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Die 'Professorenschmiede'

Richard Gans hatte Ende 1946 München und Deutschland verlassen, auch weil ihm damals die Zukunft für physikalische Laborarbeit dort zu düster schien. Schon ein Jahr später sah das ganz anders aus. Nachdem die Westalliierten in rascher Folge industriepolitische Entscheidungen getroffen hatten, die der Wirtschaft mehr und mehr Handlungsspielraum gaben, und nachdem die anfänglichen Vorstellungen von einem langwierigen aber dauerhaften Demokratisierungsprozess in Deutschland den politischen Opportunitäts-Gesichtspunkten weichen mußten, war zwar die nahe Zukunft noch alles andere als rosig. Aber an der Entwicklung des Fachs im westlichen Ausland war zu erkennen, welche Rolle die Physik auch in Deutschland würde spielen können. Mehrere Faktoren kamen zusammen, um in Göttingen eine einmalige Umgebung zu schaffen, welche die Entwicklung anderswo vorwegnehmen und mitbestimmen konnte. Die Physikalischen Institute und die der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA-DVL) hatten den Krieg unzerstört überstanden und waren nur vorübergehend oder in geringem Umfang beschlagnahmt. Die Berliner KWG war gegen Kriegsende teilweise nach Göttingen verlagert, Physiker aus anderen Instituten der Berliner Umgebung waren ihr gefolgt. Im Januar 46 wurden die Kernforscher und Köpfe des 'Uranvereins' aus britischer Internierung nach Göttingen entlassen. Die ehemals Berliner Konzentration über das Fach hinaus bekannter Namen machte jetzt aus Göttingen von sich reden, allen voran Max Planck, Max Laue, Werner Heisenberg und Deutschlands erster Nachkriegs-Nobelpreisträger Otto Hahn. Universität und Akademie konnten 1933 vertriebene Physikerkollegen - nicht aber Albert Einstein - zu symbolischer Unterstützung gewinnen und an eine Blütezeit vor 1933, die vielen Fachkollegen im In- und Ausland noch in lebhafter Erinnerung war, anknüpfen. Die Kooperation zwischen Briten und Amerikanern in der 'Bizone' erlaubte bald den Zugang und den freien Verkehr zu 'Ressourcen' der US-Zone (und der USA). Schließlich verfuhren die Briten in Sachen 'Befreiung vom Nationalsozialismus' von Anfang an pragmatischer und weniger bürokratisch als die Amerikaner. Der englische Universitätsoffizier und Physiker Ronald Fraser[1] förderte die Göttinger Kollegen nicht nur vor Ort nach Kräften, sondern auch ihren Einfluß in überregionalen Zusammenhängen[2]. In dem Rektor Hermann Rein hatten die Physiker einen Kollegen mit Fachverstand und Hans Kopfermann war mit ihm befreundet. Schließlich dürfte das zwar offiziell lahmgelegte, ehemals um so bedeutendere organisatorische Potential der DVL-Forscher zum Göttinger à tout der Nachkriegszeit zählen. Last not least war Göttingen sehr bald Station ausländischer Kollegen, die sich ein Bild von deutschen Aktualitäten machen wollten, oder Vorkriegsverbindungen wieder aufnahmen (Hans Bethe, Patrick Blackett, Rudolf Ladenburg, Nevill Mott, Victor Weisskopf u.a.)

Vor diesem Hintergrund entwickelten sich das II. Physikalische Institut der Universität und das Max-Planck-Institut für Physik zu - in mancher Hinsicht konkurrierenden - 'Pflanzschulen' einer institutionell wachsenden Disziplin. Die Kontinuität seit 1942 mag ein Vorteil des Universitätsinstituts gewesen sein, während die Wissenschaftler des MPI auf die Infrastruktur der AVA aufbauen konnten. Das Gebäude der Physikalischen Universitätsinstitute in der Bunsenstraße liegt fünf Minuten zu Fuß vom Stadtkern, um die Ecke vom Physikochemischen Institut und in einer Linie mit dem ('Turnvater-') Jahn-Gymnasium und dem Mathematik-Neubau aus den zwanziger Jahren (der vornehmlich Richard Courant und Rockefeller zu verdanken war). Gegenüber lagen (und liegen) die Gebäude der AVA, in die die Berlin-Flüchtlinge (neben den Engländern) eingezogen waren. Auf der einen Seite Lehre und Wissenschaft, auf der anderen Seite die reine Forschung? Das wäre übertrieben. Diplom- und Doktorarbeiten wurden auf beiden Seiten vergeben, und so manche Vorlesungen, Kolloquien und Seminare vereinten die Institute. Die Ausbildung der Studenten in den ersten Semestern lag in den Händen von Robert Wichard Pohl, Erich Mollwo[3] und dem I. Physikalischen Institut. Für die Lehre in theoretischer Physik war Richard Becker zuständig. Mit dem 'Fortgeschrittenen-Praktikum' und einer dazugehörigen Vorlesung begannen die Lehraufgaben des II. Instituts, das außerdem das Praktikum für die Medizinstudenten anbot. Studienanfänger von 1945 waren ab 1948 zu erwarten. Das Fortgeschrittenen-Praktikum organisierte Wilhelm Walcher bis er 1947 nach Marburg wechselte. Kopfermann las vornehmlich über Hyperfeinstruktur und Kernmomente, beteiligte sich jedoch auch an einem Ergänzungsseminar zum Fortgeschrittenenpraktikum, das Wolfgang Paul veranstaltete. Während Pohl die Experimentalphysik in traditionellen Hörsaalexperimenten vorführte, demonstrierte Kopfermann, forschungsnäher und detaillierter, physikalische Zusammenhänge und 'Denkweise' an der Tafel, mit Formeln, Schemata und Ableitungen. 1949 konnte Kopfermann (und mit ihm die Familie) alte Freunde in Göttingen begrüßen. Als Leiter eines neugegründeten MPI für physikalische Chemie kam Karl-Friedrich Bonhoeffer nach Göttingen[4]. Noch einmal wurde die Stadt um ein Forschungszentrum reicher.

Kopfermanns wissenschaftliches Programm galt weiterhin sowohl den 'Kernmomenten', den spektroskopischen Messungen optischer und bald auch hochfrequenztechnischer Art, als der 'Isotopieverschiebung' und in dem Zusammenhang neuerdings den 'Kernradien'. Die apparative Ausrüstung bestand in der altbewährten mit 'Hohlkathode', Prismenspektrograph, Fabry-Perot-Interferometer, Photoplatten, Zeiss-Registrierphotometer usw., in 'Atomstrahlquellen', Vorvakuum- und Diffusionspumpen, in massenspektroskopischen und Isotopentrenn-Apparaturen, neuerdings in Hochfrequenzgeneratoren und -Meßgeräten, und ab 1947 gehörte die 'Elektronenschleuder' samt Betaspektrometer auch dazu. Ein Arsenal, das ständig perfektioniert wurde. Eine von Dietrich Meyer auf der ersten Nachkriegs-Tagung der Physikalischen Gesellschaft der britischen Zone in Göttingen im Oktober 1946 vorgetragene Arbeit zur HFS und Isotopieverschiebung im Wismutspektrum zeugte vom Fortbestand des alten Forschungsprogramms. Konrad Gund nutzte die vom alliierten Kontrollrat verordnete Ruhepause in der Betatronentwicklung, um mit Überlegungen zur Theorie der Maschine und zur Extraktion des Strahls bei Kopfermann in Göttingen zu promovieren. Bruno Touschek, der seit 1943 mit Rolf Wideroe in Hamburg die 15 MeV Maschine gebaut hatte, verfaßte 1946 im Institut eine Arbeit zu den 'Betatronschwingungen'. Kopfermann und Wolfgang Paul lieferten 1948 je einen FIAT-Bericht[5] und 1949 erschien in den 'Annalen', 'Max v. Laue zum 70. Geburtstag gewidmet', "Zur Theorie der Radialschwingungen der Elektronen in einer Elektronenschleuder" von Helmut Jahn und Hans Kopfermann. In Band 22 der 'Ergebnisse', dem ersten Nachkriegsband, publizierte Hans Kopfermann im gleichen Jahr eine Abhandlung zur 'Elektronenschleuder'.

Die Betreuung von Diplom- und Doktorarbeiten lag bei Wilhelm Walcher, Wolfgang Paul und bald auch bei Peter Brix. Manchmal im Verein mit Fritz Houtermans oder Otto Haxel. Maria Kemmerich promovierte bei Walcher und Haxel mit einer Messung der Halbwertszeit von Rubidium 87[6].

Walcher[7] hatte im Früjahr 1942, als Kopfermann nach Göttingen gegangen war, zusammen mit Lochte-Holtgreven die Lehrstuhlvertretung in Kiel übernommen, um dann auch nach Göttingen umzusiedeln und sich dort 1943 neu zu habilitieren. 1946 kam ein Ruf nach Leipzig, den anzunehmen Walcher zögerte, während er in Marburg um ein Extraordinariat verhandelte. Das hessische Ministerium schlug ihm dann ganz unerwartet die Nachfolge des Marburger Ordinarius Wilhelm Grüneisen (1877-1949)[8] vor. Walcher nahm an und mußte feststellen, daß das Ministerium in Wiesbaden ihn in unklare Verhältnisse nach Marburg schickte. Grüneisen stand an der Altersgrenze, war aber nicht emeritiert, geschweige über seinen Nachfolger informiert. Aber man konnte sich verständigen und Walcher übernahm 1948 den Lehrstuhl[9]. Den Isotopenseparator nahm er aus Göttingen mit. Von weiterer Zusammenarbeit zeugt eine Arbeit über Isotopieverschiebung und Kerndrehimpulse von Silber der Autoren P. Brix und H. Kopfermann in Göttingen und R. Martin und W. Walcher in Marburg, vorgetragen auf der April-Tagung der DPG 1951 in Frankfurt.

Bis 1945 gehörten zum Institut drei Wissenschaftlerstellen und die des Direktors[10]. Eine dieser Stellen hatte Karl-Heinz Hellwege (1910-1999) als Kopfermann den Lehrstuhl übernahm, er war nach Georg Joos' Weggang von April 1941 bis Mai 1942 der interimäre Institutsleiter (das Institut wurde auf seine Veranlassung zum 'Spezialbetrieb der Rüstungsindustrie' 'aufgewertet')[11].

Hellwege war in Bremerhaven geboren, hatte in Marburg 1929, München 1930 und Kiel 1931 studiert, hatte 1934 in Göttingen bei James Franck promoviert, sich 1939 mit Untersuchungen zu langwelliger Infrarotstrahlung habilitiert. Er war 'uk gestellt' für ein Forschungsprojekt im Nachrichtenmittelversuchskommando der Marine (Dringlichkeitsstufe SS, Kriegsverdienstkreuz im November 44). Hellwege führte bis 1949/50, zum Teil zusammen mit Anne Marie Röver-Hellwege[12], eine ganze Reihe von Untersuchungen zu Strahlung und Energieniveaus in Kristallen durch, die in der von Eduard Grüneisen und Fritz Möglich herausgegebenen 6ten Folge der Annalen (später in der Zeitschrift für Physik) publiziert wurden. Die Zusammenarbeit mit Kopfermann beschränkte sich auf die institutionell gegebene. Hellwege war im Juli 1933 der SA beigetreten (und machte in einem 'Reitersturm' keine besondere Karriere). Als 1946 seine 'Entnazifizierung' anlag, stellten ihm Brix, Kopfermann, Paul und Walcher eine wohlwollende Bescheinigung aus, erklärten jedoch, daß sie "auch in politischen Fragen und in Fragen des Kriegseinsatzes der Wissenschaft oft verschiedener Meinung waren". 1950 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt und 1952 an das Institut für technische Physik nach Darmstadt berufen (wo der befreundete Hans König nach vorübergehender Nachkriegskarriere in Göttingen und nicht ohne 'Entnazifizierungs-'Schwierigkeiten ein Jahr zuvor seine Lebensstellung gefunden hatte) [13].

