikalische Literatur, H. E Timmerding, Braunschweig, über Forschung und Unterricht, R. Mecke und A. Lambertz, Bonn, über Vorlesungstechnik. Die Redaktion der Bände 20, 'Licht als Wellenbewegung' und 21, Licht und Materie' oblag Heinrich Konen/Bonn. Es schrieben u.a. Rudolf Frerichs/Berlin, z.Z. Ann Arbor über Linienspektren und Intensitätsregeln, Pascual Jordan/Hamburg über Energiestufen in Spektren, Alfred Landé/Tübingen über Zeemaneffekt, R. Minkowski/Hamburg über Starkeffekt, L. Grebe/Bonn über Röntgenspektren, R. Mecke/Bonn über kontinuierliche Gasspektren, Peter Pringsheim/Berlin über Lumineszenz- und Ramanspektren. In zweiter Auflage lagen 1933 zwei Teile des 24. Bandes, 'Quantentheorie' und 'Aufbau der zusammenhängenden Materie' vor, redigiert von A. Smekal/Halle, bearbeitet von H. Bethe/München, F. Hund/Leipzig, N.F. Mott /Bristol, W. Pauli/Zürich, A. Rubinowicz/Lwow, Gregor Wentzel/Zürich, Max Born, Maria Göppert-Mayer/Göttingen, H.G. Grimm, K.F. Herzfeld, R. de L.Kronig/Groningen, A. Sommerfeld/München. In den Beiträgen von A. Rubinowicz zur älteren Quantentheorie, von K.F. Herzfeld zum Kerreffekt und von Max Born und Maria Goeppert-Mayer zur dynamischen Gittertheorie der Kristalle wurde, wie schon gesagt, auf Experimente von Kopfermann und Ladenburg verwiesen.

Im Springer-Verlag erschien auch die 5. Auflage des Tabellenwerks 'Landolt-Börnstein', die 1936 zum Abschluß kam.

Ein einzigartiges Riesenunternehmen bedeutete das 'Lexikon der Naturwissenschaften' (LN), das bei Gustav Fischer in Jena vor dem Krieg in erster Auflage erschienen war und zwischen 1931 und 1935 neu herauskam. Herausgeber für die physikalischen Beiträge war Georg Joos, der neben Felix Auerbach, Max Born, Richard Courant, Fritz Emde/Stuttgart, Gustav Mie und Fritz Wisshak/Jena die längeren Aufsätze zu allgemeinen Grundlagen bestritt. Um ein paar der speziellen Themen herauszugreifen: über Kernphysik schrieb Gerhard Kirsch/Wien, über Atomphysik Immanuel Estermann/Hamburg, über Themen der Licht-Physik schrieben Eberhard Buchwald/Danzig, Wilhelm Hanle/Jena, Günther Wolfsohn/Berlin, Georg Mierdel/Berlin, Rudolf Minkowski/Hamburg, Wilhelm Schütz/München, Peter Pringsheim/Berlin, Erich Waetzmann und Kurt Schuster/Breslau, Felix Jentzsch/Jena und Walther Gerlach/München. Iris Runge/Berlin erläuterte die Farbenmetrik und Clara Simson/Berlin Energie- und Entropiesatz. Die meisten Kurzbiographien verfaßte Emilie Drude/Göttingen. Das Gesamtwerk belief sich auf 10 Bände zu je etwa 1000 Seiten.

Parteiideologie war diesen Standardwerken mit hohem fachlichem Anspruch gar nicht und die Diskriminierung von Kollegen jedenfalls nicht auf den ersten Blick anzumerken. So referierte etwa Georg Joos im LN in einem 11-seitigen Aufsatz Einsteins Beitrag zur speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie korrekt und mit entsprechenden Literaturangaben. Erst auf der Ebene weniger anspruchsvoller Lehrbücher fiel nationalsozialistische Ideologie gelegentlich ins Auge. Philipp Lenards `Deutsche Physik', die in vier Bänden 1935 im Parteiverlag J.F.Lehmann erschien, "dem Herrn Reichs- und Preußischen Minister des Inneren, Dr. Frick, dem Förderer großer Forschung im Dritten Reich verehrungsvoll gewidmet", hatte ein antisemitisches Vorwort und wies hier und da ideologische Eigenwilligkeiten auf, erhob aber nicht den Anspruch eines wirklichen `Fachbuchs', sondern stand unter dem epikuräischen Motto: "Allen, die in wohlgegründeter Naturerkenntnis ihre geistige Ruhe suchen, zur Freude geschrieben".

* * *

Als die älteste der deutschen Fachzeitschriften erfreuten sich die betagten "Annalen der Physik" nach wie vor des Ansehens der Fachgenossen. Es gab sie als Gilberts Annalen seit 1799, später waren sie Poggendorffs, dann Wiedemanns Annalen und nachdem Paul Drude und Wilhelm Wien die Herausgeber gewesen waren, erschienen die Annalen seit 1933 mit dem 16. Band der 5. Folge bei Johann Ambrosius Barth in Leipzig unter der Ägide von Max Planck in Berlin und E. Grüneisen in Marburg 'unter Mitwirkung der DPG'. Zum Kuratorium zählten Walther Gerlach, Friedrich Paschen, Max Planck, Robert Pohl, Arnold Sommerfeld und Max Wien. Rudolf Ladenburg publizierte 1933 aus Princeton einen kleineren Beitrag über "Die wahrscheinlichsten Werte der Atomkonstanten e und h".

Seit 1845, seit dem Beginn der 'Berliner Physikalischen Gesellschaft' bestanden die 'Fortschritte der Physik', ein Referateblatt, das neuerdings im Verein mit den Verhandlungen der DPG als "Physikalische Berichte" erschien:

Die "Physikalische Zeitschrift", gegründet 1899 von E. Riecke und H. Th. Simon (auch der Vorgänger von Georg Joos beim LN), war mit dem Jahrgang 22 von 1921 in die Hände von Max Born und Peter Debye übergegangen und für kurze Zeit war Erich Hückel als Borns Assistent der Schriftleiter. Die Zeitschrift veröffentlichte u.a. regelmäßig die Vorträge und Diskussionen des jährlichen "Physikertags". Ab Band 25, 1924, erscheint die Physikalische Zeitschrift vereint mit dem Jahrbuch für Radioaktivität und Elektronik, das Johannes Stark seit Vorkriegszeiten herausgegeben hatte. R. Seeliger in Greifswald, der seit einigen Jahren Max Born abgelöst hatte, gab die Herausgeberschaft 1934 an Peter Debye ab, der das Blatt fortan 'unter Mitwirkung der PTR' (und des neuen Präsidenten Stark) herausgab. Victor Weisskopfs, am 25. Juni eingegangener, ausführlicher Beitrag zur Breite der Spektrallinien, der u.a. auf eine Diskussion mit Fritz Houtermans verwies, konnte 1934 trotz Zensur und Exil ungehindert erscheinen.