Fritz Houtermans[14] war in den letzten Monaten der Diktatur zur 'kriegswichtigen' Forschung des Instituts hinzugestoßen. In den unmittelbar folgenden Jahren galt sein Interesse kernphysikalischen Untersuchungen: dem Neutronenfluß einer Radium-Beryllium-Quelle in Zusammenarbeit mit Martin Teucher (1947); der zwei-Elektronenemission beim Zerfall von Rubidium 87 zusammen mit Otto Haxel (1948); zusammen mit demselben und Joachim Heintze dem Zerfall von Kalium 40 (1949); zusammen mit Haro Buttlar der Radiumverteilung in 'Manganknollen' vom pazifischen Meeresgrund (1949). Houtermans, der 1933 Dozentur und Oberassistentenstelle in Berlin hatte aufgeben müssen (s.o.), fand nach 1945 zwar halbwegs Arbeitsmöglichkeiten - vom 16. Oktober 1945 datierte seine Wiederbeschäftigung und Lehrbefugnis in Göttingen, vom 25. 2. 1946 ein Lehrauftrag in Marburg[15] -, aber erst 1950 wurde er in Göttingen außerplanmäßiger Professor und erst 1952 erhielt er eine volle Professur - in Bern, nicht in Deutschland.

Wolfgang Paul 'verwaltete' das massenspektroskopische Know-how nach Wilhelm Walchers Weggang. Er hatte das Fortgeschrittenen-Praktikum übernommen. Parallel dazu hatte er begonnen, das eigene wissenschaftliche Programm mit Diplomanden und Doktoranden auszubauen.

Paul[16] war nach kurzer Militärzeit bei der Luftabwehr seit 1940 als Walchers Mitarbeiter im 'Uranverein' u.k. gestellt, so daß die Kontinuität einer Hochschulkarriere (wie auch bei Walcher) kaum gebrochen war. Er hatte sich 1944 habilitiert, war gleich nach der Fertigstellung des 6-MeV-Betatron-Prototyps in Erlangen gewesen und sah 1945 Experimenten mit dem neuen Gerät entgegen. Die gesetzlich auferlegte Verzögerung fiel um so weniger ins Gewicht, als 1945/46 die Sorge um das tägliche Brot, die Neuaufnahme der familiären, sozialen und arbeitstechnischen Beziehungen, die Bürokratie der 'Entnazifizierung', der FIAT-Bericht, und der Hochschulbetrieb die Kräfte in Anspruch nahmen. Seit das 6 MeV Betatron in den Erlanger Siemens-Reiniger-Werken im Mai 1944 zu benutzen war, hatte sich Wolfgang Paul mit der Maschine vertraut gemacht. Als die Schleuder (die auch 'Zwille' genannt wurde) 1947 nach Göttingen geholt werden konnte, unternahmen Paul, der Gynäkologe Gerhard Schubert und dessen Mitarbeiter H. Bleek, Wolfgang Dittrich, Gotthold Salz und H. J. Schmeermund im Hinblick auf die medizinische Bestimmung der Betatronentwicklung (und auf die einschränkenden Kontrollratsbestimmungen[17]) strahlenbiologische Messungen an Drosophila-Puppen (Relative Wirksamkeit von Gamma und Beta-Dosen) und Hordeum-Wurzelspitzen (Beeinflussung der Mitose)[18]. Auch therapeutisch wurde das Gerät mit dem zu 70% extrahierten Elektronenstrahl eingesetzt. Andererseits galt Pauls Interesse zusammen mit H. Berger, H. Reich und W. Schultz genaueren Daten zur Streuung und Bremsung, zum Energieverlust und zur Ionisationsdichte der extrahierten Elektronen. Ein 2 MeV-Betaspektrometer wurde gebaut, die Energieverlustkurven wurden nach Formeln von Bethe und Bloch, Fermi und Halpern interpretiert. Als Ionsiationsdetektor diente u.a. die Dichte der in KCl erzeugten Farbzentren. Theoretische Unterstützung lieferte H. Steinwedel. Ergebnisse wurden im Oktober 1950 bei Gelegenheit der ersten gemeinsamen Nachkriegs-Tagung aller Physikalischen Gesellschaften in Nauheim vorgetragen.

Hubert Krüger, einer der ersten Mitarbeiter und 'Schüler' Kopfermanns im Berliner Institut, der ihm nicht nach Kiel gefolgt war, konnte nach Kriegsende im Göttinger Institut Hochschultätigkeit und wissenschaftliche Arbeit wiederaufnehmen.

Krüger[19], war 1937 mit einem Forschungsstipendium im Berliner Institut geblieben und hatte dort seine von Kopfermann betreute Dissertation zur Trennung von Stickstoffisotopen mit dem Hertzschen Diffusionsverfahren und zur Spektroskopie der Stickstoffisotope 1938 mit der Promotion bei Hans Geiger abgeschlossen. Während des Krieges war er dienstverpflichtet im Torpedobau[20], die wissenschaftliche Karriere kam erst wieder in einer Publikation mit Kopfermann und Hermann Ölmann zum Ausdruck, die in der Zeitschrift für Physik 1949 erschien: "Anomale Feinstruktur der He+ Linie 4686 A" beschrieb eine Messung zur "Lambshift", zu jenem, Kopfermann und Maria Heyden in der Berliner Zeit entgangenen " Blumentopf"[21]. Lamb und Retherford hatten 1947 die nachmals nach Lamb benannte 'Termverschiebung' im Wasserstoffspektrum beobachtet und publiziert und Hans Bethe hatte die quantenelektrodynamische Rechnung veröffentlicht, die im Gegensatz zur bisherigen, quantenmechanischen die Verschiebung ergab. Kopfermann und Paul hatten in Konkurrenz mit den Kollegen in Oxford, Heinrich Kuhn und G.W. Series, nachgemessen, und wegen unvermeidlich großer Dopplerbreiten und unaufgelöster Linien nur mit Mühe bestätigt, was man inzwischen wußte, und was, den Autoren zufolge, schon 1916 oder 1927 Friedrich Paschen aus seinen Messungen hätte entnehmen können, ganz zu schweigen von Maria Heyden 1936. Es lag dann nahe, auch am `Pseudowasserstoffspektrum' des He+ nachzusehen, weil bei gleicher Kühlung der Hohlkathode die He-Atome aufgrund der vierfachen Masse deutlich träger sind und die Dopplerbreiten erheblich geringer ausfallen. Der Nachweis der 'Lambshift' gelang gut, war allerdings keine `Überraschung' mehr[22]. Die gelang dann eher auf ganz andere Weise. Auf Hubert Krügers Vorschlag begann Hans Georg Dehmelt 1948 nach hochfrequenztechnisch meßbaren 'Quadrupolresonanzen' in kristalliner Umgebung zu suchen. Bei der Geburt der Idee stand die Beobachtung magnetischer Kernspinresonanzen 1946 durch Felix Bloch und Edward Mills Purcell Pate. Dehmelt konzentrierte die Suche auf gefrorenes Dichloräthylen und schätzte die Übergangsfrequenzen auf Grund von bekannten Daten der Rotationsspektren[23] ab. So gelang die erste Beobachtung "reiner Quadrupolresonanzen", ein prinzipielles Experiment, mit dessen Hilfe das Verhältnis der Quadrupolmomente der Chlorisotope mit hoher Präzision gemessen werden konnte und das eine Reihe ähnlicher Messungen erwarten ließ. Eine kurze Mitteilung in den Naturwissenschaften von Dehmelt und Krüger trägt das Einsendedatum 24.11.49. Die Autoren erklärten die Besonderheit ihrer Entdeckung:
"Während sich bisher Kernquadrupolmomente in der Spektroskopie nur durch Überlagerungseffekte in der Hfs von Atom- und Molekelrotationslinien bemerkbar machten, erfolgen die hier beschriebenen Übergänge zwischen Termen, deren Energie nur durch die Wechselwirkung des Kernquadrupolmoments mit dem Feld der Elektronenhülle bestimmt ist."

In der ausführlichen Darstellung in der Zeitschrift für Physik "Quadrupolresonanzen von Chlor und Brom-Ionen "(eingegangen am 29. Januar 1951), bemerkten die Autoren:

"In den vorliegenden Versuchen liegt ein neues, robustes Verfahren zur Messung von Kernquadrupolkopplungen vor, das experimentell sehr einfach ist und den Hyperfeinstrukturuntersuchungen an Rotationslinien in seiner Meßgenauigkeit zumindest gleichwertig ist"

Die Kernquadrupolresonanzen dienten Hans-Georg Dehmelt zur Dissertation (s.u.), Hubert Krüger zur Habilitation[24] und Hans Kopfermann und dem Institut zu einem bedeutenden Nachkriegs-Prestigegewinn unter Physikern im In- und Ausland. In einem Vortrag 1955 für die Société francaise de physique (s.u.) gab Kopfermann eine Übersicht über Messungen an 11 Elementen und 17 Isotopen.

Das spezielle Arbeitsgebiet des Institutsleiters, die Messung von Kernmomenten mit optischen Methoden und die möglichst erschöpfende experimentelle Untersuchung der Isotopieverschiebung lagen in den Göttinger Nachkriegsjahren vor allem in den Händen von Peter Brix.

Brix[25] wurde im Frühjahr 44 im Zug der Osenberg-Rückrufaktion nach 4 Jahren Krieg bei der Sturmartillerie, zuletzt als Leutnant, zu 'kriegswichtigen' Arbeiten an die inzwischen umgezogene Arbeitsstelle zurückbeordert. Er wohnte im Institut, war gleichzeitig der 'Luftschutzwart'. Mit Wilhelm Walchers Massenspektrograph entwickelten er und Jens Geerk (der 'U-Bootsmann' s.o.) eine "Methode zur Erzeugung von Schwärzungskurven mit mittelschnellen Protonen". Geerk setzte die 'Kriegsforschung' in französischen Diensten in St. Louis fort und Brix promovierte 1946 bei Walcher über die photographische Wirkung mittelschneller Protonen in Agfa-Platten. Die genaue Kenntnis der Schwärzungskurven war die Voraussetzung spektroskopischer Aussagen zu Linienintensitäten und Linienformen, und diese waren oft auch für die Zuordnung einzelner Linien in unvollständig aufgelösten Aufnahmen von Bedeutung. Das Studium der (photographischen) Wirkung ionisierender Teilchen andererseits war eine Grundvoraussetzung für viele kern- und teilchenphysikalische Beobachtungen. Das Thema war erst ausgeschöpft, als Brix in einer Diplomarbeit auch noch Ilford-Platten untersuchen ließ: durch Hans Georg Dehmelt. Unter dem 29.7.1949 ging eine entsprechende Publikation von Brix und Dehmelt an die Zeitschrift für Physik. Die Beschreibung der Arbeit liest sich 1980 in der Kurzbiographie des ehemaligen Diplomanden so: "Working with a Thomson parabola mass spectrograph for his masters thesis under Peter Brix on the photographic action of 5.17 kiloelectronvolt H+ and H2+ ions exposed him to many phenomena in the field of physics"[26].

Die Untersuchung der magnetischen und Quadrupolmomente der Kerne erhielt eine neuerliche Aktualität mit der Diskussion um das 'Schalenmodell'.

Walter Elsasser hatte 1933/34 im Journal de Physique et du Radium den ersten Versuch publiziert, den Aufbau der Kerne mit einer effektiven Zentralkraft in Analogie zur Elektronenhülle der Elemente zu beschreiben, aber erst neuerdings, mit der Annahme einer `Spin-Bahn-Kopplung' auch für das Nukleonenpotential, hatten Maria Goeppert-Mayer und unabhängig Hans Jensen, Otto Haxel und Hans Suess dem Modell eine vielversprechende Erklärungskraft abgewinnen können. Zwar ließen sich magnetische und vor allem Quadrupolmomente meistens nicht berechnen, aber das Modell `erklärte' ihren systematischen Gang in Abhängigkeit von den Nukleonenzahlen ebenso wie es den der Anregungsenergien oder die beobachtete Häufigkeit der Elemente unerwartet gut wiedergab.

Die Isotopieverschiebung wurde, abgesehen von einem bei schweren Kernen geringen Effekt der Massendifferenz auf den Unterschied der `Kernvolumina' zurückgeführt. Eine besonders große Verschiebung beim Samarium hatte seit langem Kopfzerbrechen bereitet. Ein so großer Volumenzuwachs schien unwahrscheinlich bei Nukleonenkonfigurationen, die nicht in der Nähe von 'Schalen-'Konfigurationen lagen. Brix und Kopfermann postulierten einen `Quadrupoleffekt'. Zwar waren Quadrupolmomente nicht direkt meßbar, weil es sich um Isotope mit Kernspin Null handelte (Protonen und Neutronenzahlen in gerader Zahl), aber ein Blick auf das benachbarte Europium und der zu erwartende starke Anstieg der Deformation in diesem Bereich ließen vermuten, daß die Samariumisotope `eigentlich', d.h. intrinsisch große Deformationsunterschiede aufweisen müßten. Wenn dann der Wert der Isotopieverschiebung nicht dem eines gewöhnlichen `Kernvolumen-Effekts' entspricht, sondern dem eines isotropen `Aktionsradius' der Nukleonen bei Drehung in alle Raumrichtungen, dann erklärt das die Größe der Isotopieverschiebung.

Eine erste Mitteilung zu Samarium- und Neodym-Linien ging unter dem 5. November 1948 an die 'Naturwissenschaften'. Es folgten sowohl gemeinsame, als auch nur von Brix gezeichnete Publikationen in der Zeitschrift für Physik[27], Brix berichtete auf der Nauheimer Tagung 1950, hielt einen 'Hauptvortrag' auf der VDPG-Tagung in Karlsruhe im September 1951 und habilitierte sich mit dem Thema 1952 in Göttingen[28]. Diplom- und Doktorarbeiten schöpften den Gegenstand vollends aus. Entsprechende Publikationen erchienen in den Naturwissenschaften und in der Zeitschrift für Physik. Mit Helmut Frank publizierte Peter Brix zur Isotopieverschiebung bei Cer (Z. Physik, Einsendedatum 17.11.49), mit Hans-Dietrich Engler zum Gadolinium, mit Walter Humbach zum Cu I - Spektrum (Einsendedatum 22.9.50), mit Andras Steudel zum Pd II-Spektrum, mit Kopfermann und Winrich Siemens[29] über die Iridium-Isotope. In Zusammenarbeit mit den Marburgern entstand die bereits erwähnte Arbeit zu den Silberisotopen. Brix, Buttlar, Houtermans und Kopfermann schickten unter dem 29. Mai 1952 eine gemeinsame Arbeit zur Isotopieverschiebung bei Ra-D und stabilen Pb-Isotopen an die Zeitschrift für Physik.

Die "Quadrupolresonanzen" und die "Isotopieverschiebung" waren die Hauptthemen des Göttinger Instituts der Jahre 1949-1952, die interferometrische Bestimmung von Kernmomenten trat etwas in den Hintergrund, aber Winrich Siemens promovierte mit einer Arbeit über das Quadrupolmoment von Gold, Andreas Steudel mit der Messung der Hfs im zweifach angeregten Pd-Spektrum und der Bestimmung der Kernmomente des Pd 105.

"Oszillatorenstärken" oder f-Werte bestimmen die Intensitäten der Spektrallinien. Diese Charakteristika der Wechselwirkung der Atome mit dem Strahlungsfeld sind zwar ebensolche 'Naturkonstanten' wie die Wellenlängen der Spektrallinien, waren jedoch bei der Entwicklung von Modellvorstellungen zum Aufbau der Elektronenhüllen in den Hintergrund getreten. Quantenmechanische 'Voraussagen' waren noch weniger möglich als die Berechnung der "Termwerte" und Übergangsfrequenzen. Wichtig sind f-Werte immer dann, wenn aus der Intensität charakteristischer Linien auf die Stoffmenge und Zusammensetzung strahlender oder absobierender Materie geschlossen werden soll (Physik der Sternatmosphären, Plasmaphysik). Um Intenstitätsmessungen ging es in den zwanziger Jahren in den Arbeiten mit Rudolf Ladenburg zur 'Anomalen Dispersion'. Seit Kopfermann jedoch 'Kernphysiker' geworden war, waren f-Werte Nebensache. Als Wolfgang Paul in Kiel mit Atomstrahlen experimentierte, bot sich die Möglichkeit, mit genaueren Dampfdruckwerten auch die Oszillatorenstärken besser zu betimmen. In Göttingen wurde Günter Wessel der 'Spezialist' für f-Werte. Mit Wolfgang Paul publizierte er eine Arbeit zu Dichte und Geschwindigkeit im Atomstrahl (Einsendedatum 25.9.1947), promovierte mit der Messung des f-Wertes der Bariumresonanzlinie (Z.f.Physik, Einsendedatum 8.2.1949), veröffentlichte Meßwerte zu Dampfdruck und Kondensationskoeffizienten von Fe, Cd, Ag und, zusammen mit Kopfermann, genauere Daten der bei Astrophysikern besonders gefragten f-Werte der Resonanzlinien von Eisen. Günter Wessel ging 1950 nach Kanada.

Bei Wolfgang Paul promovierte Peter Meyer (geb.1920) 1948 als dessen erster Doktorand mit einer Arbeit über "Die photographische Emulsion in der Kernphysik" (die ersten Alpha-Spuren hatte Max Reinganum 1911 beobachtet).

Meyers Vater war Arzt in Hamburg. Das Hitlerregime verbot ihm die Berufsausübung. Kollegen bewahrten ihn vor der Deportation. Peter Meyer hatte 1942 an der TU Berlin diplomiert und anschließend in einem Berliner Betrieb Nachtsichtgeräte gebaut. Die Firma, in der auch sein Bruder untergekommen war, wurde nach Konstanz ausgelagert. 1946 heirateten Peter Meyer und Luise Schützmeister, die ihre Ausbildung bei Walcher und Kopfermann in Berlin begonnen hatte und bei Geiger promovierte. In Göttingen arbeitete sie im Institut für Medizinische Forschung der MPG. Peter Meyer ging 49/50 nach Cambridge/England und arbeitete anschließend im Heisenberg-Institut über kosmische Strahlung. 1952 entschlossen sich Luise Schützmeister und Peter Meyer zur Emigration nach USA (sein Bruder, Arzt wie der Vater, war schon dort). Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte er als research-associate in Chicago wieder über Höhenstrahlung arbeiten, und Luise Meyer-Schützmeister wurde Kernphysikerin im Argonne National Laboratory. Peter Meyer wurde 1962 Amerikaner und 1965 Professor[30].

Als Diplomand bei Peter Meyer baute Karl Heinz Lindenberger ein Hochdruckzählrohr mit nachgeschaltetem 16-Kanal 'Impulshöhenanalysator' ('Kicksorter').

Lindenberger, 1925 in einer Pforzheimer Fabrikantenfamilie geboren, hatte 1943 mit dem Reifevermerk (Kriegsabitur) die Schule mit der Kaserne vertauschen müssen, wurde 1944 bei Bergzabern verwundet und war anderthalb Jahre nicht gehfähig und in Gefahr, ein Bein zu verlieren. Lazarett, Klinik in Karlsruhe, dann eine chirurgische Behandlung in Freudenstadt, die ihn so weit wiederherstellte, daß er mit zwei Krücken gehen konnte. Aufnahme des Studiums in Karlsruhe, Vordiplom und Wechsel nach Göttingen. Als er im Sommer 1949 Robert Pohl aufsuchte, war der Aufnahmetermin verstrichen. Pohl: "Ich sehe, Sie sind kriegsversehrt, mal sehen, was sich machen läßt"[31]. Pohl arrangierte die notwendigen Prüfungen mit Hubert Krüger und Richard Becker (der ebenso gründlich wie betont 'kollegial' prüfte[32]). Fortgeschrittenen-Praktium zusammen mit Immo Wendt bei Ehrenberg, Paul, Steudel. "Dann gingen wir zu Paul wegen einer Diplomarbeit": Paul verwies Lindenberger an Meyer und Wendt an Houtermans. Nach der Diplomprüfung 1952 erhielt Lindenberger eine Assistentenstelle und wurde ins Siemenslabor nach Erlangen abgeordnet, um die Übernahme des 25 MeV Betatrons vorzubereiten. Immo Wendt folgte Houtermans nach Bern.

Hans Ehrenberg[33] und Otto Osberghaus[34] machten als Doktoranden bei Paul die Massenspektrometrie zu ihrem Spezialgebiet und bildeten, wegen Überfüllung des Hauptgebäudes in einer Baracke im Hof arbeitend, eine besondere Arbeitsgruppe[35], die Wolfgang Paul 1952 nach Bonn folgte. Osberghaus promovierte 1950 mit einer Analyse der Elektronenstoßprodukte von Bortrichlorid und Bortrifluorid, die u.a. die Isotopenhäufigkeit von Bor lieferte (Z. Phys., eingegangen am 17.6.1950). Anläßlich der Nauheimer Tagung 1950 berichteten Ehrenberg und Osberghaus über massenspektrometrische Untersuchungen an Meteoritenschwefel.

Experimenten zur Ablenkung und Fokussierung neutraler Teilchen widmete sich Helmut Friedburg. Schon bei der Physikertagung in Hamburg am 22. April 1949 hatten Friedburg und Paul erste Versuche vorgetragen und unter dem 3. September 49 erhielten die Naturwissenschaften einen kurzen Beitrag: `Reflexion eines Atomstrahls am Rande eines Magnetfelds':

"Nach Landé kann man die Ablenkung magnetischer Teilchen im inhomogenen Magnetfeld (Stern-Gerlach-Effekt) in Analogie zur Optik als Strahlenbrechung im inhomogenen doppelbrechenden Medium auffassen"

Die Autoren hatten ein Experiment von Immanuel Estermann im Hamburger Institut vor 1933 aufgegriffen[36] und damit im Institut ein neues Arbeitsgebiet eröffnet.