Die Physikalische Zeitschrift informierte regelmäßig über das Lehrangebot der Universitäten, über neuerscheinende Fachliteratur und über Personalia. Die Titel der Lehrveranstaltungen lassen ab 1935 die "Militarisierung" der Universität in Berlin erkennen. Akteure waren hauptsächlich Karl Becker, Erich Schumann und Arthur Wehnelt. Steffen Richter urteilte: "Nur ganz vereinzelt gelang es den Anhängern der 'Deutschen Physik', ihre polemischen Äußerungen in einer Fachzeitschrift unterzubringen, vor allem in der 'Physikalischen Zeitschrift'"[1]. Ein Beispiel: In Band 43, 1942, würdigte Johannes Stark auf der ersten Seite der Juli-Nummer "Fritz Todt als schöpferische Persönlichkeit"; Daneben ein ganzseitiges Foto Todts in Uniform: "So groß die schöpferische Persönlichkeit Todts auch war, so hätte sie doch nicht zur vollen Wirkung kommen können, wen er nicht das große Glück gehabt hätte, Zeitgenosse des größten politischen Genies der deutschen Geschichte zu sein und gerade von ihm mit einer großen Aufgabe betraut und beständig gefördert zu werden. Dem Führer Adolf Hitler dankt der deutsche Ingenieur und das deutsche Volk, daß er in Todt den großen technischen Schöpfer erkannte und ihn zu der Stelle führte, wo man seiner bedurfte..." In diesem Band war auch noch Platz - bevor es zu viele wurden? - für die toten Soldaten, ebenfalls mit ganzseitigem Foto: Ernst Brüche widmete dem Elektonenoptiker-Kollegen Walter Henneberg (1910-1942, 'Panzerschütze') einen Nekrolog und Wilhelm Grüneisen und Kurt Philip erinnerten an Hermann Reddemann ('Gebirgsjäger' in Finnland), zuletzt Assistent bei Meißner in München und Kriegsfreiwilliger.

Seit 1913 hatte Arnold Berliner "Die Naturwissenschaften" herausgegeben. Berliner hatte sich wegen Differenzen mit Walther Rathenau von der AEG getrennt, war finanziell einigermaßen unabhängig, und konnte als der Autor eines in mehreren Auflagen gut angekommenen Lehrbuchs seinen Verleger Springer zu dem neuen, nicht weniger erfolgreichen Unternehmen gewinnen. Die Naturwissenschaften brachten neben kurzen Originalmitteilungen zur Veröffentlichung anstehender Ergebnisse Aufsätze zu einem breiten Spektrum von Themen aus den Wissenschaften und über die Wissenschaften. Auch Auszüge aus den Sitzungberichten der preußischen Akademie, wie in Band 15, 1927, den Bericht Habers zu den Arbeiten über anomale Dispersion (s.o).

Im Mai 1929 hatte in Paris eine internationale Ozonkonferenz stattgefunden. Rudolf Ladenburg berichtete: Fabry und Buisson hatten 1920 zum erstenmal Ozon über Marseille gemesssen und jetzt hatte Dobson das neue Arbeitsfeld organisiert und Fabry hatte die Konferenz geleitet: "an das völlig ungetrübte kollegiale Beisammensein auf der Pariser Ozonkonferenz werden alle Teilnehmer gern und mit herzlichem Dank für die Gastgeber zurückdenken..."

Die Redaktion der "Naturwissenschaften" gab auch, ebenfalls im Verlag Julius Springer Berlin, jährlich die "Ergebnisse der exakten Naturwissenschaften" heraus. Im Band 9, 1930, hatte Fritz Houtermans neuere Arbeiten über Quantentheorie und Atomkern zusammengefaßt; Band 11, 1932 enthielt den bereits erwähnten Beitrag von Hartmut Kallmann und Hermann Schüler, "Hyperfeinstruktur und Atomkern", den Hans Kopfermann dann im 15. Band 1936 fortsetzen konnte. 1937, im 16. Band, schrieb Pascual Jordan über "Fortschritte der Theorie der Atomkerne"; 1940, in Band 19, publizierte Wolfgang Gentner, Heidelberg, eine Abhandlung zur "Erzeugung schneller Ionenstrahlen für Kernreaktionen" mit einer Abbildung eines 2 MeV Kaskadengenerators der Philips-Werke. Band 20 erschien 1942 mit einer Abhandlung von Rudolf Fleischmann, Heidelberg, und Hans Jensen, Hannover zum Trennrohr nach Clusius und Dickel. Der 21. Band, 1945 enthielt u.a. einen Aufsatz von Wilhelm Grüneisen, Marburg, zur elektrischen Leitfähigkeit bei tiefen Temperaturen.

1935 mußte Arnold Berliner sein 'Lebenswerk' aufgeben. Max Laue schrieb 1946:

"Berliner hatte sich gewünscht, die Redaktion der 'Naturwissenschaften' fünfundzwanzig Jahre, dh. bis 1938 zu führen. Es kam anders. Im Sommer 1935 sah sich der Verlag gezwungen, ihn von heute auf morgen zu entlassen. Über die Plötzlichkeit der Entlassung ist Berliner schließlich hinweggekommen und hat dem Verlag Springer gegenüber bis zuletzt Liebe und Dankbarkeit empfunden. Aber daß seine Tätigkeit überhaupt durch Zwang beendet wurde, das hat ihn in der Wurzel seines Wesens getroffen. Trotzdem hat er noch fast 7 Jahre gelebt, immer mehr bedrückt und durch die wachsende Judenverfolgung, immer mehr eingeschränkt in allen seinen Betätigungen. Schließlich zog er sich wie ein Einsiedler in seine schöne Behausung in der Kielganstraße zurück und verließ sie nur noch, wenn ein Gang zum Arzt oder zu einer Behörde dies ganz unvermeidlich machte. Lichtblicke in diese Trübnis waren zwei Reisen nach USA im Herbst 1935 und über den Sommer 1937. Zu einer Stellung, die es ihm ermöglicht hätte, drüben zu leben, führten sie leider nicht; und das hochherzige Angebot guter Freunde, welche ihm drüben eine Art Pension aussetzen wollten, schlug er stolz ab. Was ihn dann noch am Leben festhielt, das war zum Teil die Gastlichkeit, mit der er, treulichst und bis zur Selbstaufopferung unterstützt von seiner braven Haushälterin, die Freunde bewirten konnte, welche ihm bis zuletzt treu blieben; es kam viel Besuch in die Kielganstraße, auch ließ seine geistige Regsamkeit nicht nach. Immer wieder las er trotz der schlechten Augen in jenen Büchern und Werken, welche ihm den Lebensinhalt bedeuteten, schrieb Zusätze und Verbesserungen für sein Lehrbuch, obwohl es nicht mehr verkauft werden durfte; denn er hoffte bis zuletzt auf eine Wendung zum Besseren. Er hat sie nicht mehr erlebt. Als man ihn aus seiner Wohnung, der letzten Zuflucht, vertreiben wollte, führte er einen längst für diesen Fall gefaßten Entschluß aus und schied aus dem Leben. Er wurde wenige Tage darauf in einem Krematorium im Osten von Berlin feuerbestattet, und seine Asche danach auf dem schönen Friedhof der Konfessionslosen in Berlin-Westende beigesetzt. Nur die nächsten Freunde waren dabei anwesend". Die 'Naturwissenschaften' wurden 1935 vorübergehend herausgegeben von Hans Mathée und erschienen anschließend "unter Mitwirkung von A. Butenandt, P. Debye, F.K. Drescher-Kaden, H.v. Ficker, R. Grammel, O. Hahn, M. Hartmann, F. Kögl, A. Kühn, M.v. Laue, E.v. Pahlen, F. Sauerbruch, H. Stille, F.v. Wettstein, herausgegeben von Fritz Süffert", als "Organ der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärtzte" und "Organ der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften."

Seit 1920 gab die "Deutsche Gesellschaft für technische Physik e.V. unter Mitwirkung von Dr. Georg Gehlhoff und Dr. Hans Rukop" (nach dem Tod von Gehlhoff 1931 übernahm Carl Ramsauer (AEG) dessen Funktion; Mitarbeiter war Rudolf Frerichs (1901-1939)) die "Zeitschrift für technische Physik" heraus[2], die gar nicht besonders 'technisch' ausgerichtet war, regelmäßig Neuerscheinungen der gesamten Fachliteratur registrierte und besprach, und, ähnlich wie die Physikalische Zeitschrift, Nekrologe publizierte. Im Dezember 1938 schrieb Abraham Esau, Rektor in Jena und bald darauf neuer Chef der PTR, auf der ersten Seite eines Heftes über Max Wien:

"Max Wiens Arbeiten verdankt Deutschland seine ersten drahtlosen kolonialen Verbindungen, die zu Beginn des Weltkrieges einer Reihe von Kolonien in Afrika die Möglichkeit gaben, mit dem Mutterland in telegraphischem Verkehr zu bleiben..." (Esau selbst war Telefunken-Mitarbeiter in Togo (Ghana/Cote d'or) gewesen)

Auch die 'Zeitschrift für Instrumentenkunde' tangierte das Spektrum der physikalischen Periodika, besonders für Astrophysiker. Die PTR hatte, ihrem Prestige entsprechend, ihre eigenen 'Berichte aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt'.

Ab 1933 erschien, weniger umfangreich als die erwähnten jährlichen Bücher der Ergebnisse, "Die Physik in regelmäßigen Berichten", herausgegeben von Carl Ramsauer 'im Auftrag der DGTP' [3]. In Nummer 3, 1935, berichtete Gerhard Hoffmann über Atomkerne und Radioaktivität, in Nr. 4, 1936, Georg Joos und Wolfgang Finkelnburg über kontinuierliche Spektren, in Nr.5, 1937, Joos und Karl Heinz Hellwege über Linienspektren der Atome; das 8. Bändchen, 1940, handelte u.a. wieder von Atomkernen und Radioaktivität, diesmal mit einem Beitrag von Rudolf Fleischmann. Walter Friedrich und Hans Schreiber aus dem Berliner Institut für Strahlenforschung berichteten 1934 und noch einmal 1939 zu den Fortschritten der medizinischen Physik. In der zweiten Arbeit hieß es:

"Für eine praktische Geschwulsttherapie mit Kathodenstrahlen sind Spannungen von etwa 20 000 Kilo-Volt erforderlich. derartige Spannungen zu beherrschen, ist heute noch nicht möglich. Mit den jetzigen Mitteln können lediglich einige untergeordnete therapeutische Effekte an der Körperoberfläche, z. B. Epilation bewirkt werden, die auf anderem Weg einfacher zu erreichen sind... Phantommessungen zeigten, daß - abhängig von der Reichweite der Elektronen - eine Tiefendosis erhalten wurde, die bis zu 58 v.H. über der Oberflächendosis lag, diesen Effekt konnte Glocker theoretisch deuten..."
* * *

Als die "Zeitschrift für Physik" 1920 bei Friedrich Vieweg in Braunschweig zum erstenmal erschien, schrieb der Herausgeber Karl Scheel zur Ankündigung:

"Die 'Verhandlungen' der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die im Jahre 1882 als 'Verhandlungen' der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin begründet worden sind, vollendeten mit Ablauf des Jahres 1919 ihren 38. Jahrgang... Der Krieg hat den 'Verhandlungen' schwere Wunden geschlagen. Unter der Wirkung behördlicher Maßnahmen und weil ein großer Teil ihrer Freunde unter den Fahnen stand, ging der Umfang der 'Verhandlungen' stark zurück; aber schon das erste Friedensjahr 1919 brachte ein neues Wachsen, das trotz der Ungunst der politischen Verhältnisse noch weiter anhält. Unter diesen Umständen entschloß man sich in Absprache mit dem Verleger Friedrich Vieweg, Braunschweig, die Abhandlungen aus den 'Verhandlungen' ganz herauszunehmen und in einer neuen Zeitschrift zu publizieren..."

Den Eröffnungsbeitrag dieser neuen Zeitschrift hatte James Franck geliefert: "Bemerkungen über die Intensitätsverteilung in Serienspektren":

"Die Verteilung der Lichtintensität auf die einzelnen Glieder einer Serie hat nach Aufstellung der Bohrschen Atomtheorie ein erneutes Interesse gewonnen, einerseits vermag man aus ihr Schlüsse zu ziehen über die Häufigkeit der verschiedenen Sprünge eines Elektrons von einer Bahn zur anderen, das heißt man kann aus ihr ein Auswahlprinzip der Grobstruktur der Serie ableiten, andererseits sucht man aus der Intensität und Sichtbarkeit der höheren Glieder einer Serie ein Maß für die Existenzmöglichkeit der angeregten instabilen Atome in ihrer Abhängigkeit vom Gasdruck zu gewinnen."

Franck resümierte bisherige Ergebnisse:

"Auf die Wichtigkeit, die bei elektrischer Anregung der Geschwindigkeitsverteilung der anregenden Elektronen bei der Untersuchung von Spektren zukommt, hat wohl als erster und am intensivsten J. Stark (s. zum Beispiel Jahrb. der Radioaktivität und Elektronik 1917, S.139) hingewiesen in seinen und seiner Mitarbeiter zahlreichen Arbeiten, die ihn zu einer Zuordnung der verschiedenen Spektren zu verschiedenen Ladungszuständen der betreffenden Atome geführt haben..."

Oder auch:

"zu erwarten sind Einwirkungen der Zusammenstöße und Ablenkungen durch Reflexion. Vermutlich haben diese einen Einfluß auf die mittlere Lebensdauer der erregten Atome (die Berechtigung, hier von freien Weglängen der Elektronen im Sinne der kinetischen Gastheorie zu sprechen, ergibt sich aus dem experimentellen Befunde der Messung der freien Weglänge von Elektronen durch Lenard (Ann. d. Physik 12, 714, 1903) und J. Franck und G. Hertz (Verh. d. DPG 15, 373, 1913...) die man sich so weit abgekürzt denken kann, daß das Elektron nur einen Teil seiner meist außen liegenden Planetenbahn wirklich durchläuft."