Friedburg, geboren 1913, hatte das Lichtwark-Gymnasium besucht. Das war in der ,Reformhochburg` Hamburg die einzige Reformschule, die bis zum Abitur führte[37]. Reformpädagogik war demokratischen Gedanken verpflichtet. Daß der Schüler, seinen Segel-Interessen folgend, Mitglied in einer Nachwuchsorganisation des durchaus elitären ,Kaiserlichen Yachtklubs` sein konnte, war nicht notwendig ein Widerspruch[38]. Maßgeblich waren die Erziehungsziele Selbständigkeit und Toleranz[39]. Neben dem Segeln begeisterte ihn das Segelfliegen, und als er 1931 in Göttingen Physik zu studieren begann, wurde er Mitglied in der ,Akademischen Fliegergruppe`. Als einziger Göttinger nahm Friedburg in der Mannschaft eines Fliegeridols[40] am Rhoenwettbewerb 1933 auf der Wasserkuppe teil. Ein Fragebogen zur 'Arisierung' machte dem Segelfliegerleben des jungen Physikers ein Ende. Die Göttinger Segelfluggruppen wurden im ,Deutschen Luftsportverband` ,gleichgeschaltet`. Einschneidender und folgenschwerer als der sportliche Verlust war das Verbot des weiteren Studiums. Als sein Jahrgang im Juli 1939 zur 13-wöchigen Ausbildung zum Reservisten eingezogen wurde, hatte Friedburg im Radiohandel in Bad Hersfeld eine Tätigkeit gefunden. Aus den 13 Wochen wurde ein Invasionsmarsch, ein Drittel zu Pferd, zwei Drittel zu Fuß, in einer bespannten Artillerieeinheit durch Belgien und Frankreich bis zur bretonischen Atlantikküste[41]. 1941 wegen neuerlicher Ausschlußbestimmungen für ,Nichtvolksgenossen` aus dem Heer entlassen, kehrte der Soldat zum Radiohandel zurück, zuletzt in Göttingen, bis die Umstände des letzten Kriegsjahres ihn schließlich zur Firma Sartorius brachten[42]. Am für Göttingen letzten Kriegstag war mittags Fliegeralarm, was bedeutete, daß man aus dem Luftschutzbunker nicht mehr zur Arbeit zurückkehren mußte. So war Helmut Friedburg `zu Hause' als ein paar Schüsse fielen, die nicht erwidert wurden, worauf amerikanische Soldaten im Handumdrehen die Stadt besetzten. Friedburg blieb zunächst bei Sartorius, folgte dann einem Mitarbeiter der Firma, der einen selbständigen Betrieb eröffnete und ihm 1946 empfahl, zu seinem beruflichen Fortkommen Robert Wichard Pohl um Rat zu fragen. Der riet zum Studium, und der dreiundreißigjährige fand sich bald unversehens in einer Zulassungsprüfung[43]. Im Fortgeschrittenenpraktikum lud ihn dann Hans Kopfermann ein, im Institut zu diplomieren. Vorgesehen war eine Arbeit bei Wilhelm Walcher, aber als Friedburg anläßlich eines Kolloquiumsvortrags ein von Landé aufgeworfenes und seither auch gelöstes Problem in elegante Form gebracht und vorgetragen hatte, schlug Richard Becker vor, dies Ergebnis als Diplomarbeit zu werten. Helmut Friedburg kam endlich zu einem ersten Berufsabschluß. Eva Haendel, Bibliothekarin des Instituts und Richard Beckers Sekretärin, und Helmut Friedburg heirateten.

Bei der April Tagung 1951 in Braunschweig berichtete Friedburg über optische Abbildung mit neutralen Atomen:

"Es wird über einen Versuch berichtet, bei welchem die aus einem Ofenspalt divergent austretenden Kalium-Atome durch ein geeignetes rotationssymmetrisches Magnetfeld fokussiert werden. Die thermische Geschwindigkeitsverteilung wird durch eine Laufzeitfokussierung kompensiert."

Friedburg promovierte mit diesem Thema. Aus seiner früheren Tätigkeit brachte er wie kein anderer im Institut praktische Kenntnisse in Elektro- und Hochfrequenztechnik mit. Hans Ehrenberg hat 1989 in einer Würdigung Wolfgang Pauls zum Nobelpreis die Experimente zusammen mit Helmut Friedburg zu den Schritten gezählt, die zur Konstruktion der `Massenfilter' und 1955 zur Ionenfalle führen konnten. Für letztere erhielt Paul den Preis. Es war in der Tat, wie Ehrenberg schrieb, damals keine Selbstverständlichkeit, die Atomstrahllinsen mit einem Millisekundenimpuls von 500 Ampère zu betreiben[44].

Kopfermann war fasziniert von den Messungen der Zeeman-Übergänge, die I. I. Rabi, S. Millikan, P. Kusch und J. Zacharias 1939 in der Physical Review beschrieben hatten, und bei seiner ersten Amerikareise 1950 hatte er die Arbeitsgruppe von J. Zacharias im MIT besucht. Die Präzision der 'Rabi-'Methode mußte jeden Kernmomentenforscher faszinieren. Durch Friedburgs Arbeit waren die grundlegenden Techniken dem Institut vertraut. Die Schwierigkeiten lagen vor allem beim Strahldetektor. Der bisher verwendete Langmuir-Taylor-Draht reagierte nur auf Akali-Atome und was mit ihm zu messen war, hatten die Amerikaner gemessen. In einer Diplomarbeit verfolgte Gerhard Fricke zunächst eine Idee von Helmut Friedburg und Wolfgang Paul, die Leitfähigkeitsänderung in Kupferoxidschichten zum Nachweis von Iod-Atomen zu verwenden[45]. Im Rahmen seiner Doktorarbeit begann Fricke dann jedoch einen Massenspektrographen zu einem 'Universaldetektor' zu entwickeln. Der nachzuweisende Atomstrahl wurde (durch Elektronenbeschuß) teilweise ionisiert, die Ionen wurden massenspektrographisch aus denen des (im damaligen 'Hochvakuum' von einem Millionstel Torr noch um Zehnerpotenzen intensiveren) 'Untergrundes' herausgefiltert und mit einem Sekundärelektronenvervielfacher ('Multiplier') nachgewiesen.

Gerhard Fricke, geboren 1921, erlebte Kindheit und Jugend an den jeweiligen Standorten seines Vaters, eines Offiziers. Er ging hautpsächlich in Hannover (Leibnitzgymnasium) und Linz (Abitur) zur Schule. Der achtzehnjährige meldete sich 1939 freiwillig zum Kriegsdienst (wie Kopfermann 1914), wurde Artillerieoffizier (Oberleutnant) und überlebte (mit zerschossenem Bein), was angesichts der Hekatombe seines Jahrgangs alles andere als selbstverständlich war - ähnlich wie seinerzeit Kopfermann[46].

Die Ausführung des Universaldetektors konnte erst in Heidelberg in Angriff genommen werden und nahm zusammen mit dem Bau der Rabiapparatur unter den damaligen Umständen Jahre in Anspruch. Günter Wessel kam in Ottawa, wo Hin Lew bereits eine Atomstrahlresonanzapparatur betrieb, mit der Göttinger Idee schneller zum Zug. Das geht aus einer Publikation in Physical Review (zusammen mit Hin Lew) von 1953 hervor[47]. Erst drei Jahre später wurden Kernmomente mit einer 'Rabi-Apparatur' und mit Gerhard Frickes `Universaldetektor' auch in Heidelberg bestimmt.

Einen Monat nach seiner Rückkehr aus Amerika hatte Kopfermann vom 18-23. September 1950 als einziger Deutscher an der 'International Conference on Spectroscopy at Radiofrequencies' teilgenommen[48]. Er traf dort u.a. Kusch und Townes aus New York, Alfred Kastler aus Paris und auch den späteren Übersetzer seines Buches, Erich Schneider aus Durham.

Alfred Kastler besuchte später das Göttinger Institut. Er hatte sich angemeldet und Kopfermann schrieb Ende 1951 zurück:

"Sehr geehrter Herr Kastler, ich danke Ihnen bestens für Ihren Brief vom 12. Dez. und das darin liegende Manuskript, das mich sehr interessiert hat. Wir freuen uns sehr, daß Sie uns am 14. Januar nächsten Jahres besuchen wollen, Sie können bei uns gern alles sehen, was wir zur Zeit hier machen. Ich bin mit bestem Gruß Ihr sehr ergebener Hans Kopfermann"[49]

Als 1952 Paul, Ehrenberg, Osberghaus samt Doktoranden und Diplomanden nach Bonn übersiedelten, Fritz Houtermans nach Bern und Karl-Heinz Hellwege nach Darmstadt gingen, leerte sich das überfüllte Institut. Hans Günther Bucka (geb.1925), der in Jena bei Kersten[50] promoviert hatte und dessen "Vorlesungsversuche zur Erddrehung" die Redaktion der Zeitschrift für Physik publiziert hatte[51], wurde neuer Assistent.

Nach seiner Habilitation 1952 arbeitete Peter Brix, von Ilse Brix begleitet, ein Jahr als 'Fellow' in Ottawa in der Gruppe um Gerhard Herzberg[52]. Etwa zur gleichen Zeit verließ Hans Dehmelt das Institut mit dem Ziel Amerika. Er hatte ausser am Chlor und am Brom auch am Jod 127 Quadrupolfrequenzen messen können, Hubert Krüger und er hatten 1951 aus dem Quadrupolresonanzspektrum von Antimonchlorid das Verhältnis der Antimonmomente bestimmt und Dehmelt hatte zuletzt an zwei Bortrialkylen Quadrupolspektren gemessen. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen, aber während Brix' Rückkehr und weitere Laufbahn im Institut von vornherein feststanden, wurde Hans Dehmelt 'weggeschickt'.

Dehmelt, 1922 in Görlitz geboren, hatte 1940 das Abitur in Berlin am humanistischen Gymnasium Graues Kloster abgelegt. Nach eigenen Angaben war er dann bis 43 zur Fliegerabwehr nahe Berlin und in Rußland eingezogen, entkam der Stalingradschlacht und war 43-44 zum Studium nach Breslau kommandiert. Anschließend bei einer Mörser-Batterie in der letzten Westoffensive, wurde er bei Bastogne/Belgien im Frühjahr 45 von den Amerikanern gefangen genommen und erst ein Jahr später entlassen. Noch 1946 hatte er das Studium in Göttingen aufgenommen.

Hans Dehmelt kehrte nicht ins Institut zurück, obwohl Kopfermann ihn damals schon für den "genialsten" seiner Schüler hielt[53]. Es ist einsichtig, daß akademische Karrieren und Arbeitsmöglichkeiten viele Faktoren haben und berufliches Können, selbst außergewöhnliches, keine Garantie für das Fortkommen bietet. Die Entscheidung dürfte damals wohl bei Kopfermann gelegen haben. Er hat geäußert: "was soll ich tun, den kann ich doch nicht zum Professor machen". Doch, er hätte gekonnt. Vermutlich hinderte ihn sein Unvermögen, sich souverän von seiner (und nicht nur seiner) Vorstellung vom akademischen Lehrer zu lösen. Die Soziologie der 'Professorenschmiede' war eben von einem Lebensideal neben dem der 'Wissenschaftlichkeit' bestimmt. Dies 'Vorbild' wies zwar eine beachtliche 'Bandbreite' der Haltungen und außerberuflichen Interessen auf, wirkte aber dennoch als Selektionskriterium. Das Institut hatte seine 'Atmosphäre', sein 'Betriebsklima', und die Sorge um den möglichst 'störungsfreiem Betrieb' war von irrationalen Vorstellungen nicht frei.

Neun Jahre später war Dehmelt Professor in Seattle: "1952 folgte er einer Einladung, in Gordy's bekanntem Labor für Mikrowellenspektroskopie der Duke University als Postdoc zu arbeiten. Zusammen mit Gordy und einem Doktoranden, Hugh Robinson, führte er Kernquadrupolresonanz-Messungen an Schwefel, Wismut und Gallium durch und nahm an einem Experiment von W.M. Fairbank und Kollegen zur Bestimmung des Kernmagnetismus von flüssigem He3 teil. 1953 begann er mit Studien zur paramagnetischen Resonanz von Stickstoff und Phosphor in Gasumgebung unter hohem Druck, mit einer Gleichstrom-Bogenentladung zur Dissoziation, und es gelang ihm, erstmalig die Hyperfeinstrukturaufspaltung von atomarem Phosphor zu messen. 1955 wurde Dehmelt auf Initiative von Edwin Uehling Assistenzprofessor in Seattle (University of Washington)"(Und 1961 dort Professor). "1962 erreichte er zusammen mit Fouad Major die Speicherung von He+ in einer Paul-Falle und zusammen mit Norval Fortson und Hans Schüssler gelang die Messung der Hfs von 3He+ über die Beobachtung von spinabhängigem Ladungsaustausch zwischen He+ und Cs". 1967 und 1969 erschienen Teil 1 und 2 seines Werks Radiofrequenzspektroskopie gespeicherter Ionen. Seine Arbeiten wurden mehrfach preisgekrönt. Für Präzisionsmessungen am einzelnen gespeicherten Elektron-Positron-Paar erhielt er 1989 den Nobelpreis[54].

Das Arbeitsfeld der "Quadrupolresonanzen", das Hans Dehmelt und Hubert Krüger erschlossen hatten, wurde fortan in Amerika, in Göttingen und ab 1953 in Heidelberg vollends ausgebeutet. Im Herbst 1950 war Ulrich Meyer-Berkhout als Diplomand zur Arbeitsgruppe gestoßen, 1952 publizierten Hubert Krüger und er die Beobachtung von Quadrupolresonanzen am Kupfer in polykristallinen Verbindungen und eine Bestimmung des magnetischen Moments von Arsen 75 aus der Zeemanaufspaltung eines Quadrupolübergangs.

Meyer-Berkhout, 1927 in Holland geboren, wurde wie viele seines Jahrgangs, unmittelbar nach Stalingrad Luftwaffenhelfer. Dem öden Dienst am Geschütz in Flakbatterien in und um Essen konnte er sich im Mai 1944 entziehen, indem er sich zu einem Lehrgang für Hochfrequenztechnik meldete. Für diejenigen, die angenommen wurden, bedeutete das mitten im Krieg, in friedlicher Abgeschiedenheit im Westerwald eine intensive sechsmonatige Ausbildung in Elektro- und Hochfrequentechnik von beachtlichem Niveau. So intensiv, daß auch in der knapp bemessenen freien Zeit auf der Stube der Unterrichtsstoff repetiert und Protokolle ausgearbeitet wurden. Daneben wurden - minutenweise - mit einem verbotenen und darum versteckten Eigenbauradio 'Feindsendungen' gehört und diskutiert, was in wilden Raufereien enden konnte, weil die 8 Stubenbewohner nicht übereinkamen, was 'informativ' und was 'wehrkraftzersetzend' sei. Nichts davon drang nach außen, niemand verletzte die Stubensolidarität. Dem 'Scharführer' war allerdings nicht verborgen geblieben, was vorging. Er bewahrte nicht nur Stillschweigen, sondern schützte seine 'Schar', nicht ohne eigenes Risiko, mehrfach vor bösen Folgen[55]. Im Januar 1945 wurde der Lehrgang zur Luftnachrichten Schule in Halle verlegt und nach sechswöchiger Rekrutenausbildung wurden die 17-jährigen Soldaten bis in die ersten Apriltage, so gut es die Bombenangriffe erlaubten, in 'Funkmeßtechnik' unterwiesen[56]. Schließlich wurden sie noch an die nahe Front kommandiert, aber die jungen 'High-Tec-Spezialisten' quittierten solche Unvernunft über Nacht mit Selbstauflösung der Truppe. Meyer-Berkhout begann sein Physikstudium im Herbst 1946 an der neuen Universität Mainz. Mit einem guten Vordiplom und einer Empfehlung von Karl Bechert konnte er zum Sommersemester 1949 nach Göttingen wechseln. Im damals von W. Paul geleiteten Fortgeschrittenenpraktikum tauchte Kopfermann eines Tages auf, als Meyer-Berkhout und H. Fritzsche[57] gerade mit dem 'Zeeman-Effekt beschäftigt waren. Das einstündige Gespräch wurde zur gründlichen Prüfung mit dem Ergebnis, daß Paul und Kopfermann Meyer-Berkhout vorschlugen seine Diplomarbeit im Institut zu machen. Der Kandidat sagte ohne Zögern zu, bedang sich aber aus, zuvor ein Jahr in Amsterdam zu studieren.[58] In Göttingen war man von der Selbstverständlichkeit , mit der in Amsterdam die Quantenmechanik (de Boer, van der Waerden) auch für angehende Experimentalphysiker zu den Ausbildungsgrundlagen zählte, noch weit entfernt. Aber nicht nur im fachlichen Horizont hatten Auslandsaufenthalte zu allen Zeiten prägende Wirkung. Ihre Bedeutung für die Entwicklung beruflicher und privater Lebensverhältnisse lag nicht zuletzt im Anknüpfen grenzüberschreitender Beziehungen und in politischen und sozialen Vergleichsmöglichkeiten, die sie boten.

Eigentlich hätte man erwarten können, daß Quantenmechanik und Feldtheorie angesichts der atom- und kernphysikalischen Arbeitsschwerpunkte des Instituts besondere Beachtung im Lehrplan der Nachkriegszeit gefunden hätten. Aber Hans Kopfermann hing, ohne daß er dazu besondere Ausführungen gemacht hätte, einer epistemologischen, einer wissenschaftsphilosophischen Idee , einem 'anschaulichen Realismus', von experimenteller Gegenstandsnähe und 'Naturerkenntnis' an. Dies Ideal mochte ihm, wie anderen auch, wenn nicht durch die Quantenmechanik, so doch durch die formalistische Faszination, die von ihr ausging (und auch in den epistemologisch-theoretischen Kontroversen um die 'Kopenhagener Deutung' zum Ausdruck kam) bedroht erscheinen. Auch mag ihm bei seiner Übung in 'korrespondenzmäßigen' Überlegungen die praktisch-technische Bedeutung der Quantenmechanik geringer erschienen sein, als sie, diesseits der epistemologischen Überlegungen, war und ist. Um das `korrespondenzmäßige' Wissen herum entstand so etwas wie eine 'Institutsideologie', die ihre Vorteile für Entwicklung und Orientierung des experimentellen Programms haben mochte, die aber zur Vernachlässigung quantenmechanischer und feldtheoretischer Ausbildung führte.

Die 'Lehre' war im Institut und ganz besonders für Hans Kopfermann alles andere als Nebensache. Ihre Bedeutung hatte sie längst bevor mit dem Gedanken an Atom-, Raumfahrt- und andere Regierungsprogramme die Ausbildung von Fachkräften zur Hauptaufgabe wurde. Physiker zu werden, bedeutete eine Meßgröße (im Rahmen der Programmatik des Instituts) ins Auge zu fassen, Experimentiergeschick zu entwickeln, die Messung 'auszuwerten', den vorhandenen Apparat, gegebenenfalls Verbesserungen, wenn möglich für weitere Messungen auszunutzen, oder auch in Vorbereitung von Meßmöglichkeiten eine Apparatur zu 'erfinden', zu entwickeln, technische Neuerungen, die anderswo erschienen, auszuprobieren und zu adaptieren. Aber darauf beschränkte sich der Lernprozeß nicht. Er umfaßte auch die Aneignung der Arbeitsgebiete des Instituts und die Vermittlung des eigenen Arbeits- und Kenntnisstandes. Dazu gab es neben dem tag-täglichen informellen Austausch, arbeitsaufwendige Seminare und Kolloquien. 'Rituale', an deren Bedeutung sich alle, die durch diese Schule gingen, erinnern. Sie dienten sowohl der Aneignung von Kenntnissen, wie der Entwicklung eines Darstellungs- und Demonstrationsvermögens. In der 'Professorenschmiede' wurde versucht, die unterschiedlichen Überzeugungs- und Verführungskünste (die didaktischen Fähigkeiten), die das persönliche Gepäck enthielt, zu entwickeln, aber gleichzeitig auch einem 'Kanon' zu unterwerfen. Ein Kandidat 'probte' seinen Vortrag mindestens einmal mit dem Assistenten und einmal in Gegenwart von Kopfermann. Die Prozedur der Seminare bot Alten wie Jungen Gelegenheit, Horizonte auszuloten - zum eigenen Vorteil und zu dem des Instituts. Was für das Seminar galt, galt um so mehr für die normalerweise knapp bemessenen Redebeiträge zu Tagungen. Wissenschaftshistorisch gesehen hat die 'Demonstration' in der Physik, hat der 'Schein' in der 'Tatsachen-' und 'Erkenntnis-'Produktion, eine bedeutende Rolle gespielt. Eine Rolle, der die Anerkennung in der Regel versagt blieb, das gehörte zum guten Ton, auch in Göttingen. Entwurf und Abfassung von Texten, Diplomarbeiten, Dissertationen und Veröffentlichungen waren Gegenstand mehr oder weniger zahlreicher Besprechungen mit den Assistenten und schließlich mit dem Institutsleiter. Der fragte, wie gut Formeln und Rechnungen überprüft wurden, fragte nach den 'Fehler-Angaben'[59], nach der Genauigkeit der Resultate, diskutierte Interpretationen. Es war Gepflogenheit, daß zur Einleitung, wie auch bei Vorträgen, eine kurze 'Geschichte' der behandelten Fragestellung zur Sprache kam, und die Zitationsliste der einschlägigen Publikationen wurde auf Vollständigkeit geprüft.

Das Institut war in den Nachkriegsjahren nicht nur der Arbeitsplatz, sondern für viele 'Lebensmittelpunkt'. Die Familie Kopfermann hatte dort vorübergehend Wohnung bezogen, solange sie in der Baurat Gerber Straße ausquartiert war. Peter Brix hatte als Luftschutzwart unter dem Dach gewohnt[60]. In der Armut der Nachkriegsjahre wurde dort geheizt und gekocht und Wäsche gewaschen, Freundschaften und Ehen geschlossen. Aber auch als die Not geringer wurde, blieb die Tendenz bestehen, 'private' und Arbeitsatmosphäre ineinander aufgehen zu lassen - zugunsten der wissenschaftlichen Produktivität. Über und zwischen der Arbeit belebten die Gespräche. Die 'Kriegsheimkehrer' suchten intellektuelle und politische Neuorientierung, der Neuanfang und die 'Wandlung' standen schließlich überall in der Öffentlichkeit zur Debatte. Harro Butlar erinnerte sich an lange Gespräche mit Andreas Steudel und Hans Houtermans, dem jüngeren Bruder von Fritz[61], über die politische Unsicherheit, die der Hitlerstaat und die 'Niederlage' hinterließen, auch in ihm selbst. Das Institut vereinte im übrigen politisch und menschlich kaum zu vereinbarende Gegensätze. Manche hatten jahrelang nicht als 'Volksgenossen' gegolten. Andere hatten sich jedenfalls als solche betrachten können. Viele hatten die verschiedensten Wehrmachts- und Frontkarrieren und -erlebnisse hinter sich. Ganz sicher hat es der unterschiedlichsten Anstrengung bedurft, sich von vormaligen Denk- und Sprachgewohnheiten zu befreien. Manche, die durch das Hitlerregime Zurücksetzung erfahren hatten, fanden sich jetzt zu doppelter Tatkraft motiviert, andere spornte der Willen zum Neuanfang, zur 'Wandlung' an, - oder das erlebte Kriegselend, oder die verlorenen Jahre. Jedenfalls wurden alle Kräfte aktiviert. Manchen bot nach Kriegs- und Gefangenenschaftserlebnissen die wissenschaftliche Arbeit eine halbwegs beruhigende Zuflucht, während andere, durch Befreiung und - gedämpfte - Aufbruchstimmung motiviert, einen gründlichen Neuanfang mitgestalten wollten. Ein besonders aufregendes Kampffeld um Anerkennung und Status bot sich in der Physik wohl (noch) nicht, aber auch dieser Aspekt hat seinen Platz im Spektrum der Motivationen. Deren Vielfalt sollten die skizzierten 'Lebensdaten' - ohne jemandem zu nahe treten zu wollen - gelegentlich erkennen lassen.