Die "Zeitschrift für Physik" war bald das unbestrittene Hauptorgan der 'neuen Physik', der Arbeitsgebiete Atom- Kern- und Quantenphysik..

Karl Scheel (1866-1936) war um 1900 in die Redaktion der von R. Börnstein herausgegebenen "Fortschritte der Physik" eingetreten, hatte 1902 die Schriftleitung der "Verhandlungen" übernommen und seit 1919 die in den "Physikalischen Berichten" vereinigten drei Organe redigiert. 1923 übernahm er außerdem als Nachfolger Börnsteins die Herausgabe des Physikalisch-Chemischen Tabellenwerks "Landolt-Börnstein" und auch noch die Herausgabe des "Handbuch der Physik". Als er 1936 starb, hatte die Zeitschrift für Physik 104 Bände. Vom 5. Band an war Springer in Konkurrenz zu Vieweg getreten und mit dem 32. Band 1925 wurde Springer alleiniger Verleger. Die Bände wurden doppelt so umfangreich und die Zahl der Bände stieg von 3,5 1925 auf 7-8 pro Jahr 1929 bis 1933. In dieser Periode hatte die Zeitschrift so etwas wie ein internationales 'Monopol'. 1933 fiel der Umfang auf 5-6 und nach "Anschluß" und "Sudetenkrise" auf 2-3 Bände im Jahr. 1944, als überall die Publikationstätigkeit mehr und mehr zum Erliegen kam, erschien noch ein Band. 1936 hatte Hans Geiger die Herausgabe übernommen. Nur einmal, noch zu Lebzeiten Scheels, waren 'Deutsche Physiker' unter Anführung von Hugo Dingler in der Zeitschrift massiv zu Wort gekommen: in den Bänden 94 und 95 von 1935.

In der neuen Zeitschrift publizierten u.a. Kasimir Fajans, Bernhard Gudden, Gerhard Hettner, Paul Knipping, Walter Kossel, Robert Wichard Pohl, Michael Polanyi, Fritz Reiche, Heinrich Rubens, Erwin Schrödinger, Adolf Smekal, Arnold Sommerfeld, Otto Stern, E. Waetzmann, Wilhelm Westphal. Im ersten Band verteidigte Joseph Petzold auf wissenschaftsphilosophischer Ebene eine empirio-kritische Sicht der Relativitätstheorie gegen Helge Holst aus Charlottenlund und rief das Prinzipielle einer solchen Anschauung ins Gedächtnis:

"Wir sehen, der absichtlich eingenommene Standpunkt der Beschreibung physikalischer Erfahrung wird nicht eingehalten, die Theorie steht unter dem unbemerkten Einfluß metaphysischer Denkgewohnheiten, und es ist nicht möglich, sie rein als Bild gelten zu lassen. Die Neigung, über die Erfahrung hinauszugehen, zeigt sich auch in den Betrachtungen über die Frage der Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt. Von einer Erkenntnistheorie, für die das letzte Kriterium die Erfahrung und Erfahrungsmöglichkeit ist, muß diese Frage überhaupt als logisch unzulässig abgelehnt werden. Es gibt keine Theorie, die uns zu irgendwelchen Schlüssen über unerfahrbares berechtigen könnte. In diesem Punkte können wir auch nicht mit Einstein gehen. Die einzige erkenntniskritisch zulässige Möglichkeit scheint mir hier zu sein, die gegebene endliche Erfahrungswelt auf ein endliches oder unendliches Raum- oder Raum-Zeit-Gebiet - vielleicht zu methodischen Zwecken - abzubilden. Aber über die wirkliche Welt hier auch nur hypothetische Aussagen machen, das heißt in Anbetracht der begrenzten Tragweite unserer Sinnesorgane: sich die Dinge nach dem Denken richten lassen; von unseren Begriffen aus über die Welt verfügen, in die rationalistischen Fehler Kants, der nach kantischen idealistischen Philosophie, der Clausiusschen Entropielehre usw. verfallen
Legen wir trotz alledem sämtlichen Aufstellungen der Holstschen Theorie den Charakter der 'Bilder' bei, so können wir ihr doch auch dann noch nicht zugestehen, daß sie 'mehr wesentliche Beziehungen des Gegenstandes widerspiegelt' als die Einsteinsche, denn gerade die wichtigste Einsicht, die von der Relativitätstheorie in den Vordergrund unseres Bewußtseins gerückt worden ist, daß sie die Erfahrung Raum, Zeit und Bewegung als durchaus relativ erweist und ihnen den newtonschen absoluten Charakter vollständig nimmt, wird von ihr zugunsten der Abstellung eines vermeintlichen Mangels an Berücksichtigung der Kausalität geradezu geopfert. Seitdem wir wissen, daß das Licht auf krummen Linien geht, könnn wir nicht mehr allgemein erwarten, daß die Summe der Dreieckswinkel gleich zwei rechten ist, können wir also der Natur nicht mehr den euklidischen Raum aufzwingen..."

Im ersten Band auch Erwin Schrödinger mit einem Wiener Vortrag über "Farbenmetrik" in lyrischem Sprachgestus:

"Wir glauben nicht, das 'Rätsel der Farbe endlich und endgültig gelöst', wohl aber einen fruchtbaren Weg wieder freigelegt zu haben, den des Altmeisters (Hermann Helmholtz) glückliche Intuition erspäht, sein Fuß unter leichtem Straucheln betreten hatte, weshalb ihn die weitere Forschung seither für ungangbar gehalten und gemieden hatte". Während Hermann Schüler in der "Zeitschrift für Physik" ab Band 56 bis Band 100 31 Arbeiten, zum Teil mit Mitarbeitern, veröffentlichte, hat Hans Kopfermann im gleichen Zeitraum 12 Publikationen verfaßt, in Band 56 zusammen mit W. Tietze über Absorption im Quecksilberdampf, in Band 61 zusammen mit H. Schweitzer über Banden des zweiatomigen Kohledampfes und erst ab Band 73 zur 'Kernphysik', angefangen mit der Hfs des Cs.

Schüler unterstrich seine Rolle als führender spektroskopischer Kernphysiker in Band 88, 1934 mit einem heuristischen Modell zur Darstellung der Hfs-Ergebnisse:

"Diese Arbeit stellt, nachdem experimentelle Befunde den Aufbau der Atomkerne durch zwei Vektoren als prinzipiell unmöglich erwiesen haben, einen Versuch dar, durch ein drei-Vektoren-Schema den Aufbau der Atomkerne zu beschreiben. Das dazu benutzte Modell stellt alle bisher bekannten experimentellen Befunde befriedigend dar. Bei dem augenblicklichen Stand der Atomforschung scheint dem Verfasser solch ein prinzipieller Versuch gerechtfertigt zu sein, selbst auf die Gefahr hin, daß sich die Verhältnisse im Atomkern später als wesentlich komplizierter erweisen sollten...
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, daß mir Diskussionen mit den Herren Delbrück, Grotrian, Heisenberg und Kallmann manche wertvolle Anregung gegeben haben... bei der Durchführung der Rechnungen haben mich Fräulein Schröder und Herr cand. phil. Gollnow tatkräftig unterstützt".

Die 'etwas unglücklichen Liebe zur Theorie' seines älteren Kollegen, von der Theodor Schmidt, - bald darauf Schülers Mit-Entdecker der Kernquadrupolmomente - im Rückblick sprach, mag hier zum Ausdruck gekommen sein, aber vielleicht auch erste Gedanken für ein "Kernschalenmodell", das anderthalb Jahrzehnte später 'spruchreif' wurde.[4]

Frauen nehmen unter den Autoren der Fachöffentlichkeit nicht gerade breiten Raum ein, umsomehr fällt auf, wenn in den "Annalen" 1919 Maria Anna Schirmann aus Wien über Dispersion und Polychroismus des an Teilchen gebeugten Lichtes berichtet und Martha Schubert zusammen mit Clemens Schaefer aus Breslau über die Rolle des Kristallwassers und die Struktur der Atome. Oder wenn im ersten Band der "Zeitschrift für Physik" Elisabeth Bormann zusammen mit Max Born zur Elektronenaffinität des Schwefels publiziert und allein mit der Korrektur einer Rechnung von Alfred Landé;. wenn 1929 Sibylle Tolksdorf ihrer Kollegin Gerda Laski (1893-1928) in der "Physikalischen Zeitschrift" einen Nekrolog verfaßte[5], und wenn 1943 in den "Annalen" Anne-Marie Rosa aus dem II. Institut in Göttingen über eine 1941 durchgeführte, von Karl-Heinz Hellwege angeregte Messung von Absorptionsspektren von Dysprosium-Salzen berichtet und im gleichen Jahr Ilsemarie Schaper mit A. Becker aus dem 'Philipp-Lenard-Institut' in Heidelberg über Phosphoreszenszerstörung. Frauen sind nicht abwesend, aber auch eine vollständigere Aufzählung ihrer Arbeiten würde keine Zweifel an der Dominanz der Männer aufkommen lassen.

* * *

Äußerlich, aber auch in den Inhalten, brachte das Regime keine spektakulären Veränderungen in den physikalischen Fachpublikationen. Die einzige Neuerscheinung von 1933, Carl Ramsauers 'Physik in regelmäßigen Berichten' lag höchstens mehr oder weniger im Trend zur gewünschten `Anwendungsorientierung'. Die einzige nationalsozialistische Neugründung, die hier in Betracht kommt, die "Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft, einschließlich Naturphilosophie und Geschichte der Naturwissenschaft und Medizin" existierte erst ab 1935 und visierte erklärtermaßen über die Fachgrenzen hinaus eine Art Metaebene an. Herausgeber waren anfänglich der Anatom A. Beninghoff, der Physikochemiker K. L. Wolf und der Geologe K. Beurlen im Verein mit K. Hildebrandt, alle Kiel, 'unter Mitarbeit' von K. Adler, ebenfalls Kiel und Ludwig Bieberbach, Berlin. Im Redaktionskollegium fungierten Buddenbrock-Hettersdorf, Kiel, H.G. Gadamer, Marburg, M. Heidegger, Freiburg, Adolf Meyer (-Abich), Hamburg, P. Pfeiffer, Bonn, G. Scheibe, München, H. Siebke, Bonn, A. Thienemann, Plön, W. Troll, Halle, J. Uexküll, Hamburg, Otto Verschuer, Frankfurt, H. Weber, Danzig, Victor Weizsäcker, Heidelberg. Verlegt wurde bei Friedrich Vieweg und Sohn.

Im ersten Beitrag bezog sich Kurt Hildebrandt auf Pascual Jordan, "Über den positivistischen Begriff der Wirklichkeit":

"In diesem Sinne darf gesagt werden, daß die positivistische Methode gar nichts anderes ist, als die wissenschaftliche Methode in reinster Form"

und erläutert das neue Programm:

"Damit dürfte er (Jordan K.S.) nicht nur den Sinn des sogenannten Positivismus richtig wiedergeben, sonderen den Geist der 'Wissenschaft' des 19. Jahrhunderts überhaupt. Diese Frage ist heute aus der Ebene reiner Wissenschaftstheorie in das Gebiet der exakten Forschung gerückt, seitdem die Atom- und Elektronenforschung an der Grundlage der klassischen Wissenschaft, am Gesetz des unbedingten Determinismus rüttelt. Der Naturforscher wird in eine Debatte gezogen, die er seit Jahrzehnten als einen Streit um leere Worte abzulehnen pflegte. Die Forschung ist gezwungen, sich in ganz anderem Sinne mit dem lebendigen Grundgeschehen der Wissenschaft, mit der Bedeutung des Wortes 'Natur' zu beschäftigen, als dies in abstrakten logischen Erwägungen bisher mehr vernebelnd als klärend geschah."

An anderer Stelle bezog der Autor sich auf einen Satz Albert Einsteins aus einem Arnold Berliner zum 70. Geburtstag gewidmeten Aufsatz:

"Unsere Erziehung zum Objektiven hat nämlich aus allem persönlichen ein 'Tabu' gemacht",

und kommentierte:

"Nur das privatpersönliche sollte die Wissenschaft ausschalten, aber Einsteins Lehre ist in der Tat das schönste Zeugnis, wie der Positivismus den Ausschluß des winzigen Individuums zum Ausschluß des ganzen schöpferischen allgemein-subjektiven Weltprinzips erweitert".

Ein paar Seiten weiter wird dann bezüglich der Relativitätstheorie die Feststellung getroffen:

"Aber selbst angenommen, diese unanschauliche Korrektur von Raum und Zeit sollte sich als notwendig erweisen, so bliebe dennoch bestehen: euklidische Anschauung ist für den Menschen echte Erkenntnis, bloße Rechnung bleibt Surrogat..."

Erich Schneider hatte in seiner "Entwicklungsgeschichte der naturwissenschaftlichen Weltanschauung" geschrieben:

"Wagen wir zu behaupten, daß der Kampf der Weltanschauungen oft nur der Kampf um den Gebrauch gewisser Worte ist."

H. Poltz meinte dazu in einer Rezension:

"Der Leser aber fragt sich, ob das nun Ahnungslosigkeit ist oder politische Tendenz".

Zu Karl Kötschaus (s.o) Buch "Zum Aufbau einer biologischen Medizin" (Leipzig, 1934) ergänzte der Rezensent H. Siebke:

"Zu diesem Aufbau brauchen wir die Mitarbeit aller einsichtigen Ärzte". Ohne besondere ideologische Profilierung schrieben Ludwig Bieberbach über "Zweihundert Jahre Differentialrechnung", Jakob Uexküll über "Die Bedeutung der Umweltforschung für die Erkenntnis des Lebens", S. Bubnoff über "Erdgeschichte und Bewegungsbild der Erde", Karl Lothar Wolf und Rembert Ramsauer über "Daniel Sennert und seine Atomlehre", Else Wentscher über "Mechanismus in der Biologie", Adolf Meyer über "Das Leib-Seele-Problem in holistisch-biologischer Bedeutung". Hermann Weber veröffentlichte sein Referat im Schulungslager der Danziger Deutschen Dozentenschaft zu "Lage und Aufgabe der Biologie in der deutschen Gegenwart" .