In den allgemeinen Verhältnissen hat mancheiner einem anderen nicht die Hand geben mögen. Helmut Friedburg meinte: "ich hatte mir angewöhnt, andere strikt nur danach zu behandeln, wie sie sich mir gegenüber verhielten"[62] - eine sicher nicht immer einfache Haltung. Im Rahmen des Arbeitsgebietes, das keine besonderen Symbole für Wandlung und Neuanfang zu tragen schien, war der kleinste gemeinsame Nenner die wissenschaftliche Produktivität. Neu war immerhin, daß kein Anlaß mehr bestand zu Todes- und Verlustängsten, daß es die militärischen Maßnahmen und Vorgesetzten und auch den Zwang und Drill nicht mehr gab, daß man keine besondere List im Umgang mit den verschiedensten Zwängen mehr aufbringen mußte und sich nicht mehr überall mit Argwohn begegnete. In diesem Arbeitsklima kamen prinzipielle Zweifel und Wissenschaftskritik nicht auf und schienen abwegig, auch und gerade nach den Erfahrungen in der Hitlerzeit und trotz Bombe.

* * *

Hans und Hertha Kopfermann waren über die 'schlechten Zeiten' hinaus häufig von Krankheit geplagt. Unter dem 18. 5. 1951 hieß es in einem Brief an Lotte Gmelin:

"Wir sind hier laufend ein Krankenlager. Erst habe ich fast 14 Tage mich von einem Kreislaufkollaps erholen müssen und nun liegt meine Frau. Ihr Rücken hat sich in letzter Zeit erheblich verschlechtert und vor 3 Tagen bekam sie plötzlich ganz scheußliche Schmerzen, die sich um den ganzen Leib herumzogen. Unser Orthopäde befahl daraufhin, die Wirbelsäule zu röntgen mit dem Resultat, dass mehrere Bandscheiben zwischen verschiedenen Wirbeln krank sind und eine 'herausgesprungen' war. Das soll dann so scheußliche Nervenschmerzen machen, wie jetzt aufgetreten sind und die man durch Wärme, Ruhe, Liegen beseitigen soll. Ein ziemlich häßlicher Zustand"

Im Brief kam auch ein Vorschlag für gemeinsame Erholung der Frauen in den Bergen zur Sprache.

"Ich selbst kann nicht mit. Ich muß im Juli nach Kopenhagen und habe anschließend daran bis Anfang August mit dem Semesterende voll zu tun ... Die Kinder fangen jetzt auch an, selbständig zu werden. Sie wollen beide weg, aber ohne uns."

Zu diesen Ferien kam es nicht, aber im Herbst besuchte Hertha die Freundin für ein paar Tage in Kiel und schrieb unter dem 7. Oktober 1951:

"Wie gut hat es getan, daß wir einmal so viel geredet haben! Ich hatte gedacht, daß ich es gar nicht mehr könnte, denn ich bin schweigsam geworden in den letzten Jahren; und nun hab ich festgestellt, daß es doch recht gut ist, das Herz zu erleichtern ... Jetzt haben wir 8 Tage Schulferien hinter uns, die wir alle sehr genossen haben. Meist waren wir am Umzug tätig. Wir bewohnen - bitte bewahren Sie die Ruhe: dies ist der letzte Umzug!! - jetzt die Südräume, die wir durch Türen miteinander verbunden haben (das Mauerdurchbrechen war fürchterlich). Das große Wohnzimmer meines Mannes ist geblieben, jetzt aber mit Flügel u. den guten Möbeln, die endlich einmal zusammenstehen, dann kommt das kl. Wohnzimmer mit Couch, Schreibtisch u. Büchern (bisher Michael) u. mein Zimmer dito mit Schreibtisch, diese beiden letzten Zimmer mit einem Ofen zu heizen! Wir bilden uns ein, daß es jetzt wieder 'herrschaftlich' bei uns aussieht, jedenfalls nicht mehr so unharmonisch aufgeteilt wie bisher. Aber es hat eine Mordsarbeit gemacht; u. wäre mein Mann nicht verreist u. Michael nicht so hilfreich gewesen, wäre ich nie mit all dem Dreck fertig geworden (Öfen setzen, Tapeten, Türen streichen etc.!)."

Hans fügte hinzu:

"Ich selbst möchte mich aber sehr herzlich für die ungewöhnlich schönen Karamelbonbons bedanken, die Sie mir haben zukommen lassen. Es ist ja eine etwas betrübliche Erscheinung des Alters, daß man nach und nach auf die angenehmen Dinge des Lebens zu verzichten lernen muß. So rauche ich eben Bonbons ... Sie sollten sich auch einen jungen Hund zulegen. Ich hätte nie gedacht, wie sehr ein solches Tierchen das Familienleben anregt. Wir sind uns alle viere noch nie so einig gewesen, wie nun, da wir versuchen, Peter zu dem Muster eines Hundes zu erziehen. Selbst die abendlichen Spaziergänge, die um der Stubenreinheit des Hundes gemacht werden müssen, beleben den ständigen Mangel an Sauerstoff der Familienmitglieder und ihre Einigkeit."
Im April des folgenden Jahres konnte Hertha dann berichten, daß sie im Februar/März wieder in Gastein gewesen sei ("um unsere noch vorhandenen Dollars zu verjubeln") und daß Hans für einige Zeit zu Vorträgen nach England reise ("Dort hofft er, seine verloren gegangene schlanke Linie an Hand der schlechten englischen Kost wieder zu erlangen".). Wieder wurde versucht, gemeinsame Ferien zu planen ("Könnten Sie sich denken, daß es draußen, vielleicht in Schöneberg oder dort irgendwo eine nette Stelle geben könnte, wo mein Mann und ich uns für etwa 14 Tage niederlassen könnten? Dann wäre doch die Möglichkeit gegeben, daß wir uns oft sehen könnten."). Es klappte wieder nicht, von allen Unterkünften in Hohwacht kamen nur Absagen. So fuhren Kopfermanns Anfang Juli 1952 für ein paar Tage in den Harz, während Renate in Loheland ihrer Leidenschaft für Pferde nachging, und Michael mit zwei Freunden eine Radtour (über Kiel) machte.

1952 war das Jahr, in dem das Institut sich leerte. Hans Kopfermann konnte einem ruhigeren Betrieb entgegensehen. Aber in diesem Jahr veränderte sich auch das wissenschaftspolitische Umfeld für die Physik entschieden. Vor dem Hintergrund amerikanischer Wissenschaftspolitik während und nach dem Koreakrieg, vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Wachstums, der Wiederbewaffnung und der wachsenden Souveränität der Bundesrepublik kam die Reaktorentwicklung ins Blickfeld, wurde die Atomkomission der DFG eingerichtet, die Forschungsförderung aufgestockt.

1952 war auch das Todesjahr Rudolf Ladenburgs und Kopfermann schickte am 2. Juni den Nachruf, aus dem bereits zitiert wurde, an die Naturwissenschaften. Ladenburg hatte zu denen gehört, die sehr früh wieder Verbindungen zu ehemaligen Kollegen aufgenommen hatten und der dann auch nach Deutschland reiste.

"Sein Verständnis für die heutige deutsche Physik und die Sorge um ihre Zukunft, vorallem aber sein Interesse an dem Nachwuchs kamen in vielen Gesprächen, die wir bei seinen Deutschlandbesuchen in den letzten Jahren geführt haben, immer wieder zum Ausdruck...."[63]

Im Sommer 1952 besuchten Max Born und Richard Courant Göttingen, wie aus einem Brief Borns an Albert Einstein vom 28.10. 52 hervorging, der zugleich über die Atmosphäre des kalten Krieges Aufschluß gab:

"Diesen Sommer traf ich Courant in Göttingen; er möchte mich gern nach New York einladen, aber das wird wohl nicht gehen. Denn da ich in Breslau, jenseits des 'Iron Curtain' geboren bin, bin ich nach Eurem 'McCarthy Act ' von USA ausgeschlossen. Gern wüßte ich, was Du von der heutigen Politik, besonders der amerikanischen denkst: Von hier gesehen, scheint alles scheußlich - die britische Politik eingeschlossen (s.z.B. den Mau-Mau-Aufstand in Kenya). Und dann auf der andern Seite der Prozeß in Prag gegen bewährte Kommunisten, mit stark antisemitischem Einschlag! Von China werde ich mit Propaganda bombardiert, wüst anti-amerikanisch. Meine vernünftigen chinesischen Mitarbeiter, liebe, feine Kerle, scheinen nach ihren Briefen auch alle politisch übergeschnappt zu sein, seit sie in China zurück sind. Eine schöne, vielversprechende Welt! Da ich 8 Enkel habe, geht es mich an - Dir mag es ziemlich gleichgültig sein, abgesehen von Deinem guten Herzen."

Born übertrieb nicht, was die Folgen des 'McCarthy Act' anbetraf. Die Amerikaner verfolgten eine außerordentlich repressive Politik. Alfred Kastler erhielt im Januar 1951 kein Visum zur Teilnahme am Treffen der American Physical Society, weil er Mitglied der 'Fédération des travailleurs scientifiques' war. Schon vor dem Koreakrieg hatte Harry Truman im Frühjahr 1951 McCarthys Vorgehen ausdrücklich gebilligt: der Staat kehrte die Beweislast um und verlangte vom Angeklagten den Entlastungsbeweis[64]. Dwight Eisenhower rückte von McCarthy auch nicht ab, wie manche Ostküsten-Republikaner gehofft hatten. Er setzte sogar mit einem die Bundesbediensteten betreffenden Erlaß 'noch eins drauf' und brüstete sich im Januar 1954 mit der Entlassung von 2200 Personen. Im Dezember 1953 wurde Robert Oppenheimer vor den McCarthy Ausschuß zitiert[65].

Ein Jahr später hatte sich Max Born entschieden, den Rest seines Lebens in Deutschland zu verbringen. Unter dem 26.9.53 schrieb er:

"Hedi und ich sind gerade aus Deutschland zurückgekehrt. Erst waren wir in Göttingen bei der Jahrtausend-Feier der Stadt, wo Nohl, Franck, Courant und ich zur Ehrenbürgern ernannt wurden. Es war eine harmonische Feier. Franck oder Courant kann Dir davon erzählen. - Dann waren wir in Bad Pyrmont, wo wir ein Häuschen bauen, um uns dort für unser Alter niederzulassen. Ich trete jetzt von meinem Lehramt zurück. Das Leben in Deutschland ist wieder recht angenehm, die Leute sind gründlich zurechtgeschüttelt - jedenfalls gibt es viele feine, gute Menschen. Wir haben keine Wahl, weil ich dort eine Pension habe, hier nicht."

Darauf antwortete Einstein:

"Wenn es jemand gibt, der für Deine Übersiedlung in das Land der Massenmörder unserer Stammesgenossen verantwortlich gemacht werden könnte, so ist es allenfalls Dein für seine Sparsamkeit allberühmtes Adoptiv-Vaterland..."

Born verwahrte sich gegen Einsteins Clichévorstellung von den Schotten und erklärte zu dessen Vorbehalt gegenüber Deutschland zehn Jahre später:

"Das war seine Meinung ('Land der Massenmörder'), von der er niemals abging. Er hat meine Rückkehr nach Deuschland nicht verstanden und nie gebilligt".

Zur Göttinger Feier hat er rückblickend noch einmal festgestellt:

Das Fest verlief feierlich und freundlich, auch der skeptische Franck fand keinen Grund zum Grollen. Er ist später oft nach Göttingen zurückgekehrt...[66]

Das politisches Klima in Deutschland und die Konjunktur in der Wissenchaftsförderung hatten durchaus auch ihre Schattenseiten. Der Aufbruch, der in Kulturzeitschriften wie 'Die Wandlung` (Jaspers, Sternberger), 'Das Goldene Tor` (Döblin), 'Der Ruf` (Andersch, Richter), 'Die Fähre`, oder in 'Der Aufbau` (Ein Ost-West-Forum) seinen Ausdruck gefunden hatte, war zu Ende. Einzig die 'Frankfurter Hefte` (Dirks, Kogon) erschienen weiter, aber Eugen Kogon schrieb:

"Wir sind gescheitert. Wir haben nur noch bibliothekarischen Wert. Was wir wollten, ist in der Essenz nicht sichtbar geworden."