Physiker traten in der Zeitschrift kaum in Erscheinung: Walther Gerlach renzensierte Peter Debyes "Kernphysik". Physiker kamen, dem Programm der Zeitschrift entsprechend, mit einer `wissenschaftsphilosophischen' Dimension zur Sprache, etwa, wenn Kurt Hildebrandt fand, daß Grete Hermann in ihren Diskussionen mit Heisenberg, "Die naturphilosophischen Grundlagen der Quantenmechanik", Berlin 1935, die Bedeutung der Quantenmechanik klar dargestellt habe.

Im zweiten Band, 1936/37, publizierte Adolf Meyer gemeinsam mit Karl Kötschau "Theoretische Grundlagen zum Aufbau einer biologischen Medizin". Karl Lothar Wolf ging mit Heisenbergs drei Vorträgen "Wandlungen in den Grundlagen der Naturwissenschaft", Leipzig 1936, scharf ins Gericht: "Mag auch manche Einzelheit treffend 'formuliert' sein, so überwiegt im ganzen doch zu sehr der Eindruck eines Intellektualismus, der sich in nicht endender Diskussion erschöpfen muß. Die Häufung schwieriger und 'unscharfer' Fremdwörter stellt gerade in diesem Vortrage die Forderung, daß noch 'vor aller Wissenschaft eine Reinigung der Sprache von ... unklaren Begriffen' angestrebt werden sollte; denn mehr als 'gewissermaßen nur tastende Versuche, uns in der Fülle der Erscheinunen zurechtzufinden', möchten wir in einem im Druck erschienen Vortrage Heisenbergs doch schon sehen".

Noch 1937 erschien der 3. Band. Mit ihm wurde die Zeitschrift das Organ der Reichsfachgruppe Naturwissenschaft der Reichsstudentenführung, die Schriftleitung wurde nach München verlegt und als Herausgeber fungierten jetzt Ernst Bergdolt[6], Fritz Kubach[7] und Bruno Thüring[8]. Die Redaktion fiel damit in den Zuständigkeitsbereich des neuen, seit November 1936 amtierenden 'Reichsstudentenführers', Gustav Adolf Scheel, Obersturmbannführer (Oberstleutnant) der SS. Jetzt, mit Beginn der Durchbruchsphase des Regimes, trat die antisemitisch polemisierende 'Deutsche Physik' im Kreis um Hugo Dingler mit methodischem, wissenschaftsphilosophischem Anspruch in Erscheinung[9].

"Die Aufgabe der Zeitschrift liegt in der Pflege wissenschaftlicher Haltung, wie sie deutschem Wesen entspricht. Alle Bereiche der Naturwissenschaften und ihrer Grenzgebiete sollen Gegenstand der Betrachtung sein, sowohl in ihren weltanschaulichen Voraussetzungen, wie ihrem geschichtlichen Werdegang, ihrer untrennbaren Verknüpfung mit den Persönlichkeiten der großen Naturforscher und dem Fortgang der wissenschaftlichen Forschung zu neuen Ergebnissen". Zum 75. Geburtstag würdigte L. Wesch aus Heidelberg Philipp Lenard als Vorbild und Verpflichtung in der neuen Zeit, im Gegensatz zu einer anderen, wie folgt beschriebenen: "Hypothesenmacher wurden zu Nobelpreisträgern erklärt, Einstein und Marx waren die Götzen jener Zeit".

Zur Geschichte des Heidelberger Instituts hieß es dort:

"Der Institutsbetrieb war noch 6 Jahre lang auf die kaum zureichenden, wenn auch gegen früher erweiterten Räume im Friedrichsbau angewiesen. Dann konnte 1913 der am Hang des Heiligenbergs jenseits des Neckars errichtete umfangreiche Neubau des Physikalisch-radiologischen Instituts bezogen werden, das seine Benennung der Angliederung eines 1909 aus Stiftungsmitteln gegründeten radiologischen Instituts verdankt".

Und über Lenard :

"sein Denken "führte ihn schon 1919 zu Adolf Hitler, in dem er mit seherischem Blick den Retter Deutschlands erkannte. Das Institut am Heiligenberg wurde damit zu einer Kampfstätte für den Nationalsozialismus, in der die klar sehende akademische Jugend sich begeistert um ihren Lehrer scharte, und die Unerschütterlichkeit dieser Hochburg für die völkische Erneuerung stand fest, nachdem sie in dem bekannten Institutssturm des 27. Juni 1922 (Lenard hatte sich ostentativ geweigert, zur Trauer um Walther Rathenau halbmast zu flaggen K.S.)) und den darauffolgenden Ereignissen ihre Feuerprobe bestanden hatte." Unter der neuen Herausgeberschaft erfuhr der Leser auch, daß Gaudozentenbund und Gaustudentenbund in München 1937 eine Vortragsreihe "Das Judentum in der Wissenschaft" veranstalteten und Bruno Thüring über "Physik und Astronomie in jüdischen Händen" referierte (Sein Beitrag erschien in Band 3, S.55), daß "Nature" zur Greuelpropaganda übergegangen sei und seit 1933 in Deutschland und Italien eine 'antifaschistische Spitzel- und Schnüffelorganisation' betreibe. Karl Uller publizierte "Der Sturz der reinen und relativistischen Feldphysik durch die Wellenkinematik" und Thüring widmete dieser Theorie in "Die Wellenkinematik von Karl Uller" seine Aufmerksamkeit, die er ihr noch einmal 1978 im Wandel des 'Zeitgeistes' - und des 'Dingler-Kreises' - als 'Protophysiker' schenkte [10]. Hugo Dingler war vertreten mit "Die Physik des 20. Jahrhunderts". In Band 4, 1938 schrieb Johannes Stark über "Experimentelle Fortschritte der Atomforschung": "Für einen wahren Naturforscher ist es selbstverständlich, daß diese Probleme (der neueren Physik K.S.) nicht auf dogmatischem Wege durch willkürliche, wenn auch mathematisch noch so anspruchsvoll eingekleidete Annahmen und darauf gegründete, formalistische, Theorien mit Unterstützung einer ausgedehnten Propaganda abgelöst werden können, sondern allein durch die geduldige und gewissenhafte experimentelle Forschung." Hugo Dingler äußerte sich "Zur Entstehung der sogenannten modernen theoretischen Physik".

Nicht zu übersehen war 1939 ein Verlagswechsel: mit dem Band 5 erschien die Zeitschrift im Verlag der Ahnenerbe-Stiftung Berlin-Dahlem, im engeren Einfluß- und Kontrollbereich Himmlers und der SS. Dieser Wechsel mag eher die Zentralisierung der Kontrolle über die ideologische 'Neuausrichtung' der Naturwissenschaften bedeutet haben, als ihre besondere Förderung.

L. Glaser, München, erging sich in Ausfällen gegen die Berliner Physiker, gegen Emil Warburg und Heinrich Rubens und ihre Schüler, gegen Fritz Haber und Erwin Finley-Freundlich, vor denen Paul Knipping zu Lenard habe flüchten müssen: "die Unterlagen liegen mir in persönlichen Mitteilungen meines Freundes und SA-Kameraden vor" Und während Heisenberg nach eigener Aussage 1930 zur Verbreitung eines 'Kopenhagener Geistes der Quantenmechanik' habe beitragen wollen, habe der Nationalpreisträger Lenard das passende dazu gesagt: "Man kann diese schematischen Rechnungen mit Spektren die 'Börsianer-Optik' nennen, weil sie sich ebensowenig mit den Vorgängen im Atom befassen, wie die Gedanken jener Menschen mit den Vorgängen in den Fabriken, von denen sie bloß 'Papiere' verhandeln..." Glaser sah sich fortwährend als Kämpfer 'um eine unbeschwerte Jugend'. Eduard May[11], Göttingen, Autor eines von der preußischen Akademie preisgekrönten (Eduard Spranger, Nicolai Hartmann waren Preisrichter) Buches "Am Abgrund des Relativismus", riet zur Zurückhaltung im Lob von Jan Smuts 1938 in Berlin erschienenem Werk "Die holistische Welt", "weil die Einsteinsche Lehre als Generalbaß der holistischen Symphonie auftritt". In Band 6, 1940 F. Requard mit "Physik und Erbcharakter", Hugo Dingler mit "Methode der Physik", Wilhelm Müller mit "Über L. Zehnders Darstellung des physikalischen Weltganzen".

1941 sind als Mitherausgeber versammelt: Hugo Dingler, Wilhelm Francke, München, Philipo Luetzelburg, Berlin, Wilhelm Müller, Ernst Rüdin, München, Johannes Stark, Berlin, Rudolf Tomaschek, München, Theodor Vahlen, Berlin, Heinrich Vogt, Heidelberg.

Zum Band 7 in diesem letzten Jahr der Durchbruchsphase trug Bruno Thüring mit antisemitischen Tiraden bei[12]. Hugo Dingler wurde geehrt. Er selbst war mit dem Beitrag "Das eindeutig methodische System" vertreten, M. Toepler mit "Gedanken über eine natürliche, deutsche Physik", Wilhelm Müller mit "Dinglers Bedeutung für die Physik", Bruno Thüring mit "Hugo Dinglers Werk, ein Kampfruf und Aufschwung deutscher Wissenschaft", Eduard May mit "Dingler und die Überwindung des Relativismus". Das Ganze einschließlich Porträtfoto mit unübersehbarem Parteiabzeichen. Mit dem Band 8 von 1942 wurde Philipp Lenards 80. Geburtstag gefeiert. Rudolf Tomaschek schrieb über "Lenards Äthervorstellung"; Horst Teichmann (von dem Lenard nichts hielt[13]) über "Philipp Lenard und die theoretische Physik", F. Kubach über "Philipp Lenard - der deutsche Naturforscher".

Werner Heisenberg publizierte 1943 im Band 9 der Zeitschrift eine Absage an die 'Deutsche Physik', Hugo Dingler kommentierte. Auf die näheren Umstände dieser Veröffentlichung wird noch einzugehen sein.

In den letzten Heften, die als 10. Band 1944 noch erschienen, besprach Bruno Thüring Pascual Jordans "Die Physik und das Geheimnis des organischen Lebens", P. Drossbach schrieb "Über den Unterschied zwischen klassischer und nichtklassischer Physik":

"so kann man auf der Grundlage der von H. Dingler festgestellten Bedingungen des Experiments die Alleingeltung der klassischen Physik im direkten Experiment beweisen, so daß also die nichtklassische Physik immer nur provisorischen Wert hat".[14]

Noch einmal kam auch Karl Kötschau, Nürnberg, zu Wort mit "Über endogene und exogene Forschung":

"Die Völker, die den Weg zu endogenem Denken und damit zur rassischen und erbbiologischen Sicherung ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit nicht finden, werden in den großen Auseinandersetzungen, ohne die nun einmal das Leben nicht möglich ist, sich nicht durchsetzen können. Wir sind in der glücklichen Lage, von uns sagen zu dürfen, daß die Notwendigkeit einer deutsch-endogen bestimmten Wissenschaft vom Nationalsozialismus klar erkannt worden ist."

War sie bis 1937 eher ein Versuch, u.a. holistische, vor allem an Biologie orientierte, Debatten ideologisch mit dem Nationalsozialismus zu verbinden, so war die Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft ab 1937, als die Redaktion nach München verlegt wurde, vor allem auch die Plattform des Dingler-Kreises, der Philipp Lenard und (weniger) Johannes Stark zu quasi "Ehrenmitgliedern" ernannt hatte. Der Kreis lieferte dem systemspezifischen Rassismus Konstruktionen zu seiner 'Verwissenschaftlichung', nach dem Muster von Hugo Dinglers 1936 erschienenem Buch 'Tierseele und Menschenseele'. Er situierte sich im 'Ahnenerbe' mit dem Anspruch, für die natuwissenschaftliche Forschung, besonders die physikalische, eine 'Orientierungswissenschaft' zu sein, zumindest eine systematische Methodologie zu liefern. Daß er mit letzterer nicht 'landen' konnte, lag vielleicht weniger an ihrer spezifischen Konstruktion, als daran, daß sich die Wissenschaft unter dem Druck technischer Rationalität und im Zwang korporatistischer Verhältnisse zwar nicht erst dann, aber doch beschleunigt im Nationalsozialismus und im Zug nationalsozialistischer 'Militarisierung', jeder 'Philosophie' entzog. Dem 'Machtkartell' war, trotz ambivalenter Tendenzen, letztlich an technischer Rationalität gelegen.

Über Hugo Dingler (1881-1954) hieß es 1969 in einer von Kuno Lorenz und Jürgen Mittelstraß eingeleiteten Neuausgabe der 1955 posthum erschienenen Arbeit "Die Ergreifung der Wirklichkeit" unter dem Titel "Die methodische Philosophie Hugo Dinglers": "Er ist der Begründer einer methodischen Philosophie der Wissenschaft auf dem Fundamentalprinzip des aktiven Willens, des Handelns". Dingler lehrte von 1920 bis 1932 in München, dann in Darmstadt bis zur Zwangspensionierung 1934, die ihn jedoch am 'historischen Fortschritt' des Nationalsozialismus nicht zweifeln ließ. 1926 war der Titel "Der Zusammenbruch der Wissenschaft" mit dem kleingedruckten Zusatz "und der Primat der Philosophie" versehen. Damals hatte Albert Einstein für Dingler das Verdienst, überholte Voraussetzungen 'wirklich praktisch' aufgegeben zu haben, so daß 'alles ins Wanken' geriet. Damit stellte sich die 'Geltungsfrage' für 'Theorien' allgemein und die ließ sich nach Dingler bisher weder erkenntnistheoretisch noch sonst wie beantworten; das war die Problematik der sein Interesse galt. Die genannten Kommentatoren schrieben, er habe an die Stelle des 'neuzeitlichen meditativen Cartesianismus' einen 'operativen' treten lassen - der Leser mag ahnen, wo die Faszination für den Nationalsozialismus, falls es sich um eine solche handelte, in Dinglers Denken Eingang fand. Trotz des Handlungscharakters sei dies Denken jedoch 'monologisch'. Dingler selbst führte sich (in "Zusammenbruch...") so ein: "Wir sahen, daß es zwei entscheidende Punkte in der Geschichte des rationalen Denkens gab: Die Aufstellung der Geometrie in ihren Grundbegriffen durch die alten Pythagoreer und die Aufstellung der Grundbegriffe der rationalen Physik bei Galilei und Newton. Es gibt aber noch einen dritten solchen Punkt, das ist die Erkenntnis des Wesens der Methode, nach der das alles geschah. Diese findet der Leser im vorliegenden Buche". Was Dingler bewogen hat, seine 'Logik' der 'reinrassigen Weltanschaung' anzudienen, bleibe dahingestellt. Sein Denken war leider 'operativ' im Umkreis elitärer 'Wegbereiter der Zukunft' und wenn es nicht gar den Weg zum Massenmord bereitete, im Weg stand es ihm nicht.