Alfred Döblin verließ Deutschland Ende 1953 wieder, enttäuscht und verarmt. Er schrieb an den Bundespräsidenten Theodor Heuß:

"Es war ein lehrreicher Besuch, aber ich bin in diesem Lande, in dem ich und meine Eltern geboren sind, überflüssig. Meine Bücher fanden keine Leser, denn die Öffentlichkeit beschäftigte sich mit dem Herrn Benn, der uns in die Emigration gedruckte Flüche nachschickte, Carossa ist groß..."[67] Anläßlich einer Kundgebung am 19 Januar 1953 in der Frankfurter Paulskirche zum Thema 'Rettet Einheit, Freiheit, Frieden hatte der Innenminister a.D. und spätere Bundespräsident, Gustav Heinemann, gesprochen:
"Sieht man wirklich nicht, daß die dominierende Weltanschauung unter uns nur aus drei Sätzen besteht: Viel verdienen - Soldaten, die das verteidigen - und Kirchen, die beides segnen!?"[68]


[1]Fraser war ein Spezialist für 'Molecular beams'. Schon 1931 hatte er eine Monographie 'Molecular Rays' geschrieben. Er hatte mit H.S.W.M. Massey in Cambridge zusammengearbeitet. Dort auch 1933 mit Immanuel Estermann. 1937 - Fraser arbeitete im Labor der Imperial Chemical Industries (ICI) - erschien in der Reihe Methuen's Monographs on Physical Subjects sein kleines Buch (70 S.) 'Molecular Beams', das 10 Jahre später im Göttinger Institut die Einstiegslektüre der Atomstrahlgruppe wurde (Pers. Mitt. Gerhard Fricke, Gespräch, Mainz , Oktober 1999)

[2]Nach seiner Tätigkeit in der Militärregierung vertrat Fraser ab 1950 das International Council of Scientific Unions (ICSU) bei der UNESCO. S. Brief vom 8.2.'50 an den Vizepräsidenten der NG (Werner Heisenberg) mit der Anfrage, wer deutscherseits zu einer eventuellen Aufnahme in das ICSU in Frage käme. Zitiert bei Armin Hermann, "Germany's part in the setting-up of CERN", CERN History I.

[3] Geb.1909, seit 1944 a.o. und ab 1948 o. Professor

[4] Bonhoeffer verwaltete von Göttingen aus noch bis 1951 das Dahlemer ehemalige KWI, das jetzt Teil der Berliner Forschungshochschule war.

[5]Physics of the Electron-Shells (Physik der Elektronenhüllen) Senior Author: Hans Kopfermann. Co Authors... Wiesbaden, Dieterich, 1948, 130 S. Octav (Text deutsch.Fiat Review...) Auch FIAT Review Bd. 12, Weinheim, Verlag Chemie, 1953 130

[6]Z.Physik 126, 1949, S.399

[7]Geb. 1910

[8]Eduard Grüneisen war seit 1927 Professor in Marburg und bekannt als Mitherausgeber der 'Annalen'. Als er am 5.4.1949 gestorben war, nannten ihn E. Goens, H.O. Kneser, W. Meissner und E. Vogt im Nekrolog "einen der Meister der präzisen physikalischen Messung" (Ann. 6te Folge, 6, 1949)

[9]Wilhelm Walcher erinnerte sich im Gespräch, daß die Reise von Göttingen nach Marburg 1946, als die Bizone noch nicht etabliert war, mit den üblichen Kontrollen beim Übergang aus der britischen in die amerikanische Zone mehr als sechs Stunden dauerte. Als das Ministerium ihn aufforderte, 'schon mal hinzugehen', obwohl die Verhältnisse in Marburg nicht geklärt waren, "blieb mir nichts anderes übrig, als Geheimrat Grüneisen aufzusuchen, ihm die Situation zu schildern und ihn um Rat zu fragen". Aus einem Brief an Hans Kopfermann von Friedrich Hund, den Wilhelm Walcher später zu Gesicht bekam, ging hervor, daß Hund den Ruf nach Leipzig veranlaßt hatte. Gespräch in Marburg, Juni 95.

[10] Unklar ist mir die Verbindung von Ulrich Stille(1910-1976) zum Institut. Er hatte 1933 noch bei Franck promoviert, war Assistent bei Joos, ab 1939 Privatdozent in Braunschweig und ab 1940 Oberingenieur in Braunschweig bei Günther Cario. Maria Theresia Haar und er heirateten 1941. In der Nachkriegszeit hielt er sich in Göttingen auf. 1948 konnte er in Braunschweig wieder lehren, wurde Regierungsrat in der PTB, 1958 Direktor und schließlich, 1970-1975, Präsident.

[11]S. Klaus Hentschel, Gerhard Rammer, "Kein Neuanfang: Physiker an der Universität Göttingen 1945-1955", ZfG 48, 2000, S.723.

[12]Karl Heinz Hellwege und Anne Marie Röver hatten 1939 geheiratet und hatten drei Kinder

[13]Angaben grösstenteils nach Klaus Hentschel, Gerhard Rammer loc.cit.; Zitat HStAH, Nds. 171 Hildesheim, Nr.11847, zitiert nach Hentschel/Rammer.

[14] Zu Fritz Houtermans (1903-1966) s.o., die Kapitel 'Alma Mater', ,Grenzgänger`

[15]Universitätsarchiv Göttingen, Fragebogen, datiert vom 10. April 1948

[16]Geb. 1913 in Lorentzkirch; der Vater (gest. 1926) war Universitätsprofessor für Pharmazie, hatte bei Wilhelm Ostwald studiert. Ein Großvater in Lorentzkirch war Pfarrer. Wolfgang Paul und Liselotte Hirsche hatten 1940 geheiratet und hatten drei Kinder

[17]Übrigens empfand Samuel Goudsmit in einem Brief an Victor Weisskopf die Arbeit mit dem 'Göttinger Betatron' als 'betrügerische' Umgehung der alliierten Bestimmungen - deren Zweckmäßigkeit im Einzelnen ließe er dahingestellt - und damit als Beleg für typisches (Un-)Rechtsbewußtsein in Deutschland. Brief vom 11.11.1948 Niels Bohr Library Maryland, Samuel Goudsmit papers, Box 24, Series III, 257, freundliche Mitteilung Gerhard Rammer, März 2001

[18]Vgl. Naturwissenschaften 36, 1949, Z. f. Naturforschung 4b, 1950, 5b, 1951

[19]Geb.1914 in einer Stettiner Kaufmannsfamilie

[20]Krüger publizierte 1939 eine Untersuchung zum "Verhalten einiger Vakuumphotozellen bei hohen Spannungen ud hohem Lichtströmen" (Zeitschrift für technische Physik 20, 1939, S.50-55); (H. Krüger, "Über den Einfluß der Absaugung auf die Lage der Umschlagstelle an Tragflügelprofilen", Ingenieur Archiv 19, 1950,384 - ein gleichnamiger anderer Autor?)

[21]Wie bereits erwähnt, hatten Maria Heyden und Kopfermann Aufnahmen mit 'anomalen' Linienverschiebungen damals auf Fehljustierung der Apparatur zurückgeführt und verworfen. Kopfermann schrieb 1948 an Maria Heyden `da ist uns ein schöner Blumenpott entgangen'.

[22]Im bereits zitierten Brief an Niels Bohr vom 12.4.1948 (s.o. Kapitel 'Reisen in Schlaraffenländer') schrieb Kopfermann:"Neuerdings sind wir sehr angeregt worden durch die Feinstrukturanomalien an der H-alpha. Wir haben daraufhin die Feinstruktur der alten Paschenschen He+ - Linie lambda= 4686 A (n=4 -> n=3) untersucht und festgestellt, dass die Bethesche Profezeihung für die Verschiebung des 3-Dublett-P-einhalb Terms richtig ist. Nun versuchen wir noch die Li ++ -Linie lambda= 4501 A (n=5 -> n=4), die allerdings schwer anregbar zu sein scheint."

[23]Vgl.. W. Gordy, Rev.Mod.Phys. 20, 668, 1948

[24]Hubert Krüger habilitierte sich 1951 in Göttingen und folgte Kopfermann 1953 als Oberassistent nach Heidelberg. 1956 wurde er Professor in Tübingen.

[25]Geb. 1918 in Kappeln/Schlei; der Vater besaß eine kleine Schiffswerft

[26]Mc Graw-Hill, Modern Scientists and Engineers, NY 1980 (Autobiographische Angaben)

[27]In den Physikalischen Berichten rezensierte Ritschl

[28]Aus Kanada zurück, folgte er Kopfermann nach Heidelberg und wurde 1957 nach Darmstadt berufen

[29]Vgl. auch Arbeiten von W.v. Siemens zur Hfs im Iridium I - Spektrum und zum Quadrupolmoment des Goldkerns, Ann.d.Phys.13, 1953

[30]Mc. Graw-Hill, Modern Scientists... a.a.O.

[31]Gespräch Berlin, Juni 97

[32] Ebenda

[33]Geb. 1922, 1960 Prof. in Mainz

[34]Geb. 1919, 1960 Professor in Freiburg.

[35]Kopfermann etwas pikiert: "die haben, scheint's, sogar ein eigenes Seminar"

[36]Vgl . Immanuel Estermann "Atom- und Molekularstrahlen", Handwörterbuch der Naturwissenschaften, 2te Aufl., Jena, Fischer, 1931, S. 607 und ders., Z. Physik, 54, S.191

[37]Alfred Lichtwark (1852-1914), seit 1886 Direktor der Hamburger Kunsthalle, war ein Neuerer in der Kunst- und Museumspädagogik. Er trat ein für einen lebendigen Umgang mit den Künsten und wies ihnen im Leben eine allererste Rolle zu. Die nach ihm benannte Schule wurde 1920 gegründet. Sie verfügte über eine ausgezeichnete Quellenbibliothek, eine Voraussetzung für den reformpädagogischen ,Arbeitsunterricht`, die leider nur selten gegeben war. Das Schulziel selbständigen Urteils und selbständigen Handelns fand seinen Ausdruck vor allem in ,Jahresarbeiten` der Schüler. Helmut Schmidt, SPD-Politiker, Bundeskanzler, Journalist und Absolvent des Gymnasiums meinte "die Lichtwarkschule hat mich schon geformt" "Zum Denken erzogen", Die Zeit 37, 2001 (aufgezeichnet von Dieter Buhl)

[38]Wichtig waren die praktische Ausbildung im Boot und der professioneller Nautikunterricht (übrigens in den Räumen der Hamburger Seefahrtschule) private Mitteilung Helmut Friedburg, E-mail vom 6. Mai 2002

[39]"Die Toleranz der Lichtwarkschule hat mich für mein Leben geprägt und mir manche Probleme erspart. So konnte ich ein gutes Teil dazu beitragen, daß die Auseinandersetzungen der 68-er Jahre in Karlsruhe weit friedlicher verliefen als an anderen Hochschulen in Deutschland" Helmut Friedburg, ebendort.

[40]Dem Ingenieur und Segelflugpionier Peter Riedel (1905-1998) standen zwar die Hochleistungsmaschinen der Rhoen-Rossiten-Gesellschaft zur Verfügung, doch war er auf freiwillige Helfer angewiesen. Bewerber gab es genug unter den jungen Segelfliegern. Helmut Friedburg hatte sich im Vorjahr angeboten und wurde angenommen. Riedel gewann den Wettbewerb.

[41]"Es ging mir dabei nicht schlecht, wenn man von den Nachteilen des niedrigsten Dienstgrades absieht. Das letztere hinderte aber nicht, daß ich einmal einen Hörsaal voller Offiziere zu belehren hatte über das, was ich auf der Heeresfunkschule in einem zweiwöchigen Kursus gelernt hatte..." Helmut Friedburg E-mail an den Autor vom 6. Mai 2002

[42]Zunächst wieder in Hersfeld, dann in Kassel. Einer der ersten schweren Bombenangriffe zerstörte dort das Geschäft. Das Arbeitsamt genehmigte im Herbst 1943 einen Wechsel nach Göttingen. Böker und Heidefuss, so hießen die Geschäftsinhaber dort, verliehen eine Lautsprecheranlage, die regelmäßig auch von der Kreisleitung gemietet wurde. Der Betrieb und die Wartung wurden Friedburg übertragen. Als beide Firmeninhaber zum Kriegsdienst eingezogen waren (Böker erst im Herbst 1944) schloß das Geschäft. Friedburg mußte Arbeit in der Rüstungsindustrie übernehmen, blieb jedoch weiterhin für den gelegentlichen Betrieb der Lautsprecheranlage zuständig. Die Waagenbaufirma Sartorius baute - neben Waagen mit Mikrogramm-Genauigkeit für die Chemie und Milligramm-Apothekerwaagen - Theodoliten, Mikrotome und elektrische Bombenzünder. Insgesamt kriegswichtige Produkte. Die Firmenleitung war dem Besitzer des Familienbetriebes genommen und einem kompetenten Ingenieur übertragen worden. Der war ein 'Parade-Parteigenosse', der als Industrievertreter zusammen mit dem Kreisleiter und dem lokalen SD - Führer das Kreiskomitee für die u.k.-Stellungen bildete, und sich um so eher einen Angestellten leisten konnte, der nicht als 'Volksgenosse' galt. Helmut Friedburg trug als Mitarbeiter einer 'DAF-Gefolgschaft' das DAF-Abzeichen und Kreisleiter Gengler, dem er als Techniker der Lautsprecheranlage begegnete, äußerte gelegentlich Zweifel, ob er dazu überhaupt berechtigt sei. Am Kriegsende war der Techniker Zeuge eines Telefongesprächs, demzufolge Gengler sich durchrang, einen Befehl zur Vernichtung von Lebensmittelvorräten nicht zu geben. (Gespräch mit Eva und Helmut Friedburg, Waldbronn, September 1996 und Private Mitteilung Helmut Friedburg E-mail vom 6. Mai 2002)

[43]"Man konnte damals in Göttingen nur zugelassen werden, wenn man neben anderem zwei Empfehlungen von Professoren beibrachte. Ich war so naiv, nicht zu merken, daß dies eine Tarnung des ungeliebten Begriffs Zulassungsprüfung war und wurde in dieser Meinung dadurch bestärkt, daß ich eine Empfehlung von Prof. Zahn (3. physikalisches Institut) auch so bekam. Aber bei Pohl war das anders. "Kommen Sie in einer halben Stunde wieder, Prof. Mollwo wird Sie dann prüfen." Das war also erst nach meinem zweiten Besuch bei Pohl. Diese halbe Stunde habe ich benutzt, um auf den Wall zu gehen und meine Kenntnisse zu repetieren. Hierzu gehörte auch die Larmorpräzession, und nachdem ich bei Mollwo in den Grundlagen ganz gut abgeschnitten hatte, kam der Zeeman- Effekt an die Reihe. Ich habe dann gesagt, daß ich über den anomalen nichts wüßte und den normalen erklärt und dann konnte ich ihm auch den Namen Lamor nennen und das wars dann." (Private Mitteilung Helmut Friedburg, E-mail vom 6. Mai 2002.

[44]H. Ehrenberg, Wolfgang Paul, Nobelpreis 1989, Phys. Bl. 45, 1989, S.425

[45]Helmut Friedburg und Gerhard Fricke, "", Z.Physik,

[46]Zu der biographischen Parallele sagte Gerhard Fricke, daß er nie mit Kopfermann über den Krieg gesprochen habe. Aber keine andere Lektüre zu diesem Thema habe ihn so berührt, wie Kopfermanns Aufzeichungen seiner Kriegserlebnisse. Gespräch, Mainz, Oktober 1999.

[47]Wessel war später Physik-Professor an der Syracuse University. Von ihm lernte Gerhard Fricke in Amerika das Golfspiel, das ihn bald passionierte und zwischen beiden bestand eine Freundschaft bis zu Wessels Tod.

[48]Etwa ein Drittel der 157 Teilnehmer waren Gäste aus dem Ausland, 12 aus Amerika, 14 aus England, 13 aus Frankreich, 6 aus der Schweiz, 2 aus Schweden, 1 aus Dänemark, 1 Japaner, 1 Deutscher.

[49]Bibliothek des Institut de Physique de l'Ecole Normale, Paris, Fond Kastler Nr.17 363

[50]Martin Kersten geb. 1906 in Zittau, Studium Berlin, Promotion 1942 TH Stuttgart, seit 1930 bei Siemens-Halske; 1946 TH Dresden und Universität Jena, 1951 Vakuumschmelze Frankfurt, Uni Frankfurt, TH Aachen, 1961 Präsident PTB

[51]Z. Phys. 125, Einsendedatum 10.5.48

[52]Herzberg, "der große Meister der Molekülspektroskopie" hatte 1933 seinen Darmstädter Lehrstuhl aufgeben müssen. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Chemie. Vgl. Peter Brix, "Erinnerungen an die Physik von 1945 bis 1970" in Otto M. Marx und Annett Moses Hg., Emeriti erinnern sich. Rückblicke auf die Lehre und Forschung in Heidelberg, Weinheim Verlag Chemie, 1994, Bd. II, S.19

[53]Im Gespräch mit Ulrich Meyer-Berkhout machte Kopfermann auch die nachfolgende Äusserung. Er war sich wohl nicht bewußt, in welchen Zwiespalt er den jüngeren Mitarbeiter Dehmelts mit einer Vertraulichkeit brachte, die kaum zu kommentieren war.

[54]Zitate aus Marqui's World Who is Who in Science, 1968 nach Angaben von Dehmelt selbst

[55]Als Meyer-Berkhout mehr als vierzig Jahre später H. Arnold, den Feldwebel und Ausbilder von damals, ausfindig machen konnte und sich bei ihm bedankte, meinte der nur "Das hätte an meiner Stelle doch jeder so gemacht".

[56]Die Qualität des Unterrichts schien den allgemeinen Verhältnissen zu trotzen: noch im März 1945 bemühte sich ein Dozent, seinen Hörern, die bestenfalls die Integralrechnung auf Schulniveau beherrschten, einen Begriff vom Linienintegral zu geben.

[57]H. Fritzsche erhielt 1951 ein Stipendium zum Studium in Chicago, blieb dort und arbeitete im gleichen Department, in dem Peter Meyer eine Professur für Festkörperphysik übernehmen sollte.

[58]Dort erfuhr er die notorische Schreibfaulheit Kopfermanns. Briefe blieben unbeantwortet, so daß er am Ende seines Amsterdamer Studienjahres unsicher war, ob er in Göttingen noch willkommen sei. Die damals üblichen hierarchischen Gepflogenheiten mißachtend, rief er den Professor einfach an. Der antwortete: "Ja kommen Sie nur, ich werde Ihnen dann schon ein Thema finden - etwas mit Hochfrequenz und Kernen" (U. Meyer-Berkhout, Gespräch Hofkirchen/Donau, Juli 1997). Übrigens hatte Meyer Berkhout schon 1939/40 ein Gymnasium in Holland besucht und im Vergleich zu Essen eine 'andere Welt' erlebt.

[59]"Als Meßfehler gaben wir stets den dreifachen statistischen Fehler an, im Sinne einer 'Fehlergrenze'.Wenn man ein Jahr lang an jedem Tag eine Messung macht, liegen die wahren Werte im Mittel nur an einem Tag außerhalb dieser 'Fehlergrenze'. Das erschien angemessen, war dennoch unklug. Weil nämlich andere Autoren in der Regel den einfachen Fehler angaben, wurden unsere Daten bei Zusammenstellungen so gewichtet, als ob sie ganz ungenau wären. Es hat mich später Überwindung gekostet, meinen Mitarbeitern zu folgen und zuzustimmen, daß auch wir einfache statistische Fehler angaben." Peter Brix, "Erinnnerungen...", a.a.O., S. 20.

[60]"Ich wohnte im Institut, weil ich als Luftschutzwart eingeteilt war, in einem Raum des Praktikums im 2. Stock, in der 'Wärme' wie wir diesen Raum nannten. Dort hinein habe ich auch geheiratet." Peter Brix, "Erinnerungen...", a.a.O., S.10

[61]Hans Houtermans, Sohn aus zweiter Ehe des Vaters, den Berichten zufolge"viel ruhiger" als sein Bruder (und Pfeifenraucher wie dieser), hatte, von Studienaufenthalten abgesehen, den ganzen Krieg mitgemacht und war unverletzt zurückgekommen. Infolge eines Zugunglücks (Mannheim) verlor er ein Bein. Seine Genesung und Rehabilitation waren in der Not der Nachkriegszeit eine weitere Herausforderung, zumal auch für Ilse und Fritz Houtermans. Er arbeitete später in der Wiener Atombehörde.

[62] Gespräch Waldbronn, Oktober 1996

[63] Hans Kopfermann, "Rudolf Ladenburg", Die Naturw. 39, Heft 13, 1952 S..289

[64]Vor diesem Hintergrund beklagte sich Victor Weisskopf, dann Gast im Institut Henri Poincaré in Paris, im Januar 1951 bei den Herausgebern von 'Physics Today' über einen Artikel von A. Zucker: "... I would like to draw your attention especially upon the section on "political physics" and the last section upon the international laboratory. / The statement regarding the political affiliation of laboratories is perhaps partly true for Joliot's laboratory, but not for the others. Please, put yourself into the mind of a French physicist (Le Prince Ringuet, Auger, Perrin, DeBroglie) and imagine how they feel when they read these remarks about themselves, written by a young boy who has just finished graduate school, after they have shown him around their laboratories. / The remarks concerning the inability of European Science to run an international laboratory, to say the least, are somewhat tactless. I have never seen any indication that European scientists would be unable to run a big laboratory especially in their present institutions with practically no funds. In many instances these results are due to excellent team work ... Today, more than ever, we must be careful not to jeopardize the friendship of our foreign colleges, their high esteem of American science and their personal confidence in American scientists". (Niels Bohr Library, Maryland, Samuel Goudsmit Papers, Box 24 Series III, Freundliche Mitteilung Gerhard Rammer). Die Unterscheidung zwischen Joliot (der der PCF angehörte) und den anderen Physikern war vielleicht weniger klug, wenn es um Widerstand gegen den McCarthy Act ging,.

[65]Vgl. Paul Forman, Behind Quantum Electronics: National Security as basis for physical research in the United States 1940-1968

[66] Alle Zitate Born-Einstein-Briefwechsel loc.cit.

[67]Zitiert nach Peter Mertz, Und das wurde nicht ihr Staat. Erfahrungen emigrierter Schriftsteller mit Westdeutschland, München, Beck, 1985. Döblin sprach wohlweislich gar nicht erst über die Fortdauer von Schriftstellern wie Ernst Salomon, Guido Kolbenheyer oder auch Walther Molo. Hans Henny Jahnn schrieb ihm, daß man von Deutschland als Staat nchts menschliches erwarten könne.

[68]Gustav W. Heinemann, Im Schnittpunkt der Zeit, Reden und Aufsätze (mit einem Vorwort von H. Gollwitzer), Darmstadt 1957 S. 119

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