[1]Steffen Richter, "Die 'Deutsche Physik'" in Herbert Mehrtens und Steffen Richter Hg., Naturwissenschaft, Technik und NS-Ideologie, Frankfurt (Suhrkamp) 1980, S.116

[2] Zur Z. f. techn. Physik und zur Deutschen Gesellschaft für technische Physik s.a. Dieter Hoffmann, Edgar Swinne, Über die Geschichte der "technischen Physik" in Deutschland und den Begründer ihrer wissenschaftlichen Gesellschaft, Georg Gehlhoff, Berlin 1994.

[3] Die Planung der 'regelmäßigen Berichte' (im Verlag Johann Ambrosius Barth) hatte vor 1933 begonnen. Ihr Redakteur war, bis zu seinem Tod 1939, Richard Swinne. Swinne redigierte, nach dem Tod von W. Hort, 1938 / 1939, auch die Z. f. techn. Physik und fungierte als wissenschaftlicher Berater des Verlages Johann Abrosius Barth für die Fachgebiete Physik und physikalische Chemie. Die redaktionelle Tätigkeit war eine nebenberufliche, hauptberuflich war er Mitarbeiter bei Siemens. - Mein Dank geht an Edgar Swinne für freundliche Ergänzungen und Korrekturen.

[4]Schülers Darstellung von Otto Sterns und Immanuel Estermanns vorläufigen, noch in Hamburg, im Sommer 1933 gewonnenen, Ergebnissen zur Größe des magnetischen Moments des Neutrons, führte zu einem Dementi durch Otto Stern, jetzt aus Pittsburg, im nächsten Band der Zeitschrift und zu einer Erwiderung Schülers, er habe ein Telefongespräch, das Stern in jenem Sommer in Berlin - bei Arnold Berliner - mit ihm geführt habe, offenbar mißverstanden, im übrigen würden die jetzt von Stern mitgeteilten Deuteronergebnisse ins vorgeschlagene Schema passen.

[5]Phys. Zeitschrift 30, 1929, 409: Tolksdorf schrieb, daß Gerda Laski in Wien aufgewachsen, mit 15 Jahren von der jüdischen zur katholischen Religion übergetreten sei, der Jugendbewegung angehangen habe, bei Ehrenhaft studierte, im Krieg als Krankenpflegerin tätig war, und 1917 mit der Größenbestimmung submikroskopischer Teilchen promovierte. Sie arbeitete bei Debye in Göttingen, bei Rubens in Berlin, seit 1924 im Faserstoffinstitut der KWG bei R.O. Herzog und seit 1928 in der PTR. Zusammen mit Tolksdorf zeichnete sie einen Beitrag im "Handbuch der Physik" zur Ultrarot-Physik.

[6](1902-1948), seit 1935 in München habilitiert für Botanik, NSDAP-Mitglied seit 1922 und 1936 Hauptakteur der NSDDB-Gruppe, die erfolglos versuchte, Karl Frisch (einem größeren Pubikum als 'Bienenforscher' bekannt) vom zoologischen Lehrstuhl zu vertreiben. Vgl. Ute Deichmann, a.a.O., S.272 f.

[7]Leiter der 'Reichsfachgruppe Naturwissenschaft' des NSDStB

[8](1905-1989) Habilitation in Astronomie Heidelberg 1935, Observator und Dozentenführer Uni München 1936-39, 1940-45 Professor Univ. Wien, 43-45 Soldat. Spruchkammerverfahren 1949: Minderbelasteter, 1950 Mitläufer. Diese und weitere Angaben s. Freddy Litten, Astronomie in Bayern 1914-1945, Stuttgart, Steiner, 1992, S. 225, 256

[9]Ute Deichmann, a.a.O., S.336 hat aus einem Brief Rudolf Mentzels an Fritz Kubach vom 5.8.1937 (BAK, R73/15952) zitiert, daß (im Zug der redaktionellen Umorientierung?) die Vorstellung ventiliert wurde, Zeitschriften wie 'Nature' und 'Die Naturwissenschaften' müßte man das Wasser abgraben, ein "unerfreuliches, aber leider bislang notwendiges liberales wissenschaftliches Publikationsorgan (müßte) mit legalen Mitteln erdrückt werden", was Mentzel jedoch nicht (mehr) möglich schien.

[10]Bruno Thüring, Einführung in die Protophysik der Welle, erschienen als Band 52 von Erfahrung und Denken, Alwin Diemer Hg., Berlin 1978; zu Thürings Karriere s. Freddy Litten, a.a.O.

[11]Eduard May (1905-1956), Zoologe, zog 1941 nach München, wo er sich 1942 als Naturphilosoph ('Dinglerianer') habilitierte. Kein Parteimitglied. Ab 1943 Forschungsauftrag mit Dringlichkeitsstufe SS im Rahmen des Ahnenerbe und der 'wehrwissenschaftlichen Zweckforschung' in Dachau über 'menschenschädigende Insekten' (biologische Kriegsführung). In Nürnberg freigesprochen aufgrund der Aussage von Wolfram Sievers, daß er sich geweigert habe, wie August Hirt und andere in seiner Umgebung, Versuche an Menschen zu machen. Ab 1951 o. Professor für Philosophie FU Berlin. Vgl. Ute Deichmann, a.a.O., S.234 f. In 'Kleiner Grundriß der Naturphilosophie', Meisenheim (Hain) 1949 ging der Autor mit keinem Wort auf die vormalige rassistische 'Verpackung' der von ihm vertretenen Ansätze ein.

[12]Vgl. a. Freddy Litten, a.a.O., S.225

[13]Steffen Richter, loc.cit., S.136, Fußnote 50

[14]Vgl. Ebenda, S.134, Fußnote 34

 

E: 1 2 3    I: 1 2 3 4 5 6 7 8 9   II: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   III: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 A: 1    INH

Bemerkungen/Kritik: ks@aleph99.org